Von Sturmschäden betroffen? Diese Versicherungen greifen nach Orkantief Sabine

Das Orkantief Sabine richtet in Deutschland Millionenschäden an. Geschädigte sollten sich möglichst schnell mit ihrem Versicherer in Verbindung setzen.

Es sollte bei Schäden möglichst nichts verändert werden, was die anschließende Feststellung des Schadens verhindert. Foto: dpa

Das Orkantief Sabine hat am Montag weite Teile von Deutschland lahmgelegt und soll noch etliche Stunden toben – doch für Versicherer ist bereits klar: Es wird Sturmschäden in Millionenhöhe geben.

Bis das genaue Ausmaß der Schäden abzuschätzen ist, wird es zwar noch eine Weile dauern. Doch Mathias Scheuber, Vorstandschef der Ergo Versicherung, warnt bereits: „Ein Sturm kommt meistens nicht allein.“ Häufig werde er begleitet von Überschwemmung, Starkregen und manchmal auch Hagel. Das dürfte auch diesmal der Fall sein.

Betroffen sind deshalb wohl auch zahlreiche Privatpersonen, die am Montagmorgen Schäden an Haus oder Auto festgestellt haben, oder durch deren Eigentum womöglich Fremde geschädigt wurden. Hier die wichtigsten Versicherungen, die bei Sturmschäden womöglich greifen:

Wohngebäudeversicherung

Eine Wohngebäudeversicherung ist jetzt die wichtigste Versicherung überhaupt für betroffene Haus- und Wohnungsbesitzer. Denn entstand dort ein Sachschaden, ist die gesamte Immobilie von der Bodenplatte bis zum Dach abgesichert, auch Teile von Grundstück und Gebäude wie Zäune oder Antennenanlagen gehören dazu.

Sturm- und Hagelschaden an Dach, Fassade oder Fenstern sind ebenfalls generell miteingeschlossen. Deckt der Wind das Dach ab, dann gehören auch Schäden durch eindringendes Wasser in Böden und Wänden dazu. Das gilt auch, wenn der Schaden durch einen umgestürzten Baum oder unkontrolliert herumfliegende Gegenstände entstanden ist. Generell gilt aber: Die Wohngebäudeversicherung ist für alles außen am Gebäude zuständig.

Hausratversicherung

Die Hausratversicherung deckt die Schäden innerhalb von Haus und Wohnung ab. Beispielsweise, wenn Mobiliar geschädigt ist. Das dürfte im aktuellen Fall zwar weniger oft vorkommen als Schädigungen von Dach und Fassade. Dennoch könnten beispielsweise Gartenmöbel sehr wohl in Mitleidenschaft gezogen worden sein.

Elementarversicherung

Eine Elementarversicherung empfehlen Versicherer seit Jahren als zusätzlichen Bestandteil der Wohngebäude- oder Hausratversicherung. Denn die deckt zwar Schäden durch Sturm und Hagel ab, kommt es aber zu Überschwemmungen oder einem Rückstau in der Kanalisation, bei dem das Wasser nicht mehr abfließen kann, dann greift dieser Zusatz im Vertrag.

In der Regel ist er bei normaler Hausgröße und Lage für einen zweistelligen Euro-Betrag im Jahr zu bekommen. Weil gerade Überschwemmungen in den vergangenen Jahren zugenommen haben, haben viele Deutsche diesen Bestandteil inzwischen in ihr gesamtes Versicherungspaket mit aufgenommen. Dennoch liegt der Anteil noch immer bei weniger als der Hälfte aller Gebäude.

Im Moment sind es laut dem Branchenverband GDV 43 Prozent. Ausnahme ist Baden-Württemberg, wo dieser Bestandteil früher Pflicht war. Nachdem diese nicht mehr bestand, haben trotzdem die meisten Menschen diese Art der Absicherung beibehalten. Am schlechtesten gegen Überschwemmungen und Starkregen abgesichert sind die Hausbesitzer in Bremen (21 Prozent), Niedersachsen (22 Prozent) und Hamburg (24 Prozent). Aber auch die Immobilien in Bayern (34 Prozent) und Hessen (39 Prozent) sind nur unterdurchschnittlich geschützt.

