Studie: Darum verdienen viele Erstgeborene mehr als ihre Geschwister

Wenn Geld und Job noch keine Rolle spielen: Geschwister im Kindesalter. (Bild: ddp Images)

In vielen Familien schaffen die Erstgeborenen, was den nachfolgenden Geschwistern oft nicht mehr gelingt: Sie studieren die besseren Fächer und haben später mehr Geld auf dem Konto. Forscher konnten das nun in einer breit angelegten Studie belegen. Die Eltern spielen dabei eine wichtige Rolle.

Erstgeborene, Sandwichkinder, Nesthäkchen – jedem Kind in einem Gefüge aus mehreren Geschwistern werden bestimmte Eigenschaften nachgesagt. Und die sollen sich in allen Familien weitgehend ähneln. Dass dem tatsächlich so ist, will nun eine neue Studie beweisen.

Forscher des Max-Planck-Instituts in Rostock haben die Daten von 146.000 schwedischen Studenten ausgewertet, die mindestens einen Bruder oder eine Schwester haben, die ebenfalls studieren. Dabei kristallisierte sich ein Muster heraus: So entdeckten die Sozialwissenschaftler, dass Erstgeborene andere Studienfächer wählten als die jüngeren Geschwister. Und zwar solche, mit denen man später die besserbezahlten Jobs bekommt.

Erstgeborene, so die Forscher, würden häufiger repräsentativere Fächer wählen, also Medizin, Jura oder Ingenieurswesen. Die Zweitgeborenen dagegen entschieden sich öfter für Kunst, Journalismus und Pädagogik. Die Ergebnisse der Studie wurden vor kurzem im Fachjournal „Social Forces“ veröffentlicht.

Oasis-Brüder: Noel Gallagher (l.) ist fünf Jahre älter als Liam. Erfolgreich sind beide – Streit ums Geld gab es dennoch. (Bild: ddp Images)

Nicht nur konnten die Forscher festmachen, dass viele nachfolgende Geschwister eine, zumindest finanziell, schlechtere Ausbildung wählen beziehungsweise bekommen. Sie entdeckten auch, dass die Abweichungen mit jedem zusätzlichen Geschwisterkind weiter abweichen. Während etwa Zweitgeborene mit einer 27 Prozent geringeren Wahrscheinlichkeit als ihre älteren Geschwister Medizin studieren würden, fällt der Wert bei Drittgeborenen noch eklatanter aus: Diese würden mit einer 54 Prozent geringeren Wahrscheinlichkeit ein Medizinstudium wählen.

Schon vor kurzem hatten Psychologen der Universitäten in Leipzig und Mainz herausgefunden, dass Erstgeborene einen leicht höheren IQ haben. Und mehr noch, auch hier gibt es eine Rangfolge – vom ersten zum letzten Kind nehme der IQ statistisch gesehen leicht ab.

Damit bestätigt sich, was bereits der Naturforscher Francis Galton einst bemerkte. Der Naturforscher stellte im Jahr 1874 bereits fest, dass die meisten englischen Wissenschaftler Erstgeborene waren.

Warum die ältesten Kinder im Schnitt finanziell und berufstechnisch besser abschneiden als ihre jüngeren Geschwister, das konnten die Forscher nicht entschlüsseln. Allerdings wird angenommen, dass Erstgeborene in ihren jungen Jahren durch die alleinige Zuwendung der Eltern profitieren, während alle weiteren Sprösslinge sich ihre Eltern „teilen“ müssen.