Studenten in Wohnungsnot - kreative Lösungen sind gefragt

Nicht alle Studenten kommen in einer Studenten-WG unter. Auch Zimmer bei Senioren oder Familien werden gesucht. Foto: Daniel Naupold/dpa

Ein Wohnheim in den Niederlanden, eine WG mit Senioren oder ein großer Gemeinschaftsraum: Die Wohnungsnot bei Erstsemestern in NRW ist groß. Die Hochschulstandorte lassen sich deshalb einiges einfallen.

Köln (dpa) - Das neue Wintersemester steht in Nordrhein-Westfalen unmittelbar vor der Tür - die Vorlesungen starten. Doch gerade Studienanfänger haben es oft schwer, eine Wohnung zu finden.

Städte und Studierendenwerke suchen deshalb auch mit kreativen Ideen nach Lösungen: etwa mit einem Wohnheim in den Niederlanden, mit Wohnpartnerschaften bei Senioren, mit einer umgebauten Polizeiwache oder mit Notunterkünften für fünf Euro pro Nacht.

Der Wohnungsmarkt in Münster ist durch die knapp 58 000 Studenten besonders angespannt. Da kommen die steigenden Mietpreise nicht gerade gelegen. «Im BAföG sind 250 Euro für das Wohnen eingeplant. In Münster bekommt man dafür keine Wohnung mehr», sagt Frank Olivier vom Studentenwerk. Die 5617 Wohnungen vom Studierendenwerk können nicht einmal zehn Prozent der Studierenden beherbergen. 25 Notunterkünfte - Gemeinschaftsräume mit Trennwänden zwischen den Betten für fünf Euro pro Nacht - seien nicht ausreichend. Deshalb plane das Studentenwerk gemeinsam mit den Studenten und der Stadt verschiedene Aktionen. Vor einer Woche warben sie mit einem Stand und dem «Roten Sofa» in der Innenstadt bei Einwohnern darum, sich als Vermieter zu engagieren.

In vielen Regionen des Landes steigen die Studierendenzahlen seit Jahren konstant an. An den Aachener Hochschulen hat sich die Zahl der Studenten seit 2012 um fast 10 000 erhöht, wie die Stadt mitteilt. Neben dem Ausbau der Wohnheime werde deshalb nach innovativen Lösungen gesucht: In einer Kooperation mit der niederländischen Gemeinde Vaals entstand das Wohnheim Katzensprung unmittelbar an der Grenze. Mit dem Bus erreicht man von dort aus innerhalb von 20 Minuten die Aachener Unis.

In einigen Städten gibt es zudem das Projekt Wohnen für Hilfe. Studierende wohnen möglichst kostenfrei bei Senioren, Familien oder Menschen mit Beeinträchtigungen. Dafür übernehmen sie Arbeiten im Haushalt, in der Kinderbetreuung oder den Einkauf. Etwa in Paderborn funktioniert das gut. «Drei Senioren, eine Familie mit zwei Kindern und ein Mann im Rollstuhl: alleine in diesem Jahr sind fünf neue WGs mit Studenten entstanden», sagt eine Mitarbeiterin des Sozialbüros der AStA.

Als «Win-Win-Situation» beschreibt auch das Amt für Stadtentwicklung der Stadt Köln die Wohnpartnerschaften, die es gemeinsam mit der Seniorenvertretung seit 2009 in Köln organisiert. Immer noch gebe es rund 80 bestehende Partnerschaften pro Jahr. Das Projekt sei eines von drei Strategien gegen die Wohnungsnot von Studierenden in der bevölkerungsreichsten Stadt Nordrhein-Westfalens. Die Nachfrage nach den 4900 Plätzen in Wohnheimen übersteige die Kapazitäten um das Doppelte. 2015 wurde eine ehemalige Polizeiwache zum Wohnheim umgebaut.

Die Stadt ist außerdem auf der Suche nach privaten Investoren, die Gebäude und Apartments für Studenten bauen - 600 Wohnungen sind in Planung. Ein solcher Partner wurde vor Kurzem gefunden: Von Mittwoch an erreiche das Kölner Studierendenwerk dann erstmals über 5000 Wohnheimplätze, sagte Pressesprecherin Cornelia Gerecke. An diesem Tag werde ein neues Wohnheim mit 151 Apartments und 20 WG-Zimmern eingeweiht, das von der Rheinischen Beamten-Baugesellschaft errichtet wurde und ab November genutzt werden kann.

Doch nicht in jeder Stadt sind die Probleme so groß. In Bochum ist der Trend gegenläufig: «Im vergangenen Jahr haben die Studierendenzahlen bei uns in Bochum und Umgebung zum ersten Mal seit Jahren stagniert», berichtet Marian Thöne vom Akademischen Förderungswerk. Dennoch merke man die Wellen von Zuzügen zu Semesterbeginn. Die Wohnheime mit ihren 4200 Plätzen hätten sogar noch freie Plätze. Die Entwicklung in den nächsten Jahren sei nur schwer einzuschätzen. Aus diesem Grund setze man auf eine «flexible Bauweise»: die Gebäude sind nicht nur für Studierende ausgelegt - auch Senioren können dort einen Platz finden, falls die Nachfrage weiter nachlässt.