Studie untersucht Schlafqualität: Schläft es sich zu zweit wirklich besser?

Viele Paare empfinden ihre Schlafqualität als verbessert, wenn sie neben ihrem Partner schlafen. (Bild: ddpimages)


Sich das Bett mit einem anderen Menschen zu teilen kann durchaus zur Zerreißprobe werden. Schnarcht der andere, ist er viel zu warm, zieht er ständig die Decke weg oder liegt er gerne – Arme und Beine von sich gestreckt – in der Mitte des Bettes, während man selbst schon auf der Holzkante verharrt, wird’s schwer. Doch warum können so viele Menschen einfach besser schlafen, wenn jemand neben ihnen liegt?

Scott Hollingshaus, M.D. und Ausbilder für Schlafmedizin an der University of Utah, beschreibt Schlaf als einen äußerst empfindlichen Prozess, der stark von der individuellen Umgebung abhängig ist. In einem Interview mit „Refinery29“ erklärte er, dass jeder Mensch an die persönliche und individuell bewährte Schlafumgebung gewöhnt sei. Licht, Geräusche, das Bett selbst und die Temperatur seien einige der wichtigsten Faktoren, die den Schlaf beeinflussen. Jede Veränderung könne sich negativ auf den Schlaf auswirken. Deshalb kann die erste Nacht in einem neuen Bett oder neben einem neuen Partner auch richtig schlecht werden. Meist gewöhnt man sich schnell daran, sodass der andere Mensch im Bett irgendwann Teil der Normalität und Schlafroutine wird. Und ganz schnell ist er kaum noch wegzudenken. Aber schlafen Pärchen wirklich besser, wenn sie sich ein Bett teilen? Zumindest wird es so empfunden.

Äußere Faktoren wie Temperatur, Licht oder Geräusche können die Schlafqualität enorm beeinflussen. (Bild:ddp Images)

Denn während die äußeren Faktoren die Schlafqualität nachweislich verbessern können, spielen auch emotionale Zustände eine wichtige Rolle. Eine Untersuchung des „Wallstreet Journal“ stellte 2012 die Hypothese auf, dass das Zusammenschlafen mit einem Partner das Gefühl von Sicherheit vermittelt und deshalb für einen besseren Schlaf sorgt. Eine Studie aus 2017 ergab allerdings, dass das gemeinsame Schlafen die Schlafqualität der Teilnehmer kaum verbesserte. Auch die Länge des Schlafes veränderte sich nicht deutlich. Allerdings gaben sowohl die teilnehmenden Männer als auch die Frauen an, ihre Schlafqualität als verbessert zu empfinden, wenn sie sich das Bett mit ihrem Partner teilten. Wer seinen Partner also mag, ihm vertraut und sich bei ihm geborgen fühlt, kann seinen Schlaf durchaus subjektiv als verbessert empfinden.

Wer sich geborgen fühlt, empfindet seinen Schlaf als besser. (Bild:ddp Images)

Schließlich lässt es sich auch bei Kindern beobachten, dass sie das Bett ihrer Eltern aufsuchen, wenn sie schlecht geträumt oder Angst im Dunkeln haben. Auch traumatische Erfahrungen und Angstzustände können dafür sorgen, dass der Schlaf gestört ist. Eine vertraute Person im Bett oder im gleichen Zimmer kann in solchen Fällen beim Schlafen helfen und Geborgenheit vermitteln. Das bestätigt auch die National Sleep Foundation.

Schlaf ist also ein sehr intimer und persönlicher Prozess, der oftmals auch viel Eingewöhnung bedarf. Schon ein paar kleine Veränderungen im Schlafzimmer können für erholsamere Nächte sorgen. Meist hilft es schon, die äußeren Faktoren zu variieren, um eine Verbesserung zu erreichen. Und auch wer lieber zu zweit schläft, sollte in erster Linie dafür sorgen, dass diese Veränderungen gut für beide sind.