Studie: Sinkende Reallöhne bedeuten Armut für Millionen Briten

LONDON (dpa-AFX) - Wegen explodierender Kosten für Energie und Lebensmittel wird die Armut in Großbritannien einer neuen Studie zufolge deutlich zunehmen. Setze die künftige Regierung die bisherige Politik fort, werde die Zahl der Menschen in absoluter Armut bis zum Haushaltsjahr 2023/24 (31. März) um 3 auf 14 Millionen steigen, teilte die Denkfabrik Resolution Foundation (RF) am Donnerstag mit. Das wäre fast jeder Fünfte der 67 Millionen Einwohner. Die relative Kinderarmut - wenn Eltern weniger als 50 Prozent des Durchschnitts-Nettoeinkommens für ihre Familie zur Verfügung haben - klettert demnach bis 2026/27 auf 33 Prozent.

Hauptursache sei der rasante Fall der Reallöhne, betonte der Thinktank. Bis Mitte 2023 werde das gesamte Reallohnwachstum seit 20 Jahren zunichte gemacht sein.

Am kommenden Montag gibt die regierende Konservative Partei bekannt, ob Außenministerin Liz Truss, die als Favoritin gilt, oder Ex-Finanzminister Rishi Sunak die Nachfolge von Premierminister Boris Johnson antritt. Resolution Foundation betonte, erhebliche Unterstützungsmaßnahmen der neuen Regierung seien angesichts des Ausmaßes der wirtschaftlichen Probleme unvermeidlich. Die Denkfabrik schlug unter anderem zusätzliche Hilfen bei Energierechnungen sowie höhere Sozialleistungen vor.

"Großbritannien erlebt bereits den größten Rückgang der Reallöhne seit 1977, und ein harter Winter droht, da die Energierechnungen auf 500 Pfund im Monat schnellen werden", sagte RF-Expertin Lalitha Try. Die Aussichten seien erschreckend, deshalb seien radikale politische Handlungen wie etwa ein Energieunterstützungspaket im Wert von Dutzenden Milliarden Pfund nötig.