Subotic im Einsatz für eine bessere Welt

Thomas Klein
Neven Subotic setzt sich für eine bessere Welt ein

Die Sonne steht hoch am Himmel, keine Wolke ist zu sehen. Das Außenthermometer des kleinen Geländewagens zeigt 42 Grad Celsius an. Das Auto quält sich über die Schotterpiste - es staubt.

Die Kolonne, bestehend aus drei Fahrzeugen, ist unterwegs im nördlichsten Teil von Äthiopien, der Tigray-Region. BVB-Profi Neven Subotic sitzt auf dem Beifahrersitz. Gemeinsam mit dem Team seiner Stiftung ist er einmal mehr in einem der ärmsten Gebiete des afrikanischen Kontinents unterwegs - und gibt SPORT1 darüber exklusive Einblicke.

VIDEO: So hilft Subotic in Afrika

"Ich bin davon überzeugt, dass es richtig ist und es für mich keine bessere Alternative gibt", erklärt der 29-Jährige: "Am Pool liegen ist eine viel schlechtere Alternative. Das würde ich für mich zumindest behaupten."

"Hier fühle ich mich wirklich wie unter Freunden"

Während viele seiner Kollegen ihre Sommerferien in Dubai, der Karibik oder ähnlichen Destinationen verbringen, ist Subotic mit seinem Team bereits zum fünften Mal in Äthiopien unterwegs - um zu arbeiten. "Wenn wir hier landen, dann fühle ich mich, als würde ich nach Hause kommen. Das liegt vor allem an den tollen Menschen, denen ich hier begegne", sagt er.


"Hier fühle ich mich wirklich unter Freunden. Wir wollen alle in einer besseren Welt leben, und wir haben alle das gleiche Ziel: Wir wollen für die nächste Generation, für die jetzigen Kinder, eine Welt schaffen, in der sie ein selbstbestimmtes und menschenwürdiges Leben führen können."

Subotic: "Wasser ist Leben"

Nach vier Stunden Autofahrt erreicht das Stiftungsteam die Adi-Aser-Schule in der Hawzien-Region in der Nähe der Grenze zu Eritrea. Dort werden sie von vielen selbstgemalten Plakaten und leuchtende Kinderaugen herzlich empfangen.

Das Thermometer hat mittlerweile die 45-Grad-Marke erreicht, deswegen flüchten sich die meisten Kinder nach der Begrüßung schnell wieder in ihre etwas kühleren Schulklassen. Der Unterricht geht weiter, viele Räume sind bis auf den letzten Platz voll. Doch das war nicht immer so, erinnert sich Englisch-Lehrerin Shiwaynesh.

"Früher waren die Schüler für sauberes Wasser mehrere Stunden unterwegs. Manchmal kamen sie nicht rechtzeitig zurück nach Hause und fehlten im Unterricht. Aber jetzt gibt es hier sauberes Wasser und sie können pünktlich in der Schule erscheinen und den Unterricht verfolgen. Das ist ein großer Vorteil."

Sauberes Wasser und ausreichend Nahrung sind in Äthiopien ein kostbares Gut, deswegen fördert die Neven-Subotic-Stiftung in solchen kleinen Orten den Bau von Wasserbrunnen.


In Zusammenarbeit mit lokalen Partnern wurden so in den vergangenen fünf Jahren über 100 Brunnen errichtet. "Wasser ist Leben", sagt Subotic: "Jeder Mensch braucht Zugang zu sauberem Wasser. Vor allem aber die Menschen in den ländlichen Regionen hier. Wasser ist die Grundlage für Gesundheit, Bildung und für ihre Zukunft. Und das war letztendlich auch der Grund für uns, genau hier aktiv zu werden."

"Kinder und Lehrer haben eine tragende Rolle"

Die Wartung und Kontrolle der Brunnen liegt in den Händen der Dorfbewohner. Gemeinsam mit dem Schulleiter und Wihib, dem technischen Projektleiter der Partnerorganisation REST, überprüft Subotic den Wasserbrunnen an der Adi-Aser-Schule.

"Das Wasser ist klar und es schmeckt sehr frisch" - der BVB-Profi ist zufrieden. Im Anschluss unterhält er sich mit dem Schulleiter, Wihib übersetzt. Es seien immer Gespräche auf Augenhöhe, betont Subotic. Der 29-Jährige will mehr über die Menschen und das Leben vor Ort erfahren.

