Im Osten verdienen Frauen im Schnitt teils mehr als Männer

In zahlreichen Landkreisen Ostdeutschlands verdienen Frauen mehr als Männer

Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland ist weiterhin groß - aber nicht überall. In einigen Landkreisen Ostdeutschlands verdienen Frauen sogar im Schnitt mehr als Männer. Das geht aus Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor, die der Nachrichtenagentur AFP am Montag vorlagen. Grund dafür ist allerdings nicht, dass die Frauen dort überdurchschnittlich gut verdienen - sondern die Männer besonders schlecht. Vor allem im Süden Deutschlands verdienen Männer weiterhin deutlich besser als Frauen.

Am größten ist der sogenannte "Gender Pay Gap" im Landkreis Dingolfing-Landau in Niederbayern: Dort bekam ein Mann im Jahr 2016 mit 4531 Euro im Durchschnitt 38 Prozent mehr als eine Frau mit 2791 Euro. Im brandenburgischen Cottbus dagegen bekam eine Frau mit 2814 Euro im Durchschnitt 17 Prozent mehr als ein Mann mit 2398 Euro. Im Bundesschnitt erhielten Männer mit 3301 Euro im Jahr 2016 rund 14 Prozent mehr als Frauen mit 2833 Euro.

Auffällig ist: Alle 29 Regionen, in denen Frauen im Schnitt mehr verdienen als Männer, liegen in Ostdeutschland. Und 18 der 25 Regionen, in denen das Gehalt der Männer im Schnitt ein Viertel oder mehr über dem der Frauen liegt, sind in Baden-Württemberg oder Bayern.

Die Daten aus dem Jahr 2016 beziehen sich laut IAB nur auf Vollzeitbeschäftigte. Sie stammen von der Bundesagentur für Arbeit und werden derzeit im Rahmen einer Studie ausgewertet, die im Herbst veröffentlicht werden soll. Die IAB-Forscher schlussfolgern bereits jetzt, dass die Verfügbarkeit bestimmter Jobs für Männer in einer Region entscheidend dafür ist, wie die Lohnlücke dort ausfällt.

Zu den fünf Landkreisen mit der größten Gehaltslücke zugunsten der Männer zählen Ingolstadt (36,9 Prozent), Böblingen (35,9 Prozent), Bodenseekreis (33,6 Prozent) und Erlangen (32,4 Prozent). "Das alles sind Regionen, die auf bestimmte Bereiche spezialisiert sind", sagte Michaela Fuchs vom IAB Sachsen-Anhalt-Thüringen der "Welt". Dort sitzen Technologie-Unternehmen - in Ingolstadt etwa Audi, in Böblingen Daimler, in Erlangen Siemens. Diese spezielle Jobstruktur scheine Männern mehr zugute zu kommen als Frauen.