Studie zeigt: So verbreiten sich Fake News im deutschsprachigen Netz

Richtig oder falsch? Viele Nachrichten erweisen sich als dürftig. (Bild: Getty Images)

Es sind erschreckende Erkenntnisse, die eine aktuelle Studie über Fake News im deutschsprachigen Raum zutage fördert. Unter den politischen Akteuren führt die AfD das Ranking unter den Verbreitern von Falschnachrichten an.

Eine Zeit lang hat es gebraucht, aber nun liegt die erste Studie über die Verbreitung von Fake News im deutschsprachigen Netz vor. Die Stiftung „Neue Verantwortung“ hat das Ergebnis unter dem Titel „Fakten statt Fakes. Verursacher, Verbreitungswege und Wirkungen von Fake News im Bundestagswahlkampf 2017“ auf ihrer Webseite veröffentlicht.

Die Autoren der Studie kommen dabei zu dem Schluss, dass vor allem ein soziales Netzwerk die meisten Falschnachrichten transportiert: „Bei der Verbreitung von Fake News geht das meiste Engagement auf das Konto von Facebook. Twitter ist dagegen mehr als zweitrangig.“

Weiter werden in der Studie jene Medien benannt, die am häufigsten Falschmeldungen in die Welt gesetzt oder von anderen Portalen übernommen haben: „Der Anteil derjenigen Nachrichten, die entweder irreführend oder falsch sind, wird angeführt von Sputnik (47%), es folgen Huffington Post (44%), RT Deutsch (42%), die Epoch Times (29%), Focus Online Politik (14%) und die Bild (11%).“

Jörg Meuthen ist einer von zwei Parteivorsitzenden der AfD. (Bild: AP Photo)

Unter den politischen Akteuren fällt vor allem die Alternative für Deutschland negativ auf. In der Studie heißt es, die AfD bilde die Speerspitze der Verbreitung von Fake News. „In sieben von zehn von uns dokumentierten Fällen ist sie unter den Top-10 der reichweitenstärksten Verbreiter.“ Mit insgesamt 22 Erwähnungen wird AfD-Parteichef Jörg Meuthen in der Studie im Zusammenhang mit der Verbreitung von Fake News genannt.

Für ihre Studie haben die Autoren Alexander Sängerlaub, Miriam Meier und Wolf-Dieter Rühl im Zeitraum von März bis September 2017 zehn Fake-News-Fälle dokumentiert. So postete AfD-Chef Meuthen am 23. September 2017 eine Nachricht, die bereits am 6. Oktober 2016 zum ersten und am 10. Januar 2017 zum zweiten Mal debunkt – also widerlegt – wurde.

Dabei ging es um die Schlagzeile „360.000 Euro im Jahr vom Staat für syrischen Geschäftsmann“. Der Mann soll seine Familie, die aus vier Frauen und 23 Kindern bestehe, nach Deutschland geholt haben und beziehe 360.000 Euro Sozialhilfe im Jahr. Ihren Ursprung hat die Falschnachricht auf dem Blog „Klartext“, der sich auf einen Online-Artikel der „Rhein-Zeitung“ bezieht. Mehrere Portale haben die Zahl übernommen, ohne den Hintergrund zu prüfen. Zwar kommt man im Falle des Syrers rechnerisch tatsächlich auf rund 360.000 Euro, aber bei der Kalkulation sei von „falschen Voraussetzungen“ ausgegangen worden, heißt es in der Studie. Obwohl zweimal von dem Portal „mimikama“ wiederlegt, postete Jörg Meuthen die Meldung nur einen Tag vor der Bundestagswahl.

Ein noch schlimmeres Bild als Meuthen gibt jedoch die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete und heutige AfD-Sympathisantin Erika Steinbach ab. Die 74-Jährige hat alle zehn von den Autoren untersuchte Fake News kritiklos weiterverbreitet.

Weitere wichtige Erkenntnisse der Studie: Fake News „aus dem linkspopulistischen Raum“ und aus Russland haben im Untersuchungszeitraum keine wichtige Rolle gespielt, acht von zehn Fake News hatten mit dem Thema „Flüchtlinge“ zu tun, und unter den etablierten Medien führen die beiden Marken Bild.de und Welt.de die Liste der Fake-News-Verbreiter an. Spätere Richtigstellungen von Falschmeldungen auf klassischen Nachrichtenportalen wurden von den Lesern dagegen kaum angeklickt.