Studie zu Anstieg des CO2-Ausstoßes erhöht Druck auf UN-Klimakonferenz

Der weltweite Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid (CO2) ist einer wissenschaftlichen Studie zufolge in diesem Jahr gestiegen - und nicht wie in den drei vorhergehenden Jahren weitgehend stabil geblieben

Die diesjährige Zunahme des weltweiten Ausstoßes von klimaschädlichem CO2 nach mehrjähriger Pause hat den Druck auf die Verhandlungsdelegationen bei der UN-Klimakonferenz in Bonn erhöht. Der internationale Forscherverbund Global Carbon Project prognostizierte am Montag für 2017 einen Anstieg der CO2-Emissionen um etwa zwei Prozent. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) zeigte sich unterdessen zufrieden mit dem bisherigen Verhandlungsverlauf.

Nachdem der weltweite Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid in den drei vorangegangenen Jahren weitgehend stabil geblieben sei, sei für 2017 ein zweiprozentiger Anstieg der CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen und der Industrie zu erwarten, heißt es im Jahresbericht des Global Carbon Project. Für die Staaten, die derzeit in Bonn über die Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens von 2015 beraten, gebe es "keinen Grund zur Selbstzufriedenheit".

Für den steigenden Ausstoß sind vor allem die Schwellenländer verantwortlich. Während die Emissionen in China und Indien der Studie zufolge weiter ansteigen - nämlich um 3,5 Prozent beziehungsweise zwei Prozent -, nehme der Ausstoß in den USA und Europa um 0,4 Prozent beziehungsweise 0,2 Prozent ab. Dies sei allerdings viel zu langsam, um eine Trendwende zu erreichen, mahnten die Forscher.

Bis Ende 2017 werden die weltweiten CO2-Emissionen der Studie zufolge etwa 41 Gigatonnen betragen. Bei dieser Entwicklung der Emissionen werde das globale Kohlenstoffbudget innerhalb von 20 bis 30 Jahren aufgebraucht sein. Danach werde es nicht mehr möglich sein, die Erderwärmung wie in Paris vereinbart auf unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Hendricks sagte am Montag in Bonn, die Studie werde die Verhandlungen sicherlich beeinflussen. Sie glaube aber nicht, "dass man einen zusätzlichen Druck hier in den Verhandlungen aufbauen" müsse. "Denn diejenigen, die hier verhandeln, die kennen ihre Verantwortung."

Bislang liefen die Verhandlungen "insgesamt nach Plan", sagte die Umweltministerin. Es habe sich gezeigt, "dass allen Verhandlungsparteien an einem konstruktiven Ablauf gelegen" sei.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bezeichnete den prognostizierten Anstieg der CO2-Emissionen als "Alarmsignal". "Klimaschutz braucht jetzt kein weiteres Bekenntnis, sondern endlich effektive Maßnahmen und zuallererst den Kohleausstieg", erklärte die BUND-Klimaexpertin Ann-Kathrin Schneider. Das müssten "auch die Jamaika-Unterhändler in Berlin endlich begreifen", fügte sie mit Blick über die Sondierungsgespräche für eine Regierungskoalition hinzu.

Mahnungen kamen am Montag auch vom Direktor des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Hans Joachim Schellnhuber. Es gebe erwiesenermaßen ein "nie da gewesenes Risiko für die Menschheit durch die globale Erwärmung", hob er hervor.

Ein Bündnis aus mehr als 20 deutschen und französischen Nichtregierungsorganisationen richtete einen Appell an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron, die am Mittwoch vor den Delegationen in Bonn sprechen. Sie forderten das deutsch-französische Tandem auf, "die einmalige Möglichkeit" zu nutzen, "die Energiewende in Europa anzuführen".

"Ein sich neu erfindendes Europa muss ein verlässliches Europa sein, das seine internationalen Verpflichtungen einhält - auch beim Klimaschutz", erklärte der Präsident des Dachverbandes Deutscher Naturschutzring, Kai Niebert. Die EU-Klimapolitik stehe derzeit allerdigs "im Widerspruch zum Pariser Klimaabkommen".

Die Geschäftsführerin des französischen Klimaschutznetzwerks Réseau Action Climat, Morgane Créach, erklärte in dem Appell, Macron müsse an der Seite von Merkel "der Treiber" im Klimaschutz werden. Die französische Umwelt-Staatssekretärin Brune Poirson stimmte den Organisationen grundsätzlich zu. Der Umwelt- und Klimaschutz müsse eine "entscheidende" Leitlinie bei einer Reform der EU sein, sagte sie in Bonn.