Struktur neuer Autobahnbrücke in Genua fertiggestellt

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Das letzte Deckteil wurde am Dienstag in die Struktur eingefügt

Lichtblick inmitten der Corona-Krise: Weniger als zwei Jahre nach dem verheerenden Brückeneinsturz in Genua ist die Grundstruktur einer neuen Brücke fertiggestellt worden. Die Baustellensirene heulte auf, als am Dienstag das letzte Deckteil der Struktur hochgehoben und eingepasst wurde. Die Schiffe in der Hafenstadt reagierten ihrerseits mit einem Sirenen-Gruß an das neue Bauwerk. Ministerpräsident Giuseppe Conte sprach von einem "Symbol für ganz Italien".

"Dies kann kein Tag zum Feiern sein", sagte Conte beim Besuch der Baustelle angesichts der Coronavirus-Pandemie. "Aber heute scheint ein neues Licht auf Italien." Die neue Brücke stehe für ein Italien, "dass wiederauferstehen kann, das seine Hemdsärmel hochkrempelt, dass nicht zulässt, dass es geschlagen wird", sagte der Regierungschef.

Beim Einsturz der Morandi-Autobahnbrücke im August 2018 waren 43 Menschen gestorben. Die Bilder des Einsturzes gingen um die Welt und wurden zum Symbol der maroden Infrastruktur in Italien.

Der Entwurf für das neue Bauwerk stammt von dem italienischen Star-Architekten Renzo Piano, zu dessen bekanntesten Werken das Centre Georges Pompidou in Paris gehört. Beim Design der Brücke orientierte sich der gebürtige Genuese an einem Schiffsrumpf, der an die jahrhundertelange Geschichte Genuas als Hafenstadt erinnern soll.

Der Chef der italienischen Baufirma Salini Impregilo, Pietro Salini, sagte bei einer Pressekonferenz vergangene Woche, der Bau der Brückenstruktur sei ein Wettlauf "gegen die Zeit, gegen das Wetter und gegen alle Schwierigkeiten, denen wir uns ausgesetzt sahen", gewesen. Während sich der Rest des Landes gefragt habe, wie angesichts der Corona-Krise eine Ausgangssperre aussehen könnte, habe sich seine Firma gefragt, "wie wir weitermachen können". Er hoffe, dass die Brücke bis Ende Juli in Betrieb genommen werden könne, sagte Salini weiter.

Zuvor muss die rund ein Kilometer lange Brücke noch asphaltiert werden. Auch die Installation von Windschranken und Solaranlagen steht noch aus. Anschließend sind umfassende Straßentests geplant.

Italiens größter Autobahnbetreiber Autostrade soll schon lange vor dem Einsturz der Morandi-Brücke von den Schäden an dem Bauwerk gewusst haben. Gegen insgesamt 74 Verdächtige läuft im Zusammenhang mit dem Unglück ein Verfahren.