Streckenposten in Gefahr: FIA reagiert auf Schrecksekunde in Imola

Christian Nimmervoll
·Lesedauer: 2 Min.

Nach dem Grand Prix der Emilia-Romagna in Imola sorgten in den sozialen Netzwerken Onboard-Clips von unter anderem Lance Stroll für hitzige Diskussionen. Darauf zu sehen: Streckenposten, die sich auf der Fahrbahn bewegen, während die Formel-1-Autos mit hoher Geschwindigkeit an ihnen vorbeidonnern. Eine zweifellos gefährliche Situation.

Zunächst hatte FIA-Rennleiter Michael Masi das Safety-Car wegen des Abflugs von Max Verstappen auf die Strecke geschickt. Während dieser Safety-Car-Phase drehte sich in der Acque Minerali auch noch George Russell in die Leitplanken. Folgerichtig musste die Strecke an der Stelle erstmal von Wrackteilen gereinigt werden, was für eine weitere Verzögerung sorgte.

Gegen Ende der Safety-Car-Phase kam dann das übliche Kommando "Lapped Cars may now overtake", sprich dass sich überrundete Fahrzeuge zurückrunden dürfen. Hintergrund: Die Formel 1 möchte vermeiden, dass bei einem Re-Start überrundete Fahrer zwischen den vorderen Positionen liegen und die Spannung drosseln.

Kimi Räikkönen, Antonio Giovinazzi, Nicholas Latifi und Romain Grosjean waren die ersten vier Piloten, die im Paket an Bernd Mayländer vorbeifuhren. Grosjean fiel da schon auf: "Es ist ein bisschen gefährlich, die Marshals dort zu lassen." Und auch Sebastian Vettel setzte einen ermahnenden Funkspruch ab, als er die Stelle passierte.

Denn erschwerend kommt hinzu: Die Acque Minerali führt zunächst bergab, sodass man durch die Kuppe bei der Anfahrt erstmal nicht weit sehen kann. "Die müssen aufpassen, die Marshals sind auf der Strecke", so Vettel am Boxenfunk. "Das ist sehr, sehr gefährlich. Sagt den Marshals, sie sollen von der Strecke verschwinden."

Stroll war der letzte Fahrer, der an der Gruppe vorbeifuhr, und gleichzeitig der, der am wenigsten abbremste. Genau geregelt ist die erlaubte Geschwindigkeit für den Fall, dass sich jemand während einer Safety-Car-Phase zurückrundet, nicht. Im Reglement ist nur von "angemessener Geschwindigkeit" die Rede.

'Motorsport.com' hat die FIA mit den besorgniserregenden Videoaufnahmen konfrontiert und um Stellungnahme gebeten. Zumal es nicht der erste Vorfall dieser Art in jüngerer Vergangenheit war. Bereits in Monaco 2019 wäre es beinahe zur Katastrophe gekommen, als Sergio Perez einem Streckenposten gerade noch ausweichen konnte.

Die Sicherheit der Streckenposten habe für die FIA "oberste Priorität", heißt es in der Antwort: "Die Rennleitung wurde auf das Problem aufmerksam gemacht und evaluiert nun, ob die Prozeduren, die derzeit vorgesehen sind, verändert werden können, um die Streckenposten noch besser zu schützen und die Wahrscheinlichkeit einer Wiederholung zu reduzieren."

Die konkreten Fragen, ob die Rennleitung zum Zeitpunkt des Zwischenfalls wusste, dass sich noch Streckenposten auf der Fahrbahn befanden, und wer genau gegen die Sicherheitsprotokolle verstoßen hat (ansonsten hätte es mutmaßlich gar nicht erst so weit kommen können), lässt die FIA allerdings unbeantwortet.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.