Stuttgart 21 wird nochmals teurer und später fertig

Baustelle des Projekts Stuttgart 21

Das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 wird noch teurer und zudem später fertig als geplant. Der Finanzierungsrahmen erhöhe sich auf 8,2 Milliarden Euro, teilte der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn am Freitag in Berlin mit. Die Eröffnung verschiebt sich demnach auf das Jahr 2025. Eine Fortführung des Projekts sei dennoch wirtschaftlicher als ein Abbruch. Das habe der Vorstand der Bahn "glaubhaft dargelegt".

Die eigentlichen Kosten - der Gesamtwertumfang - für die Verlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs unter die Erde belaufen sich laut einem neuen Gutachten durch externe Experten auf rund 7,7 Milliarden Euro, wie der Aufsichtsrat mitteilte. Dazu komme ein "Puffer" für unvorhersehbare Ereignisse in Höhe von 495 Millionen Euro.

Zuletzt, im Jahr 2016, war die Bahn von rund 6,5 Milliarden eigentlichen Kosten ausgegangen. Damals war 2023 als Jahr der Fertigstellung genannt worden. Grund für die Kostensteigerungen seien "erhebliche Baupreissteigerungen" wegen deutlich aufwendigerer Verfahren beim Tunnelbau, umfangreiche Genehmigungsverfahren unter anderem in Folge des Artenschutzes sowie die spätere Inbetriebnahme, erklärte der Aufsichtsrat nun.

Vorstand und Aufsichtsrat hatten im Oktober 2017 ein neues Gutachten in Auftrag gegeben. Die Unternehmensberatungen PWC und Emch+Berger nahmen Termin und Kosten noch einmal unter die Lupe. Der Vorstand der Deutschen Bahn schlug nach wochenlangen Diskussionen daraufhin den neuen Finanzierungsrahmen und das neue Eröffnungsdatum vor - der Aufsichtsrat stimmte am Freitag zu.

Auch die knapp 60 Kilometer lange Neubaustrecke zwischen Wendlingen und Ulm wird teurer und später fertig. Die Kostenprognose steige auf rund 3,7 Milliarden Euro, die Fertigstellung verschiebe sich um ein Jahr auf 2022, erklärte der Aufsichtsrat. Hier seien die Hauptursachen "geologische Risiken" sowie zusätzliche Investitionen in die Modernisierung des Ulmer Hauptbahnhofs mit einem elektronischen Stellwerk. Der Zeitverzug resultiere aus aufwendigen Planänderungsverfahren für den Artenschutz im Albvorland.

Der Grünen-Abgeordnete Matthias Gastel kritisierte, die Kosten von Stuttgart 21 "schreiten inzwischen schneller voran als der Bau". Nötig sei endlich ein "strenges Kostenmanagement".

Sabine Leidig, Abgeordnete der Linken, verlangte einen Baustopp und das alternative Konzept "Umstieg21". Damit würde die Baugrube genutzt, es könnte ein zeitgemäßer Bahnhof für die Hälfte der Kosten von Stuttgart 21 verwirklicht werden ? mit erheblich mehr Kapazität und Nutzen für den Bahnverkehr, erklärte Leidig.

Die Verlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs unter die Erde ist seit Jahren umstritten. Das Milliardenprojekt von Deutscher Bahn, Bund und dem Land Baden-Württemberg sorgt seit Baubeginn im Februar 2010 regelmäßig für Schlagzeilen - mit ungeahnten Massenprotesten, politischem Streit und Finanzierungsfragen. Die Projektpartner streiten auch vor Gericht, wer die steigenden Kosten tragen muss.