Stuck: F1-Rücktritt von Sebastian Vettel wäre "absolute Katastrophe"

Juliane Ziegengeist

Nachdem nun feststeht, dass sich Sebastian Vettel und Ferrari zum Ende dieser Formel-1-Saison nach sechs gemeinsamen Jahren trennen werden, bangt die Königsklasse um ihren einzigen verbliebenen deutschen Fahrer. Denn noch ist unklar, ob Vettel 2021 weiterfahren wird und wenn ja, in welchem Team.

"Wissen tut das nur er selbst", sagt Hans-Joachim Stuck bei 'Servus TV'. "Ich kann mir vorstellen, dass er natürlich ein Siegerauto braucht. Er wird sich in kein - nicht falsch verstehen - zweitklassiges Auto setzen, weil das braucht er mit Sicherheit nicht. So viele Möglichkeiten gibt es da aber nicht", weiß Vettels Landsmann.

Karl Wendlinger sieht das genauso: "Er ist vierfacher Formel-1-Weltmeister. Für ihn kommt in Zukunft eigentlich nur eins der drei Topteams in Frage, würde ich sagen. Mercedes und Red Bull sind voll. Ich glaube nicht, dass er dort einen Platz kriegen wird. Das ist meine persönliche Einschätzung", sagt der Österreicher.

Chance für einen Rücktritt ist "relativ groß"

Deshalb rechnet er damit, dass Vettel zurücktreten wird. In diese Richtung geht auch Stucks Vermutung: "Er war jetzt lange zu Hause, hat drei Kinder, das Familienleben genossen. Und - das soll jetzt nicht abfallend klingen - er ist ja auch nicht so ein Renntier wie Alonso, der alles macht, damit er ins Rennauto kommt."

"Also wenn er (Vettel; Anm. d. r.) da richtig vernünftig drüber nachdenkt und keine Alternative hat, ist die Chance, dass er aufhört, für mich relativ groß", hält Stuck fest. Dabei ist ihm sehr wohl bewusst, was das für die Formel 1 bedeuten würde. Sie hätte, zum ersten Mal seit 1990, keinen deutschen Starter mehr.

"Das wäre absolut eine Katastrophe", weiß der Ex-Rennfahrer - und hofft auf Ersatz. "Nico Hülkenberg hat zur Zeit noch keinen Platz, leider Gottes. Der hätte ihn auch sicherlich verdient. Da müssen wir dann schauen." Der Deutsche entschied sich nach der Trennung von Renault Ende 2019 für eine Auszeit von der Königsklasse.

Warum die Kombi Ferrari und Vettel scheiterte

Könnte jetzt das Comeback gelingen, womöglich sogar bei Renault? "Das wäre gut", sagt Stuck. "Auf jeden Fall hat Nico einen Platz verdient. Ich kenne ihn aus den Porsche-Zeiten, er ist ein ganz toller junger Mann, der wirklich Gas gibt, der alles kann. Und dass der keinen Formel-1-Sitz hat, ist für mich unverständlich."

Wendlinger sucht indes nach einer Erklärung, warum es mit Vettel und Ferrari nicht klappte. "Ich glaube, das ganze Paket ist gescheitert", urteilt er. "Letztes Jahr gab es ja Ungereimtheiten, sonst hätten sie nicht die Strafe von der FIA bekommen. Sie hatten den stärksten Antrieb, die meisten PS, aber irgendwas hat nicht gestimmt."

"Und davor haben sie sich eigentlich immer mit dem Auto, speziell mit der Aerodynamik schwer getan. Das hat auch ein Sebastian Vettel mit seinem ganzen Einsatz, den er gezeigt hat, nicht verbessern können", sagt Wendlinger. Mercedes sei mit seinem Gesamtpaket dem von Ferrari einfach über Jahre voraus gewesen.

"Ich glaube, in dem Aufholkampf, dem permanenten Druck, der auf Ferrari herrscht, nicht nur in Italien, sondern überall, haben sie einfach aufgegeben. Sie sind nicht mehr miteinander klargekommen und der Erfolg ist nicht der gewesen, der erhofft wurde. Und deswegen haben sie sich auseinander gelebt", so sein Fazit.

Mit Bildmaterial von LAT.