Streit um ein Ikea-Bett am Bundesgerichtshof

Das optisch gleiche Modell – nur 2700 Euro günstiger? Das möchte sich ein Designer nicht gefallen lassen. (Bild: ddp)

Hochwertiges Handwerk gegen Massenproduktion, Kreativität gegen schnöden Ideenklau – darum geht es in einem Rechtsstreit, der heute am Bundesgerichtshof startet. Ein Frankfurter Designer wirft dem Möbelhaus Ikea vor, ein von ihm entworfenes Bett kopiert zu haben.

Philipp Mainzer ist sich sicher: Wo bei Ikea „Malm“ draufsteht, ist eigentlich „Mo“ drin. So nämlich nannte der Frankfurter Architekt und Designer sein Bett mit dem hohen Kopfteil und dem schlichten Design, das er im Januar 2002 auf einer Möbelmesse in Köln präsentierte und sich im Juli desselben Jahres beim Deutschen Patent- und Markenamt schützen ließ.

Lesen Sie auch: Zockt Aldi Nord ausgerechnet Eltern ab?

Der Mitbegründer der Möbelmarke e15 ist davon überzeugt, dass die Schweden sein Design bei der Möbelmesse gesehen, dreist kopiert und daraus das Ikea-Modell „Malm“ gemacht haben.

Zufall oder Klau? Das wird der Bundesgerichtshof entscheiden müssen

Der Kampf gegen den Möbelriesen war es dem Designer wert, vor den Bundesgerichtshof zu ziehen, wo der Prozess heute startet. Sein Minimalziel: Dass der Vertrieb der „Malm“-Betten in Deutschland gestoppt wird. Die Anwälte des Möbelkonzerns bestreiten die frappierende Ähnlichkeit der beiden Betten nicht einmal, behaupten aber, das Modell sei völlig unabhängig von Mainzer entwickelt worden.

Lesen Sie auch: Mäusekot und Käferbefall in Großbäckereien entdeckt

Zwar sei „Malm“ in Deutschland erst ab 2003 vertrieben worden, das sehr ähnliche Vorgänger-Modell „Bergen“ aber stand schon im Frühjahr 2002 in deutschen Ikea-Regalen. So oder so nach der Kölner Möbelmesse, auf der Mainzer sein Bett vorstellte.

Premium- gegen Billigware

Ikea verweist darauf, sich nicht zu einem laufenden Verfahren zu äußern. Dennoch teilte eine Sprecherin mit, der Konzern vertrete die Auffassung, „dass es niemals in Ordnung ist, die Arbeit eines anderen Designers zu kopieren.“ Die Firma unternehme bei der Einführung neuer Produkte „alles Erdenkliche, um sicherzustellen, dass wir dabei respektvoll und anständig mit anderen Firmen und Designern umgehen“.

Sehen Sie in der Galerie: Die kuriosesten Supermarkt-Angebote

Mainzer freilich sieht das anders. Als Vertreter einer Marke, die im Premiumsegment angesiedelt ist, will er nicht hinnehmen, dass sein Design verramscht wird. Bei ihm kostet „Mo“ knapp 3000 Euro und wird aus Eiche oder Nussholz gefertigt. „Malm“ dagegen gibt es mit Spanplatte und Echtholzfurnier für Preise zwischen 200 und 300 Euro.

Sehen Sie auch: Von wegen billig – diese Ikea-Klassiker sind viel Geld wert