Ein stummer Herzinfarkt kann genauso gefährlich sein wie ein normaler — so erkennt ihr die Symptome

·Lesedauer: 3 Min.

Die meisten Menschen kennen die klassischen Symptome eines Herzinfarkts: Brustschmerzen, Atemnot und ein Drücken auf der Brust. Bei Frauen treten häufig Kurzatmigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Rückenschmerzen, Kiefer- oder Halsschmerzen auf. Das ist jedoch nicht immer so. Bei stummen Herzinfarkten, die auch als stiller Myokardinfarkt bezeichnet werden, sind die Symptome so mild, dass Menschen oft nicht bemerken, wenn sie auftreten.

Das heißt aber nicht, dass ihr diese, wenn auch milden Symptome ignorieren solltet – medizinische Experten sagen, dass er genauso gefährlich ist wie ein normaler. Hier erfahrt ihr, wie sich ein stummer Herzinfarkt äußert und was ihr dagegen tun müsst.

Was ist ein stummer Herzinfarkt?

In einer Studie, die 2015 in der Zeitschrift "Circulation" veröffentlicht wurde und an der mehr als 10.000 Patienten teilnahmen, haben Forscher stumme Herzinfarkte und Herzinfarkte miteinander verglichen. Sie stellten fest, dass stumme Herzinfarkte fast die Hälfte aller Herzinfarkte ausmachten.

Nicole Weinberg, Kardiologin am Providence Saint John's Health Center in Santa Monica, Kalifornien, sagt, dass es Situationen geben kann, in denen Menschen bei einem stummen Herzinfarkt überhaupt keine Symptome spüren. In den meisten Fällen gibt es jedoch leichte Anzeichen, die zwar schwer zu erkennen sind, aber auf einen stummen Herzinfarkt hindeuten können.

Dazu gehören nach Angaben der American Academy of Family Physicians (AAFP) Müdigkeit, Sodbrennen, Beschwerden in Brust, Rücken oder Kiefer sowie Atemnot. Ein normaler Herzinfarkt kann ähnliche Symptome aufweisen, geht jedoch häufiger auch mit einem deutlichen Druck- oder Schmerzgefühl in Brust, Armen und Nacken einher.

Darüber hinaus können die Symptome eines stummen Herzinfarkts leicht mit Verdauungsstörungen oder sogar Zahnschmerzen verwechselt werden. Und obwohl sich die Symptome meist nicht besonders schwerwiegend anfühlen, ist ein stummer Herzinfarkt genauso gefährlich wie jeder andere Herzinfarkt, sagt Weinberg. Denn jede Art von Herzinfarkt tritt auf, wenn nicht genügend Blut zum Herzen fließt. Die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Infarkts ist dann erhöht. Ebenso das Risiko anderer Herzkrankheiten.

Männer haben häufiger einen stummen Herzinfarkt

Auf der einen Seite ergab die Studie, dass stumme Herzinfarkte bei Männern häufiger auftreten als bei Frauen. Es wurde aber auf der anderen Seite auch festgestellt, dass Frauen häufiger an den Folgen eines stummen Herzinfarktes sterben. Dies kann laut der American Heart Association darauf zurückzuführen sein, dass Frauen – und ihre Ärzte – die Symptome nicht ernst genug nehmen.

Forscher haben auch herausgefunden, dass stumme Herzinfarkte häufiger bei älteren Erwachsenen mit Diabetes auftreten. So hatten in einer Studie, die 2012 im Journal der "American Medical Association" veröffentlicht wurde, 14 Prozent der 337 Teilnehmer mit Diabetes einen stummen Herzinfarkt.

Bei einem herkömmlichen Herzinfarkt können Ärzte verschiedene Behandlungsmöglichkeiten empfehlen. Deshalb sind stille Herzinfarkte so besorgniserregend: Wenn ihr nicht wisst, dass ihr einen Herzinfarkt hattet, werden diese Behandlungsmethoden in den meisten Fällen nicht umgesetzt oder angeboten. Darüber hinaus stellt ihr möglicherweise erst fest, dass ihr einen stillen Infarkt hattet, nachdem die Symptome einer Herzerkrankung auftreten, da ein stummer Herzinfarkt die Herzmuskulatur schädigt.

Wenn ihr glaubt, die Symptome eines Herzinfarkts zu haben, solltet ihr sofort zu einem Arzt gehen. Zwar mag das in manchen Fällen wie eine Überreaktion wirken, jedoch ist es immer besser, etwas vorsichtiger zu sein, als das Risiko einzugehen, einen Herzinfarkt nicht zu erkennen.

Die Risikofaktoren für einen herkömmlichen und einen stummen Herzinfarkt sind dieselben: familiäre Vorerkrankungen, ein höheres Alter, Rauchen oder unzureichende Bewegung, Fettleibigkeit und Erkrankungen wie Bluthochdruck, ein hoher Cholesterinspiegel und Diabetes.

Dieser Artikel wurde von Klemens Handke aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.