Studie: Nationale Egoismen gefährden Nachhaltigkeitsziele der UNO

Die Nachhaltigkeitsziele der UNO, die bis zum Jahr 2030 den weltweiten Kampf gegen Armut und den Kimawandel vorantreiben sollen, werden laut einer Studie durch "Nationale Egoismen" und mangelndes Engagement insbesondere der Industriestaaten bedroht

Die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die bis zum Jahr 2030 den weltweiten Kampf gegen Armut, Hunger und die Folgen des Klimawandels vorantreiben sollen, werden einer Studie zufolge durch wachsenden Protektionismus bedroht. "Nationale Egoismen und mangelndes Engagement der Industriestaaten drohen, die Umsetzung der globalen Ziele zu gefährden", heißt es im aktuellen SDG-Index, den die Bertelsmann-Stiftung vor Beginn des G20-Gipfels in Hamburg am Donnerstag veröffentlichte.

Die sogenannten Sustainable Developement Goals (SDG) der Vereinten Nationen, die auch als Agenda 2030 bekannt sind, lösten am 1. Januar 2016 die Millenniumsentwicklungsziele der UNO ab. Zentrale Punkte der 17 Zielsetzungen der globale entwicklungspolitischen Agenda sind nachhaltiges Wirtschaftswachstum, der Erhalt natürlicher Lebensgrundlagen und die Überwindung von Ungleichheit.

Bislang würden dabei vor allem die Industrieländer ihrer "Vorbildrolle nicht gerecht", kritisieren die Autoren der Studie, die die Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Sustainable Development Solutions Network (SDSN) erstellte. Von den Staats- und Regierungschefs der führenden Industrie- und Schwellenländer, die am Freitag und Samstag in Hamburg zum G20-Gipfel zusammenkommen, fordern sie ein "klares Bekenntnis zur Umsetzung der Agenda 2030".

"Trotz ihres Reichtums und ihrer technologischen Entwicklung" seien die Industrieländer in den meisten Fällen noch deutlich von den Nachhaltigkeitszielen entfernt. Gleichzeitig gehörten sie zu den "größten Kostenverursachern" - etwa durch ihr Konsumverhalten, den häufig verschwenderischen Umgang mit natürlichen Ressourcen und Waffenexporte, die Konflikte in Krisenregionen verstärken könnten. Auch die internationale Finanzarchitektur habe "negative Auswirkungen".

Protektionismus sei "eine Einbahnstraße, die uns nicht zur Umsetzung der Agenda 2030, sondern zurück ins Jahr 1930 bringen könnte", warnte der Aart De Geus, Vorstandschef der Bertelsmann-Stiftung.

Die Länder, die die Nachhaltigkeitsvorgaben am ehesten erfüllen, sind dem SDG-Index zufolge die skandinavischen Staaten. Schweden rangiert auf Platz eins, gefolgt von Dänemark und Finnland. Deutschland belegt in dem weltweiten Ranking den sechsten Platz und ist damit neben Frankreich das einzige Land der G7-Gruppe unter den ersten zehn. Die USA liegen auf dem 42. Platz, China auf Rang 71. Am weitesten von der Umsetzung entfernt sind afrikanische Staaten wie die Zentralafrikanische Republik, Tschad oder die Demokratische Republik Kongo.