Studien zeigen: Omikron könnte milder verlaufen, weil es die Lungen weniger effektiv angreift

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Zwei Laborstudien deuten auf einen Grund hin, warum Omikron milder verlaufen könnte als andere Varianten des Coronavirus.

In einem Testzentrum in Heidelberg wird ein Nasenabstrich genommen.
In einem Testzentrum in Heidelberg wird ein Nasenabstrich genommen.

Die Omikron-Variante des Coronavirus könnte beim Menschen weniger schwerwiegend sein, weil sie die menschlichen Lungenzellen auf andere Weise angreift als bisherige Varianten. Das zeigen zwei kürzlich veröffentlichte Laborstudien.

An der ersten Studie hat eine Gruppe von 31 Wissenschaftlern aus verschiedenen Universitäten mitgearbeitet. Die zweite Studie wurde von 34 Wissenschaftlern aus schottischen und englischen Instituten verfasst. Beide Studien wurden als Vorabdrucke veröffentlicht, das heißt sie müssen noch von anderen Wissenschaftlern geprüft werden.

Den Forscher zufolge haben die zahlreichen Mutationen von Omikron offenbar die Art und Weise, wie sich das Coronavirus im Körper repliziert, völlig verändert. Omikron "macht in vielerlei Hinsicht sein eigenes Ding", sagte Ravindra Gupta, ein führender Variantenforscher von der Universität Cambridge und Autor der ersten Studie, zu Business Insider. "Die Biologie des Virus ist nicht mehr dieselbe wie früher. Es ist fast eine neue Sache."

Dieser Umstand liefere neue Beweise für die Annahme, dass Omikron weniger gefährlich ist, sagte Gupta. Zahlreiche andere Studien und einige Daten aus der Praxis deuten darauf hin, dass das Virus weniger schwere Erkrankungen und weniger Todesfälle verursacht. Experten zögern noch, diese Ergebnisse vorschnell zu akzeptieren und warten auf aussagekräftigere Daten. Die Arbeit von Gupta und seinen Kollegen könnte dazu beitragen, den Unterschied im Schweregrad der Infektionen zwischen Omikron und anderen Varianten zu erklären.

Frühere Corona-Varianten griffen vor allem die Lunge an

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie das Virus eine Zelle infizieren kann.

Eine Möglichkeit besteht darin, dass die Hülle des Virus mit der Membran der menschlichen Zelle verschmilzt. Dieser Weg, die sogenannte "Zelloberflächenfusion", wird von Delta bevorzugt, wie aus Guptas früheren Arbeiten hervorgeht. Die Zelloberflächenfusion kann nur genutzt werden, wenn eine Zelle hohe Mengen eines Moleküls namens TMPRSS2 trägt, das im Fall des Coronavirus das Spike-Protein des Virus in zwei Hälften schneidet.

Ein kommentiertes Schema der vom Coronavirus genutzten Eintrittswege in die Zelle zeigt den Unterschied zwischen Omicron und Delta.
Ein kommentiertes Schema der vom Coronavirus genutzten Eintrittswege in die Zelle zeigt den Unterschied zwischen Omicron und Delta.

TMPRSS2 kommt in großen Mengen in der Lunge vor, was bedeutet, dass Varianten wie Delta dort gedeihen und bei den Menschen, die sie infizieren, schwere Schäden verursachen können. "Man geht davon aus, dass dies eine der dominanten Wurzeln für eine Infektion im tiefen Lungengewebe ist, die mit einer schwereren Erkrankung einhergeht", sagte Gupta.

Omikron infiziert die oberen Atemwege leichter

Deltas Mutationen bedeuten, dass sein Spike-Protein viel besser zerschnitten werden kann als bei anderen Varianten, sagte Gupta. Im Gegensatz dazu lässt sich das Spike-Protein von Omikron nur sehr schwer in zwei Hälften zerschneiden, so die Ergebnisse von Labortests, die in der Studie zitiert werden, an der Gupta als Autor beteiligt ist. Dadurch wäre es schlechter in der Lage, die Lunge zu infizieren, wie es Delta tut.

Andererseits ist das Spike-Protein von Omikron viel besser in der Lage, sich an menschliche Zellen im Allgemeinen zu binden, was ihm einen Vorteil in Zellen ohne TMPRSS2 verschafft, heißt es in der Studie. Zellen der Atemwege weisen geringe Mengen an TMPRSS2 auf, sodass Omikron der Studie zufolge viel besser geeignet ist, diese Zellen über einen Weg zu infizieren, der endosomale Fusion genannt wird. Dadurch wäre es eher in der Lage, Infektionen mit milden Symptomen zu verursachen.

Auf Omikron könnte auch eine tödlichere Variante folgen

Diese Ergebnisse folgen auf Laborstudien, in denen beobachtet wurde, dass sich Omikron in Atemwegs- und Bronchialzellen viel schneller repliziert als in der Lunge. Daten aus der realen Welt stützen diesen Befund, da Omikron in Südafrika, dem Vereinigten Königreich und den USA offenbar zu einem geringeren Prozentsatz von Krankenhausaufenthalten als Delta geführt hat.

Die Ergebnisse sind vorläufig, aber sie unterstützen die Annahme, dass die Variante weniger gefährlich ist, sagte Gupta: "Wir müssen wahrscheinlich eine gewisse Vorsicht walten lassen. Es ist schön zu sehen, dass diese Variante potenziell weniger schwerwiegend ist. Aber wir wissen noch nicht, um wie viel."

Es ist auch nicht klar, ob Omicron andere Langzeitfolgen verursachen könnte, die zusammenfassend als Long Covid bekannt sind, wie es bei anderen Varianten der Fall war. Gupta warnte auch davor, dass es möglich sein könnte, dass zukünftige Varianten auftauchen, die wiederum tödlicher als Omikron sind. "Die nächste Variante könnte kombinierte Eigenschaften haben, daher glaube ich nicht, dass wir uns allzu sicher sein können", sagte er.

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