Studie: Großteil der Eltern hält deutsches Bildungssystem für gerecht

Das Urteil von Eltern über die Gerechtigkeit im deutschen Schulsystem hat sich einer Umfrage zufolge deutlich verbessert. Zwei Drittel der Mütter und Väter halten die Bildungschancen derzeit für sehr oder eher gerecht verteilt

Das Urteil von Eltern über die Gerechtigkeit im deutschen Schulsystem hat sich einer Umfrage zufolge deutlich verbessert. Zwei Drittel der Mütter und Väter (65 Prozent) halten die Bildungschancen für sehr oder eher gerecht verteilt, wie eine am Donnerstag vom Unternehmen Jako-o veröffentlichte Studie ergab. Im Jahr 2010 hatte diese Ansicht nur die Hälfte (50 Prozent) der Befragten vertreten.

Es sei überraschend, dass die Meinungen der Eltern in vielen Bereichen deutlich positiver ausfielen, als dies angesichts häufig vorgetragener Klagen hätte erwartet werden können, erklärte Bildungsforscher Klaus-Jürgen Tillmann. Er hob zugleich hervor, dass das deutsche Schulsystem angesichts des weiterhin engen Zusammenhangs zwischen Herkunft und Schulerfolg "noch weit davon entfernt" sei, gerecht zu sein.

Fast drei Viertel (72 Prozent) der befragten Eltern wünschen sich laut der Umfrage für ihr Kind eine Ganztagsschule. Tatsächlich hätten aber nur knapp die Hälfte (47 Prozent) einen Platz an einer solchen Schule. Es zeige sich eine "deutliche Diskrepanz zwischen Elternwunsch und Realität", erklärte Tillmann.

Bei der Bewertung der bundesweit vorangetriebenen Inklusion, also dem gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung, zeigt sich laut der Studie ein "differenziertes Meinungsbild". Während neun von zehn Eltern (89 Prozent) gemeinsames Lernen mit körperlich beeinträchtigten Kindern befürworten, sind bei geistig behinderten Kindern nur noch 41 Prozent für inklusives Lernen.

Für die Untersuchung befragten die Meinungsforschungsinstitute Mentefactum und Kantar Emnid im Januar und Februar bundesweit 2000 Eltern mit schulpflichtigen Kindern im Alter von bis zu 16 Jahren.