Striptease und Auftragsmord: Dokureihe beleuchtet die Schattenseite der Chippendales

Auch Nick De Noia, Mitte, sorgte mit seinen Choreografien für den steilen Aufstieg der Striptease-Gruppe. (Bild: A+E Networks)
Auch Nick De Noia, Mitte, sorgte mit seinen Choreografien für den steilen Aufstieg der Striptease-Gruppe. (Bild: A+E Networks)

Weltweit sind die Chippendales berühmt für gestählte Körper. Weniger bekannt sind die düsteren Geschichten, die sich im Umfeld der Stripper abspielten: rivalisierende Clubs wurden abgefackelt und ehemalige Mitstreiter ermordet. Eine neue Dokuserie zeigt, wozu Gier die Menschen treiben kann.

Den Oberkörper austrainiert, den Hüftschwung perfektioniert: Die weltberühmten Chippendales sorgen bis heute für kreischendes - überwiegend weibliches - Publikum rund um den Globus. Tanz, Gesang und vor allem Erotik lautet die erfolgreiche Mischung, welche die strippenden Männer zunächst in Los Angeles, später weltweit als Entertainmentmarke etablierte. Doch hinter dem Glamour verbirgt sich eine ebenso düstere wie verstörende Geschichte, welche die neue Doku-Reihe "Secrets of Chippendales - Zwischen Gier und Mord" in vier 45-minütigen Episoden Stück für Stück offenlegt.

Auf dem True-Crime-Sender Crime + Investigation feiert das Doku-Format nun seine Fernsehpremiere im deutschsprachigen Raum. An den Donnerstagen, 21. sowie 28. Juli, laufen jeweils ab 20.15 Uhr Doppelfolgen. Danach stehen die Folgen unter anderem bei Sky beziehungsweise Wow zum Abruf bereit.

"Du hattest Sex, Drogen, Mord - nicht so gut -, Selbstmord - nicht so gut - und die Mafia - wirklich nicht gut", fasst Co-Produzent Jay D. Schwartz das mithin skandalöse Geschehen rund um die Stripper zusammen. "Erzähl mir eine Geschichte, ich toppe sie zehnfach damit, was in diesem Club passiert ist." Strafverteidiger Frank Rothman ist sich ebenfalls sicher: "Dieser Fall hatte alles."

Bereits die erste Sequenz zieht Zuschauerinnen und Zuschauer in den Bann. Bei der Polizei geht ein Notruf ein: "Ein Mann wurde gerade in meinem Büro erschossen", berichtet der aufgewühlte Anrufer. Nach der Adresse gefragt, antwortet er mit: "Chippendales". Der perfekte Start für eine spannende True-Crime-Serie: Exklusive Interviews - unter anderem mit dem Verteidiger des Auftragsmörders -, erstmals veröffentlichte Tatortvideos sowie neu freigegebene Aufnahmen des FBI bilden das Fundament der Reihe, die der klassischen Erzählstruktur vergleichbarer Formate folgt. Kurze Rückblicke in Retro-Videospiel-Optik sind eine feine Idee.

Steve Banerjee, Mitbegründer des Chippendales-Clubs, ging für den eigenen Erfolg sogar über Leichen. (Bild: A+E Networks)
Steve Banerjee, Mitbegründer des Chippendales-Clubs, ging für den eigenen Erfolg sogar über Leichen. (Bild: A+E Networks)

Von brennenden Nachtclubs und Auftragsmord

Bereits der Ursprung des Erfolgs ebnete den Weg in die Katastrophe. Club-Mitbegründer Steve Banerjee erhoffte sich von der Zusammenarbeit mit dem Choreografen Nick De Noia eine Expansion. Die Kooperation fruchtete, allerdings gerieten die beiden Männer aneinander - der Anfang vom Ende des Multi-Millionen-Dollar-Imperiums und von De Noias Leben. Im April 1987 wurde der Choreograf in seinem New Yorker Büro ermordet.

Doch Banerjees Machthunger war selbst mit dieser Tat nicht gestillt. Rivalisierende Nachtclubs wurden in Brand gesteckt, es gab zwei weitere Mordversuche auf ehemalige Chippendales-Mitarbeiter. Infolgedessen setzte das FBI alles daran, Banerjee vor Gericht zu bringen - und startete eine verdeckte Operation.

Choreograf Nick De Noia wurde von einem Auftragskiller ermordet. (Bild: A+E Networks)
Choreograf Nick De Noia wurde von einem Auftragskiller ermordet. (Bild: A+E Networks)

Schnauzbartträger für Mutter und Tochter

Wie üblich wird die Geschichte von Beginn an aufgerollt und startet mit der Gründung des Nachtclubs Destiny II, der später den Namen Chippendales - benannt nach dem Mobiliar im Chippendale-Stil- tragen sollte. Ende der 70er-Jahre starteten Steve Banerjee und Bruce Nahin ihr Erfolgsprojekt. Zu einer Zeit, in der Diskos zwar in New York, jedoch noch nicht an der US-Westküste populär waren, kam der ganz große Erfolg schließlich mit einer von Paul Snider präsentierten Idee: eine Striptease-Tanzshow mit ausschließlich männlichen Tänzern. Bilder von 1980 zeigen eine lange Schlange von Frauen, die auf den Eintritt in den Club warten.

Denn männliche Stripper waren damals eine Sensation, wenngleich die Show nicht mit der heutigen vergleichbar war. Die Chippendales waren noch nicht ganz so aufgepumpt, dafür waren viele der Tänzer mit einem Schnauzer ausgestattet. Unter dem Gejohle der Zuschauerinnen bewegten sie sich statt auf einer Bühne direkt auf der Tanzfläche. Im Gegensatz zu Stripclubs mit männlicher Zielgruppe wurde der Besuch bei den Chippendales zur sozialen Aktivität. Über alle Generationen hinweg suchten Frauen in dem aufstrebenden Club nach Spaß und Zerstreuung. Teils kamen Mütter mit ihren Töchtern zur familiären Männerschau.

Besitzer Somen "Steve" Banerjee wusste zudem in den 80er-Jahren schon ganz genau, wie gutes Marketing funktioniert. Anonym rief er bei Kirchen in Los Angeles an und machte sie auf die halbnackten Tänzer aufmerksam. Dabei kalkulierte er selbstverständlich die Empörung der konservativen Kirchgänger und das daraus folgende mediale Interesse mit ein. Über 40 Jahre später stehen die Chippendales wieder im medialen Fokus - diesmal geht es jedoch um Mord.

Zweigstellen eröffnen nach der Expansion: Das Bild zeigt den Eingang eines Chippendales-Clubs in New York. (Bild: A+E Networks)
Zweigstellen eröffnen nach der Expansion: Das Bild zeigt den Eingang eines Chippendales-Clubs in New York. (Bild: A+E Networks)
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