Studie: So stellen sich Reeder auf Piraten ein – denn durch Angriffe auf Schiffe gehen jährlich Milliarden verloren

Piraten sind eine große Bedrohung für den internationalen Schiffsverkehr  - Copyright: EPA/JASON R. ZALASKY (c) dpa - Report
Piraten sind eine große Bedrohung für den internationalen Schiffsverkehr - Copyright: EPA/JASON R. ZALASKY (c) dpa - Report

Spektakuläre Angriffe von Piraten auf Handelsschiffe sind aus den Schlagzeilen verschwunden, nicht aber aus dem weltweiten Schiffsverkehr. 2020, das letzte Jahr, für das Daten vorliegen, wurden der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) 229 Angriffe von Piraten auf Schiffe gemeldet, bei denen mehr als 100 Menschen als Geiseln genommen wurden. Das waren sogar 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Brennpunkt der Kriminalität zu See hat sich dabei verschoben, vom Golf von Aden vor Somalia zu den Küsten von Westafrika, vor allem aber in das südchinesische Meer und die Straße von Malakka, der wichtigsten Seehandelsroute zwischen Europa und Asien.

Was macht das mit Reedereien und Exporteuren? Wie stellen sie sich auf die Bedrohung ein? Dieser Frage sind die beiden Forscher Alexander Sandkamp und Vincent Stamer vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) nachgegangen. Sie haben dafür chinesische Zolldaten und Positionsdaten von Containerschiffen ausgewertet. Hier sind ihre drei wichtigsten Ergebnisse.

Exporteure steigen vom Schiff aufs Flugzeug um

Steigt die Gefahr von Piratenangriffen, so versenden chinesische Exporteure ihre Waren weniger häufig per Schiff, sondern per Luftfracht. Der Umstieg von See- auf Lufttransport hält nach Vorfällen mit Piraten über Monate an. Betroffen sind vor allem kleinere Unternehmen, die vermutlich stärker unter steigenden Versicherungsprämien leiden.

Schiffe fahren Umwege und erhöhen das Tempo

Zweitens reagieren Reeder auf Piratenangriffe, indem sie stark betroffene Routen vermeiden. Mit Satellitendaten zeigten die Forscher, dass die Anzahl der Containerschiffe in Seeregionen mit hohem Piraten-Risiko um durchschnittlich zwölf Prozent niedriger ist. "Darüber hinaus gibt es erste Hinweise darauf, dass Schiffe, die die betroffenen Regionen passieren, ihre Fahrgeschwindigkeit erhöhen, da dies das Entern erschwert und die Verweildauer in einem Gefahrengebiet reduziert", schreiben Sandkamp und Stamer. Sowohl Umwege als auch höheres Tempo trieben allerdings die Transportkosten, indem sie Reisezeit und den Treibstoffverbrauch erhöhen. Dies dürfte sich zumindest zum Teil auch in steigenden Verbraucherpreisen widerspiegeln.

Piraten reduzieren den Handel entlang ihrer Routen messbar

Jeder zusätzliche Piratenangriff verringere die chinesischen Exporte in Länder, die mit der betroffenen Route erreicht werden, um 0,1 Prozent, schreiben die Forscher. Für den Handel mit Europa bedeutet dies, dass die chinesischen Ausfuhren über See um 2,3 Prozent niedriger sind als in einer Welt ohne Piraterie. Dieser Effekt könne durch den Luftverkehr nicht aufgefangen werden.

Die Gesamtkosten durch Piraterie seien nur schwierig zu beziffern. Sandkamp und Stamer zitieren Schätzungen aus dem Jahr 2010, die von jährlichen Kosten in Höhe von 7 bis 12 Milliarden Dollar ausgingen.

Piraterie auf See bleibe ein ernstes Problem. Die verstärkte Marinepräsenz vor der somalischen Küste habe zum Nachlassen der Piraterie seit ihrem Höhepunkt 2011 beigetragen. "Langfristig kann jedoch nur eine Verbesserung der Lebensbedingungen in den betroffenen Ländern vermeiden, dass Menschen zu kriminellen Aktivitäten greifen müssen, um sich und ihre Familien zu ernähren", schließen die Forscher.