Studie: Geiz bei Impfstoffverteilung bringt Billionen Wirtschaftsverluste

·Lesedauer: 1 Min.

GENF/PARIS (dpa-AFX) - Wenn reichere Länder sich den Großteil der Corona-Impfstoffe sichern und Entwicklungsländer vorerst weitgehend leer ausgehen, kann das die Weltwirtschaft Verluste in Billionen-Höhe kosten. Das berichtete die Internationale Handelskammer (ICC) am Montag. Sie hatte eine Studie dazu in Auftrag gegeben. Wenn Impfstoffe nicht weltweit fair verteilt werden, könne dies die globale Wirtschaftsleistung allein in diesem Jahr um bis zu 9,2 Billionen Dollar (7,6 Billionen Euro) schmälern, heißt es darin. Die Hälfte des Ausfalls betreffe Industrieländer.

"Die Studie zeigt die möglichen Konsequenzen eines Impfstoff-Nationalismus, die deutlich größer sind als die besten bisherigen Schätzungen", teilte das ICC mit. Sie zeige, dass Investitionen in den ACT-Accelerator sich auszahlten. Der ACT-Accelerator ist das Programm der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Entwicklung, Produktion und faire Verteilung von Covid-19 Tests, -Medikamenten und -Impfstoffen. Wenn reichere Länder die 27,2 Milliarden Dollar, die in dem Programm noch fehlten, zahlten, sei der Nutzen 166 mal so hoch wie die Investition.

Selbst, wenn die reicheren Länder bis Ende Juni eine optimale Impfversorgung ihrer eigenen Bevölkerung schafften, dürften ihnen bis zu 4,5 Billionen Dollar Wirtschaftsleistung entgehen, wenn die Impfungen in ärmeren Ländern auf dem jetzigen niedrigen Niveau blieben, so die Studie. "Industrieländer haben einen klaren Anreiz, die Verteilung der Impfstoffe global zu koordinieren und voranzutreiben", heißt es in der Studie. So könnten sie vermeiden, dass Angebots- und Nachfrageschocks in anderen Ländern zu Hause zu wirtschaftlichen Verlusten führen.