Kfz-Versicherung

Wird das Auto durch umherfliegende Gegenstände oder durch Sturm und Hagel beschädigt, dann ist dafür eine Kfz-Voll- oder Teilkaskoversicherung nötig. Die einfache Kfz-Haftpflicht genügt nicht. Dabei haben die allermeisten Autobesitzer einen Selbstbehalt mit eingebaut. Ansonsten wären die Beiträge zu teuer. In der Regel müssen die Betroffenen dann 150 Euro an dem Schaden selbst übernehmen, den Rest zahlt die Versicherung.

Private Haftpflichtversicherung

Häufig kommt es bei diesen Extremwetterlagen vor, dass unbeabsichtigt Fremde durch den persönlichen Besitz geschädigt werden. Das gilt dann, wenn sich beispielsweise Dachziegel vom Haus gelöst haben oder Gartenmöbel unkontrolliert umherfliegen. Dann übernimmt die private Haftpflicht den Schaden. Wer ein Haus vermietet hat, für den kommt in solchen Fällen die so genannte Haus- und Grundeigentümerhaftpflicht auf.

Das ist sonst noch zu beachten

Wer an diesem Montag einen Schaden bei sich zuhause festgestellt hat, der sollte sich umgehend bei seinem Versicherer melden. Die sind für den heutigen Tag und auch die weitere Woche vorbereitet und haben ihr Personal in diesem Bereich aufgestockt. Wichtig ist, dabei Ruhe zu bewahren. Auch sollte der Geschädigte seine Versicherungsnummer parat haben. Also Unterlagen heraussuchen und zurechtlegen.

Wichtig ist laut dem Versicherer Axa anschließend die möglichst genaue Dokumentation aller Schäden. Dabei empfiehlt sich Foto- oder Filmmaterial, das dem Versicherer dann auch gleich online geschickt werden sollte. Dazu gehört eine genaue Schadenliste, in der möglichst gleich der Wert von geschädigten Gegenständen angegeben sein sollte.

Nicht zu unterschätzen ist in solchen Situationen auch der emotionale Moment. Viele Betroffene neigen dazu, möglichst schnell alles wieder in Ordnung bringen zu wollen. Das ist in einigen Fällen sicher dringend notwendig. Beispielsweise, wenn das Dach Beschädigungen aufweist oder Fenster und Autoscheiben zerbrochen sind. Hier sollte zumindest provisorisch abgedichtet werden, damit kein noch größerer Schaden entsteht.

Aber auch hier gilt, dass nichts verändert werden sollte, was die anschließende Feststellung des Schadens erschwert oder gar verhindert. „Entsorgen Sie zerstörte oder beschädigte Gegenstände daher erst nach Rücksprache mit Ihrer Versicherung“, empfiehlt die Axa.

Zu guter Letzt sollten sowohl Geschädigte als auch diejenigen, die diesmal glimpflich davongekommen sind, in nächster Zeit ihren Versicherungsschutz kritisch überprüfen. Tatsache ist, dass Extremwetterlagen auch in Deutschland seit dem Beginn dieses Jahrhunderts deutlich zugenommen haben.

Im März vergangenen Jahres haben die beiden Stürme „Dragi“ und „Eberhard“ beispielsweise zu Schäden von rund 300 Millionen Euro geführt. Dabei nimmt nicht die Häufigkeit, aber die Intensität zu. „Klimaforscher prognostizieren, dass besonders schwere Stürme, die bisher nur alle 50 Jahre auftreten, in Zukunft schon alle zehn Jahre vorkommen können”, erwartet Ergo-Vorstand Scheuber.