Streit um eine dritte Bahn


Der Ausstieg Großbritanniens aus der EU befeuert eine Diskussion um ein Investitionsprojekt, das ohnehin schon seit Jahren heiß umstritten ist: die Erweiterung des Londoner Flughafens um eine dritte Bahn.

So hat Andrew Adonis, der Chairman der nationalen Infrastrukturkommission, kürzlich gewarnt, dass die Unsicherheit wegen des Brexits und seiner Folgen private Infrastrukturprojekte wie den Flughafenausbau ausbremsen könnte. „Unternehmen werden nicht investieren, solange sie glauben, dass Großbritannien abstürzen wird. So einfach ist das“, so Adonis.

Dabei war das Infrastrukturprojekt schon vor dem Brexit-Votum umstritten. Neben der Umweltbelastung sorgen vor allem die angesetzten Kosten für hitzige Debatten. So soll der Ausbau satte 20 Milliarden Euro kosten, etwa weil eine Ortschaft umgesiedelt werden müsste.


Luftfahrtmanager wie Willie Walsh, Chef der Airlinegruppe IAG, fürchten, dass die eh schon hohen Gebühren in Heathrow weiter steigen werden. Der Fall dürfte damit einer Debatte Zündstoff liefern, die zwar nicht neu ist, aber zurzeit wieder mächtig an Fahrt gewinnt: die Gebührenpolitik an europäischen Flughäfen.

So hat der Airlineverband „Airlines for Europe“ (A4E) kürzlich eine Studie vorgelegt, die zwei Kernaussagen hat. Erstens: Die Gebührenberechnung ist intransparent. Zweitens: Flughäfen, die flugferne Erlöse etwa aus der Gastronomie bei der Gebührenfestsetzung nicht berücksichtigen, weisen zwar höhere Gewinne, aber auch bis zu acht Prozent höhere Kosten auf. A4E fordert deshalb, dass die Flughäfen bei der Berechnung der Gebühren alle Einnahmen für die Fluggesellschaften berücksichtigen sollen – um die Gebühren selbst senken zu können.