Studie von Elitepartner: Worauf die Wähler von CDU, SPD, Grünen & Co. in der Liebe Wert legen

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Das Private ist parteipolitisch. So könnte man eine repräsentative Umfrage der Dating-Plattform Elitpartner zusammenfassen. Angesicht der Bundestagswahl im September wollte Elitepartner nämlich wissen: Wie halten es die Anhänger der verschiedenen Parteien mit der Liebe? Wie daten sie, wie führen sie ihre Beziehungen? Um das herauszufinden, befragte die Plattform zusammen mit dem Marktforschungsinstitut Fittkau & Maaß im Oktober und November 2020 insgesamt 7.259 Internetnutzer, darunter sowohl Singles als auch Liierte.

Verbindliche Beziehungen und zufriedene Singles bei CDU-Wählern

Zunächst zeigte sich dabei, dass eher Konservative in der Beziehung auf Verbindlichkeit setzen. Von den Wählern der CDU/CSU sind Umfrage nach 69 Prozent liiert und besonders häufig auch verheiratet (42 Prozent). Zugleich würden sie aber auch gut damit zurechtkommen, nicht in einer Partnerschaft zu sein: Unionswähler weisen der Umfrage zufolge mit 64 Prozent den höchsten Anteil zufriedener Singles auf.

Auch beim Flirt zeige sich die konservative Grundhaltung. Demnach gaben 66 Prozent der Frauen an zu erwarten, dass der Mann die Initiative ergreift – und umgekehrt würden auch 48 Prozent der Männer Frauen mögen, die sich beim Flirten zurückhaltend zeigten. 32 Prozent lassen es beim Daten außerdem langsam angehen und warten mit dem Sex, bis sie sicher sind, dass es etwas Ernstes ist. Sind sie dann in der Beziehung angekommen, setzt sich der konservative Trend fort: 73 Prozent der Partnerinnen kümmern sich Elitepartner zufolge überwiegend oder allein um Ordnung und Putzen im Haushalt.

Grüne-Wähler: Höchster Anteil glücklicher Partnerschaften

Bei den Wählern der Grünen zeigt sich ein anderes Bild: Hier herrscht bei 43 Prozent Gleichberechtigung in den Bereichen Kochen, Einkaufen und Essensplanung und bei 37 Prozent im Bereich Ordnung. Und auch sonst scheint die Kompromissbereitschaft groß: 62 Prozent der männlichen Grüne-Wähler geben an bereit zu sein, berufliche oder finanzielle Einbußen hinzunehmen, um mehr Zeit für Familie oder Partnerschaft zu haben. Und nach einem Streit versuchen 54 Prozent der Grünen-Wähler die Situation mit einem klärenden Gespräch zu lösen.

Damit scheinen sie vieles richtig zu machen. Denn laut Elitepartner sind 87 Prozent der liierten Grüne-Wähler mit ihrer Partnerschaft zufrieden – der höchste Wert unter den Wählergruppen. Und das, obwohl es bei 37 Prozent von ihnen häufiger nicht zum Sex kommt, weil keiner der Partner den Anfang macht.

SPD-Wähler eher im Mittelfeld

Sozialdemokraten stachen in der Studie weniger heraus, so Elitepartner, und lagen eher im Mittelfeld. Anspruchsvoll zeigten sie sich hingegen beim ersten Date: Mangelnde Tischmanieren (69 Prozent) oder zu viel Geschichten über den oder die Ex (58 Prozent) sind für die deutliche Mehrheit ein Ausschlusskriterium. Für rund 39 Prozent der SPD-Wähler ist das Treffen außerdem gelaufen, wenn das Gegenüber ihnen zu schnell nahekommt, für 30 Prozent, wenn schon so früh über sexuelle Vorlieben geredet wird.

In Beziehungen zeigten SPD-Anhänger eher ein emotionales Streitverhalten: Rund 28 Prozent gaben an, nach einem Streit emotional zu sein oder zu weinen. Und in Bezug auf die Pandemie gab es widersprüchliche Angaben. Einerseits hätten sich 50 Prozent der SPD-Wähler durch die Krise am stärksten mit ihrem Partner verbunden gefühlt, andererseits gaben 14 Prozent an, durch die viele gemeinsame Zeit eingeengt gewesen zu sein – beides Spitzenwerte in der Studie.

