Streit um Polanski-Retrospektive in Paris

Trotz heftiger Kritik von Frauenrechtlerinnen zeigt die französische Cinemathek ab diesem Montag in Paris eine Retrospektive über den Starregisseur Roman Polanski. Dagegen protestiert unter anderem die feministische Organisation “Osez le Féminisme”, die der Cinemathek vorwirft, sich an “der Kultur der Straffreiheit männlicher Gewalt” zu beteiligen und eine Petition gegen die Veranstaltung lanciert hat. “Die Straffreiheit Polanskis zusammen mit den Lorbeeren, die ihm diese Institution des Kinos aufsetzt, ist unerträglich”, hieß es in einer Erklärung.

Die renommierte Kino-Institution ihrerseits ließ im Vorfeld wissen, sie habe nicht vor, an die Stelle der Justiz zu treten. Es sei nicht ihre Rolle als Museum, “wen auch immer auf irgendein moralisches Podest zu stellen.” Ziel sei es, die Gesamtheit der Werke von Cineasten zu zeigen und sie in die Kinogeschichte einzuordnen. Die Cinémathèque verwies auch darauf, dass Polanski seit mehr als 40 Jahren in Frankreich lebe, seine Filme systematisch von der staatlichen Filmförderung unterstützt würden und er das Land oft bei Festivals vertrete.

Gegen Polanski läuft in den USA seit 40 Jahren ein Missbrauchsverfahren, dass ihn in jüngster Vergangenheit immer wieder einholt. Anfang des Jahres hatte er nach Protesten darauf verzichtet, die Vergabe-Zeremonie der französischen César-Filmpreise zu leiten. Anfang Oktober wurden neue Vorwürfe gegen den Weltstar laut, als eine Deutsche in der Schweiz Anzeige wegen Vergewaltigung einreichte. Die Polanski-Kontroverse hat auch vor dem Hintergrund des Skandals um US-Filmmogul Harvey Weinstein neue Brisanz erlangt.

Neue Vorwürfe gegen Roman #Polanski: Eine Frau wirft ihm vor, sie 1973 als 16-Jährige sexuell missbraucht zu haben. https://t.co/LdzYXjS08s pic.twitter.com/txZ1KKOEag— 3sat Kulturzeit (@kulturzeit) 16 août 2017