"Das ist immer wieder sehr schön und auch beeindruckend. In den wenigen Stunden, die wir vor Ort sind, können wir kleine Freundschaften schließen", sagt er und lenkt seine Aufmerksamkeit auf die Kinder, die sich auf dem Platz vor den Klassenräumen versammelt haben.

"Die Kinder und auch Lehrer haben eine tragende Rolle bei der Realisierung der Projekte. Darüber hinaus ist es auch ein emotional und persönlich sehr erfüllendes Gefühl, mit den Kindern vor Ort zu sprechen, zu spielen und eine gute Zeit zu haben. Wir lachen viel zusammen und genießen diese Momente", so Subotic.

Flucht vor dem Krieg

Mit vielen neuen Eindrücken und Geschichten im Gepäck, geht es nach einigen Stunden wieder zurück ins Basis-Camp in die kleine Stadt Shire. Nach einem gemeinsamen Abendessen wird der folgende Tag geplant. Im einem Matratzenlager gleichenden kleinen Hotelzimmer wird die Route zum nächsten kleinen Ort vorbereitet.

Noch bevor die Sonne sich den Weg durch den dichten Nebel, der über der Stadt liegt, gebahnt hat, werden die Geländewagen gepackt. Nach einem kurzen Frühstück setzt sich die Kolonne dann wieder in Bewegung.


Eine mehrstündige Autofahrt liegt vor ihnen. Diese Anstrengungen nimmt der Fußball-Profi gerne in Kauf, denn sein soziales Engagement ist tief in seiner Familiengeschichte verankert.

"Meine Familie hat immer allen Familienmitgliedern und auch den Menschen in der Gemeinde gedient", erinnert er sich. Nach der Flucht vor dem Bosnien-Krieg und der Ankunft in Deutschland haben seine Eltern gleich mehrere Jobs angenommen. "Sie wollten Familien, die auch vom Krieg betroffen waren, mit wichtigen Gütern wie Medizin und Essen beiseite stehen", sagt Subotic. "Das ist etwas, das ich von klein auf von meinen Eltern und auch von Freunden und Bekannten immer mitbekommen habe. Zum Glück habe ich das nicht verloren. Es ist sehr fest in mir verankert, seit ich Kind war."

"Es ist eine absolute Lebensbereicherung"

Besonders Kinder liegen Subotic am Herzen und stehen im Mittelpunkt seiner Arbeit. Sie seien ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. "Kinder haben einfach enorm viel Kraft und schaffen es Barrieren wirklich herunter zu brechen und über Grenzen zu gehen", sagt der 29-Jährige.

In so genannten WASH-Clubs bekommen Kinder beispielsweise Wissen über Wasser, Sanitäranlagen und Hygiene vermittelt. Dieses erlernte Wissen geben sie dann an ihre Familien weiter und tragen die überlebenswichtigen Informationen so in die Dörfer der Region.

"Ich erzähle meinen Mitschülern, dass es gut ist, eine Toilette zu benutzen und nicht überall zu urinieren", berichtet der 16 Jahre alte Haile. "Ich sag denen auch, dass sie nach der Benutzung der Toilette alles saubermachen und ihre Hände waschen sollen."

Kinder wie Haile beeindrucken Subotic immer wieder. "Für mich ist das eine absolute Lebensbereicherung zu sehen, was die Menschen tagtäglich machen, um das Beste aus ihrem Leben zu holen", sagt der Fußball-Profi. "Es ist dann sehr ernüchternd, wenn man in Deutschland ist und arbeitet und denkt, man hätte es schwer. Dann merkt man ziemlich schnell, dass die Aufgaben vor denen man steht in der Regel nicht schwer sind. Man kann es dann ziemlich schnell relativieren."

"Am liebsten hätte ich immer beides"

Die Sommerpause in der Bundesliga neigt sich dem Ende entgegen. Nach intensiven, lehrreichen und spannenden zwei Wochen in Äthiopien geht es nun auch für Subotic zurück in den Fußball-Alltag. "Am liebsten hätte ich immer beides - Stiftung und Fußball. Ich habe keinen Spaß, wenn ich nicht Fußball spiele. Ich hab keinen Spaß, wenn ich nicht die Stiftung mache, deshalb mache ich das eigentlich immer beides, soweit ich kann", resümiert Subotic und hat bereits die nächste Reise im Blick, denn sein Antrieb anderen Menschen zu helfen ist ungebrochen.

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