Studie: Mehr als 500 Banken verlangen Negativzinsen – wer nicht akzeptiert, sollte mit Kündigung rechnen

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Sparer haben es derzeit nicht leicht. Die hohe Inflation dürfte vielen von ihnen den Schweiß auf die Stirn treiben, drückt sie doch die Realrendite. Und gleichzeitig bekommen sie es dank der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bei immer mehr Banken mit Negativzinsen zu tun. Dem Verbraucherportal Biallo.de zufolge haben allein im Jahr 2021 rund 260 Banken und Sparkassen ein sogenanntes Verwahrentgelt für Guthaben auf Tagesgeld- und Girokonten eingeführt. Damit erhebt ein knappes Drittel aller Institute, nämlich 520 Banken und Sparkassen in Deutschland, Negativzinsen auf Privatguthaben. Im Firmengeschäft seien es sogar 550 Institute. Auch das „Handelsblatt“ hatte berichtet.

Nach wie vor werden die Verwahrentgelte meist nicht ab dem ersten Euro erhoben. Aber während die Regelungen der Banken zuvor erst bei hohen Guthaben gegriffen haben, sinken die Freibeträge mittlerweile. In einer Liste des Vergleichsportals Verivox werden 175 Institute gelistet, die den Freibetrag für Privatkunden bereits auf 50.000 Euro oder weniger reduziert haben. Vereinzelt liegt er demnach bereits bei 1000 oder 5000 Euro. Dem „Handelsblatt“ zufolge rechnen Verbraucherschützer damit, dass die Freibeträge auch bei den anderen Instituten weiter sinken werden.

Wer Negativzinsen nicht akzeptiert, sollte mit Kündigung rechnen

Gerade bei Neukunden ist es für die Banken leicht, Negativzinsen zu erheben. Denn hier stehen sie direkt bei Vertragsabschluss in den Bedingungen. Wer hingegen bereits ein Konto hat, muss erst über die Änderungen informiert werden – und dann muss eine neue Vereinbarung getroffen werden, der die jeweiligen Kunden zustimmen müssen.

Allerdings sitzen die Banken laut „Handelsblatt“ am längeren Hebel. Denn falls Kunden etwaige Gebührenänderungen und Verwahrentgelte nicht akzeptieren wollen, sollten sie sich darauf einstellen, dass ihnen die Kontoverbindung gekündigt wird. Das erklärte Sandra Klug von der Verbraucherzentrale Hamburg der Zeitung. Sie kritisierte außerdem die Intransparenz bei den Instituten: Keine Bank würde nachvollziehbar kommunizieren, was ihre eigenen Spareinlagen bei der EZB kosten und welche Negativzinsen sich daraus für Kunden ergeben. Denn auch bei der Zentralbank gebe es Freibeträge.

Außerdem sei rechtlich noch gar nicht abschließend geklärt, ob die Institute Negativzinsen überhaupt erheben dürfen. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen halte sie bei Privatkunden allgemein für unzulässig, so das „Handelsblatt“. Allerdings hatte das Landgericht Leipzig im Juli anders geurteilt. Demnach darf die Sparkasse Vogtland das durchsetzen, was Verbraucherschützer als Doppelbepreisung des Kontos kritisiert hatten: für das Girokonto also sowohl Kontoführungsgebühren als auch ein Verwahrentgelt verlangen. Die Verbraucherzentrale Sachsen will gegen das Urteil in Berufung gehen.

sb

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