Sturm auf das Kapitol: Dieser Polizist verhinderte womöglich Tote

Moritz Piehler
·Freier Autor
·Lesedauer: 4 Min.

Den Sicherheitskräften wurden nach den Ausschreitungen in Washington zahlreiche Vorwürfe gemacht. Doch ein Polizist rettete mit seiner geschickten Aktion womöglich Menschenleben.

Die Trump-Anhänger kamen bei ihrem gewaltsamen Sturm auf das Kapitol näher an die Senatoren, als bisher vermutet. (Bild: Kent Nishimura / Los Angeles Times via Getty Images)
Die Trump-Anhänger kamen bei ihrem gewaltsamen Sturm auf das Kapitol näher an die Senatoren, als bisher vermutet. (Bild: Kent Nishimura / Los Angeles Times via Getty Images)

Nach und nach kommen immer mehr Details des gewaltsamen Sturms auf das Washingtoner Kapitol ans Licht. Videos und Fotos beweisen, dass bei der Attacke der Trump-Anhänger auf das Senatsgebäude vermutlich weit Schlimmeres verhindert wurde.

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Je mehr über Teilnehmer und die Planung bekannt wird, desto mehr scheint es, als wäre es beinahe zu einem tatsächlichen Coup-Versuch gekommen. Dass dies nicht geschah, und die US-Abgeordneten und die Stimmen des Electoral College rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden konnten, ist auch diesem mutigen Kapitol-Polizisten zu verdanken.

Video zeigt die Rettungstat

Als der Mob den Senat erstürmte und relativ mühelos in das Gebäude vordrang, brauchte die Security einige Zeit, um zu reagieren und die Abgeordnetenkammer des Senats zu sichern. Für diesen Augenblick standen die Türen noch offen und der Weg zu den Senatoren wäre für die Angreifer frei gewesen. Videoaufnahmen zeigen jetzt, warum es nicht dazu kam. Ein einzelner Officer, den CNN inzwischen als Eugene Goodman identifiziert hat, stellte sich ihnen in den Weg. Dieses Video des Kongress-Reporters Igor Bobic zeigt wie er den Mob mit der Hand am Holster in Schach hält.

Dieser weicht nicht zurück, obwohl Goodman mehrfach dazu auffordert. Der Polizist bewegt sich deshalb langsam rückwärts. Doch dann folgt sein taktischer Kniff, der vermutlich Schlimmeres vereitelt hat. Goodman leitet die Angreifer, die nun ganz auf ihn fokussiert sind vorbei an der offenen Tür zur Senatskammer und biegt in ein Treppenhaus ab.

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Währenddessen sind sechs weitere Sicherheitsbeamte verzweifelt dabei, die Kammer zu verbarrikadieren. Goodmans clevere Aktion gibt ihn die nötige Zeit dafür. Fast eine Minute lenkt er die aufgebrachte Menge ab, hat die Washington Post nachgemessen. Das reicht aus. Fotos weiterer Journalisten aus dem Kapitol zeigen die Rettungsaktion aus einer anderen Perspektive.

Alle Beobachter waren sich sicher, dass Goodman seine Aktion gezielt durchführte, um die Angreifer von den Senatskammern fern zu halten. “Erst sah es so aus, als würde er vor ihnen weglaufen, aber er führte sie tatsächlich dahin, wo er sie haben wollte. Großartige Arbeit,” schrieb der Journalist Ricardo Alouidor auf Twitter.

Mob-Anführer festgenommen

In der Aufarbeitung der Ausschreitungen wurden beispielsweise Aufrufe dafür gefunden, Kabelbinder mitzubringen, Hinweise darauf, dass Geiselnahmen geplant gewesen sein könnten. Hätten die Angreifer versucht, gewaltsam bis in die Senatskammer vorzudringen, während die Abgeordneten sich dort befanden, wäre es vermutlich zu einem Schusswechsel mit den Sicherheitskräften gekommen. Mit großer Wahrscheinlichkeit hätte es dann mehr Tote als die vier Angreifer und einen Polizisten gegeben, die am vergangenen Mittwoch in der Folge des Angriffs auf Amerikas Demokratie ums Leben kamen.

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Goodman wurde in der Presse bereits als Nationalheld gefeiert. Der Anführer des Mobs, den er von den Senatoren weg leitete, ist inzwischen identifiziert und verhaftet worden. Es handelt sich um den 41-jährigen Doug Jensen aus dem US-Bundesstaat Iowa. Jensen, der bei dem Angriff ein Qanon-T-Shirt trug, hatte mehrerer Fotos von sich selbst im Kapitol gepostet. Das FBI kam dem mutmaßlichen Angreifer so ziemlich schnell auf die Spuren und verhaftete ihn bereits am Samstag.

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