Stuttgarter protestieren gegen Primark-Eröffnung

In Stuttgart hat eine Primark-Filiale eröffnet – Einwohner und Geschäfte demonstrieren. (Bild: ddp)

In Stuttgart eröffnet eine Primark-Filiale ihre Pforten. Die Nachbarläden fordern die dortigen Kunden auf, die gekaufte Billigkleidung am besten gleich wieder zu entsorgen – allerdings für einen guten Zweck.

Die irische Billigkette Primark genießt in Deutschland einen äußerst zweifelhaften Ruf. Gewerkschaften bemängeln schlechte Arbeitsbedingungen. So werden Primark-Mitarbeiter in Deutschland laut Verdi nicht nach Tarif bezahlt. Auch hagelt es für die Produktionsbedingungen in Schwellenländern wie beispielsweise Bangladesch oder Kambodscha Kritik, auf die das Unternehmen allerdings nicht eingeht: „97 Prozent der Fabriken arbeiten auch für Mitbewerber, die bekannten großen Textilunternehmen. Die Arbeiter sind also alle zu gleichen Bedingungen tätig und erhalten das gleiche Geld”, sagte Wolfgang Krogmann, Deutschland-Chef der Modekette einmal in einem Interview.

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Für die Menschen, die derzeit in Stuttgart vor der Filiale in der Königstraße protestieren, ist das kein Argument. „Es müssen gesetzliche Mindestmaßstäbe in die Kleidungsproduktion“, sagt Kinga Rudersdorf-Gyökössy von der „Kampagne für Saubere Kleidung“ gegenüber dem „Schwäbischen Tagblatt“. In der Lieferkette müssten zudem Menschenrechte eingehalten werden, fordert auch Werner Schiffer vom „Weltladen“ im Stuttgarter Stadtteil Botnang.

Mit der Aktion „Primark in die Tonne“ machten auch die Nachbarläden „Kaufhaus Mitte“ und „Mission Coffee“ ihrem Ärger Luft: Sie stellten Müllcontainer vor ihren Läden auf und forderten Kunden des Textildiscounters dazu auf, ihre neu gekaufte Kleidung dort gleich wieder zu entsorgen. Die Primark-Mode werde dann an Bedürftige verteilt, der Kaufbetrag aller Stücke soll zudem an eine wohltätige Organisation gespendet werden.

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Im Netz löst die Aktion bisher eher negative Reaktionen aus. Einige Facebook-User bemängeln, dass Primark dadurch einen zusätzlichen Umsatz generieren könnte, andere befürchten, dass die Popularität der Marke gesteigert wird oder merken an: „Mit Konsum gegen Konsum.So subversiv. Nicht.“

Primark bedauerte unterdessen den fehlenden Dialog zwischen Aktivisten und Unternehmen: Die Vorwürfe der Kinderarbeit und Wegwerfmode seien „nicht haltbar und falsch“.

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