Suche nach mutmaßlichem Haupttäter von Spanien läuft auf Hochtouren

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Fahndungsfoto von Younes Abouyaaqoub

Drei Tage nach den Anschlägen in Barcelona und Cambrils läuft die Fahndung nach dem mutmaßlichen Haupttäter auf Hochtouren. Die Polizei wisse nicht, ob sich der 22-jährige Marokkaner noch in Spanien aufhalte, teilte die katalanische Polizei am Sonntag mit. In ganz Katalonien wurden Straßensperren errichtet. Aufgrund des Funds von 120 Gasflaschen geht die Polizei davon aus, dass die Terrorzelle von Barcelona eigentlich "einen oder mehrere" Bombenanschläge geplant hatte.

Der 22-jährige Younes Abouyaaqoub soll laut Medienberichten am Donnerstagnachmittag den Lieferwagen in die Menschenmenge auf der Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona gesteuert haben. Die katalanische Polizei erklärte indes, es stehe weiterhin nicht fest, wer den Lieferwagen gefahren habe. Es sei unklar, ob sich der gesuchte 22-Jährige noch in Spanien befinde, sagte der katalanische Polizeichef Josep Lluís Trapero am Sonntag.

Die zwölfköpfige Terrorzelle soll von den Orten Ripoll und Alcanar in Katalonien aus agiert haben. In Alcanar hätten die Verdächtigen mindestens 120 Gasflaschen für "einen oder mehrere Anschläge" in der katalanischen Hauptstadt gehortet, teilte die Polizei mit. Die Gasflaschen hätten sich auf einem Anwesen in Alcanar befunden, wo durch eine Explosion in der Nacht zum Donnerstag die ursprünglichen Anschlagspläne durchkreuzt worden seien.

Die Attentäter hatten daraufhin mit Fahrzeugen die zwei Anschläge in Barcelona und Cambrils am Donnerstag und in der Nacht zu Freitag verübt, bei denen insgesamt 14 Menschen getötet und mehr als 120 verletzt worden waren.

Zu der Terrorzelle zählte den Ermittlungen zufolge ein marokkanisches Bruderpaar - der 17-jährige Moussa Oukabir, der zusammen mit vier weiteren mutmaßlichen Attentätern in Cambrils erschossen wurde, und sein 27-jähriger Bruder Driss Oukabir, der in Ripoll festgenommen wurde. Der 17-Jährige war zunächst als möglicher Fahrer des Lieferwagens bei dem Anschlag in Barcelona genannt worden.

Trotz des flüchtigen mutmaßlichen Haupttäters sei die Terrorzelle "zerschlagen", sagte der Innenminister der katalanischen Regionalregierung, Joaquim Form, am Sonntag. Zu den Anschlägen in Barcelona und Cambrils hatte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt.

In Ripoll wurde am Samstag die Wohnung des Imams Abdelbaki Es Satty durchsucht, der nach Informationen der Zeitung "El País" möglicherweise bei der Explosion in Alcanar getötet wurde. Es Sattys Mitbewohner sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe den Imam am Dienstag zum letzten Mal gesehen. Der islamische Geistliche habe ihm gesagt, dass er seine Frau in Marokko besuche.

In Ripoll lebten die meisten Mitglieder der Terrorzelle. Laut Medienberichten war der Imam der spanischen Polizei bekannt. Er soll selbst wegen kleinerer Straftaten im Gefängnis gewesen sein und habe dort Häftlinge getroffen, die an dem verheerenden islamistischen Anschlag von Madrid 2004 beteiligt waren.

Am Sonntag versammelten sich rund 2000 Menschen in der Sagrada Família in Barcelona, wo unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ein Trauergottesdienst stattfand. Daran nahmen auch König Felipe, der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy und der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont teil.

Auf den Dächern rund um die berühmte Kirche von Gaudí waren Scharfschützen postiert, am Boden patrouillierten schwerbewaffnete Polizisten. Vor der Basilika versammelten sich hunderte Menschen.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte bei einem Solidaritätsbesuch am Samstag in Barcelona, es werde trotz der Attentate keine Reisewarnung für Spanien geben. Es gebe "keine absolute Sicherheit gegenüber feigen Mördern". Zuvor hatte Gabriel auf den Ramblas Blumen niedergelegt. Bei dem Anschlag in Barcelona waren auch mindestens 13 Deutsche verletzt worden.