Wenig Wertschätzung für Alltagsarbeit bei FDP-Wählern

FDP-Anhänger waren in der Studie am häufigsten auf Partnersuche: 22 Prozent von ihnen gaben an, derzeit aktiv eine Beziehung zu suchen. 26 Prozent von ihnen – und damit im Vergleich besonders viele – tun das digital. Ist die Beziehung dann einmal gefunden, läuft es allerdings nicht mehr so rund: 52 Prozent der liberalen Frauen gaben an, besonders oft das Gefühl zu haben, ihr Partner bemerke ihre Alltagsarbeit nicht (52 Prozent) und kümmere sich selbst zu wenig darum (49 Prozent). 20 Prozent gaben außerdem an, ihr Partner sei ihnen insgeheim manchmal peinlich.

Klären lassen dürften sich diese Konflikte vermutlich weniger schnell. Denn nach einem Streit sind 26 Prozent der Frauen und Männer hier häufig immer noch überzeugt, recht zu haben. Daher würden viele Liberale auch häufiger als andere Wähler Dinge verschweigen, so Elitepartner – seien es genaue Ausgaben (18 Prozent) oder Jugendsünden und kleine Gesetzesübertretungen (12 Prozent). Loslassen können sie der Umfrage zufolge auch nicht so gut: Nach einer Trennung neigen 27 Prozent der FDP-Singles dazu, ihre ehemaligen Partner in den sozialen Medien zu verfolgen.

Linke-Wähler: Auch beim Dating prinzipientreu

Wähler der Linken sind mit 39 Prozent am häufigsten Single, wobei nur 52 Prozent dieser alleinstehenden Linken mit dem Solo-Leben zufrieden ist. Das Single-Leben aufzugeben scheint jedoch schwierig zu sein, denn sie verheimlichen am häufigsten, dass sie manchmal von der vielen gemeinsam verbrachten Zeit in einer Partnerschaft überfordert sind.

Beim Dating hingegen zeigen sich Linke-Wähler prinzipientreu: Bei rassistischen, sexistischen oder anderweitig diskriminierenden Bemerkungen ist das Date für 85 Prozent von ihnen gelaufen, für 79 Prozent auch dann, wenn das Gegenüber allgemein herablassend zu anderen ist. Gerade den Männern ist auch eine emanzipierte Partnerin wichtig. 64 Prozent von ihnen verlieren demnach das Interesse, wenn Frauen einen alleinigen Versorger suchen, 47 Prozent finden es nicht mehr zeitgemäß, wenn Frauen sich wie selbstverständlich beim Date einladen lassen.

Sind die Dating-Hürden genommen, stürzen sich Linke-Wähler aber offenbar in die Beziehung und vernachlässigen dabei häufiger als andere Gruppen ihre Freunde (23 Prozent) oder andere Dinge in ihrem Leben (19 Prozent). Im Beziehungsalltag ist dann überraschenderweise die Selbstständigkeit bei der Hausarbeit ein Problem: 35 Prozent der Männer brauche konkrete Ansagen von der Partnerin, was erledigt werden muss.

AfD-Wähler: Längste Beziehungen, aber am häufigsten unzufrieden

Bei AfD-Wählern zeigt sich ein widersprüchliches Bild. Einerseits führen sie die längsten Beziehungen (36 Prozent der Liierten sind über 20 Jahre zusammen), andererseits sind nur 78 Prozent von ihnen mit ihrer Partnerschaft zufrieden – der niedrigste Wert im Gruppenvergleich.

Die Männer und Frauen stritten sich zudem während der Pandemie am häufigsten (24 Prozent) und dachten am meisten über eine Trennung nach. Dazu passt, dass AfD-Wähler ihren Partnern am häufigsten verheimlichen, dass sie jemand anderen attraktiv finden (25 Prozent) oder Zweifel an der Beziehung haben (24 Prozent). Gut jeder Fünfte gab außerdem an, bei einem Streit besonders nachtragend zu sein.

Beim Dating ein No-Go ist hier, wenn das Gegenüber jemand anderem hinterherguckt. Dann ist für 40 Prozent der befragten AfD-Wähler das Date schnell vorbei. Ähnlich sieht es aus, wenn jemand zu spät kommt. Eine starke konservative Familienorientierung ist zumindest für die Männer wichtig: 28 Prozent von ihnen gaben an, dass die Partnerin bereit sein sollte, überwiegend für die Kinder da zu sein.

sb