Studie: Globalisierung beschert Deutschen jährlich über 1000 Euro pro Kopf mehr

Kräne im Hamburger Hafen

Die internationale Verflechtung der Wirtschaft beschert den Deutschen einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge deutliche Wohlstandsgewinne. Allein 2016 sorgte die zunehmende Globalisierung demnach für einen Anstieg des realen Bruttoinlandsproduktes (BIP) pro Kopf um knapp 1300 Euro. Insgesamt am stärksten profitierte in den vergangenen Jahrzehnten die Schweiz von der Globalisierung - die USA liegen in der Rangliste von 42 untersuchten Staaten im Mittelfeld.

In Deutschland lag das BIP je Bundesbürger zwischen 1990 und 2016 im Schnitt jedes Jahr um rund 1151 Euro höher, als dies ohne globale Vernetzung der Fall gewesen wäre. Insgesamt hätten sich dadurch die BIP-Zuwächse pro Kopf für diesen Zeitraum auf rund 30.000 Euro summiert, heißt es im neuen "Globalisierungsreport" der Stiftung. Im Jahr 2016 betrug der Zuwachs den Autoren zufolge 1270 Euro.

Im Ländervergleich rangiert die Bundesrepublik auf Platz sechs. "Globalisierungsweltmeister" ist der Studie zufolge die Schweiz: Dort wuchs das reale BIP pro Einwohner demnach globalisierungsbedingt zwischen 1990 und 2016 um 1913 Euro pro Jahr. Hinter der Schweiz folgen Japan mit 1502 Euro, Finnland mit 1410 Euro, Irland mit 1261 Euro und Israel mit 1157 Euro.

Die USA, wo derzeit Präsident Donald Trump eine protektionistische Wirtschafts- und Handelspolitik verfolgt, landen in der Untersuchung auf Platz 25. Die Vereinigten Staaten seien "global weniger vernetzt als die meisten anderen Länder", heißt es in der Studie. Die Zuwächse beim BIP pro Kopf seien deshalb "verhalten". Konkret betrugen sie im Schnitt für den gesamten betrachteten Zeitraum jeweils 445 Euro. 2016 lag das BIP je US-Bürger bei 45.900 Euro - bei einer stagnierenden Globalisierung wären es Studie zufolge 45.500 Euro gewesen.

Die Schlusslichter der Rangliste bilden China mit durchschnittlichen jährlichen BIP-Zuwächsen von 79 Euro je Einwohner und auf dem letzten Platz Indien mit 22 Euro. Dies ist den Studienautoren zufolge aber vor allem darauf zurückzuführen, dass es dort zum Startpunkt der Messung 1990 ein im Vergleich geringes Ausgangsniveau des BIP pro Kopf gab - und die Zuwächse in absoluten Zahlen betrachtet also gering ausfallen.

Für die Studie, die die Prognos AG alle zwei Jahre im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt, wurde für 42 Industrie- und Schwellenländer untersucht, wie sehr sie international verflochten sind und wie stark dies die nationalen Volkswirtschaften wachsen lässt. Insgesamt am stärksten globalisiert sind demnach Irland und die Niederlande.

Als eine der größten Baustellen der Globalisierung gilt aus Sicht der Bertelsmann-Stiftung die ungleiche Verteilung der Globalisierungsgewinne zwischen Industrie- und Schwellenländern und innerhalb einzelner Staaten. Hier sei es nötig, eine internationale Wirtschaftsordnung zu fördern, "die nicht auf das Recht des Stärkeren, sondern auf gemeinsame, verbindliche Regeln und Standards setzt", forderte Cora Jungbluth, Wirtschaftsexpertin der Bertelsmann Stiftung. Nur so ließen sich Globalisierungsgewinne möglichst breit verteilen.