Eine gute Nachricht für Serienjunkies


Kaum etwas hassen Mobilfunkkunden so sehr, wie den dezenten Hinweis, dass das gebuchte Datenvolumen des Smartphones langsam zur Neige geht. Gerade Streamingdienste für Musik und Videos fressen so große Datenmengen, dass viele Kunden schon zur Monatsmitte auf der mobilen Schleichspur unterwegs sind. Seit April startete darum die Telekom die kostenlose „StreamOn“, mit der das gebuchte Datenvolumen nicht belastet wird. Kunden, die den „M“-Tarif mit StreamOn gebucht hatten, konnten unbegrenzt Musik bestimmter Partnerdienste hören, „L”-Kunden zusätzlich noch unbegrenzt Videos schauen. Partner sind unter anderem Apple Music, Amazon, Netflix und Youtube, aber etwa auch die ZDF Mediathek.

Das Angebot kommt gut an. Rund 200.000 Kunden nutzen es bereits. Es ist sogar so erfolgreich, dass Telekom-Hauptkonkurrent Vodafone beschlossen hat, nachzuziehen. Die Bundesnetzagentur hat dagegen am Montag entschieden, dass „StreamOn“ in seiner jetzigen Form keinen Bestand haben kann. Für die Kunden ist das allerdings eine gute Nachricht.

Denn zunächst einmal hat die Behörde bei ihrer Prüfung festgestellt, dass „StreamOn“ als sogenanntes Zero Rating-Angebot im Wesentlichen zulässig ist. Kunden müssen also nicht fürchten, dass das Angebot wegen möglichen Verstößen gegen die Netzneutralität ganz eingestampft wird – wie es im Sommer 2016 passiert war. Die Telekom sah sich dieses Mal bei der Prüfung ohnehin auf der sicheren Seite, weil interessierte Partnerdienste die gleiche Möglichkeit haben, mit dem Konzern kostenlos zusammenzuarbeiten. Außerdem gilt das Angebot nur solange, bis das gebuchte Datenvolumen aufgebraucht ist. Danach werden alle Apps gleichermaßen gedrosselt.


Außerdem ist mittlerweile auch ein Konkurrent auf die Idee der Telekom aufgesprungen. Vor zwei Wochen verkündete Vodafone, ab Ende Oktober so genannte „Vodafone-Pässe“ anzubieten, bei denen die Nutzung von Apps aus bestimmten Kategorien (etwa Social Media) nicht auf Kosten des gebuchten Datenpakets geht. Auch Vodafone wird die jüngste Entscheidung der Bundesnetzagentur über die Zulässigkeit des Zero-Ratings positiv stimmen, denn die Prüfung der „Vodafone-Pässe“ durch die Bundesnetzagentur steht noch aus.

Was die Kunden freut, könnte für die Telekom allerdings noch zum Problem werden: Denn nach Einschätzung der Bundesnetzagentur verstößt „StreamOn“ in Teilen trotzdem gegen die Netzneutralität und die Roaming-Verordnung. Laut Vorgabe für die Netzneutralität müssen alle Daten im Netz gleichbehandelt werden – und das ist beim Tarif „L“ demnach nicht der Fall. Um das „kostenlose“ Volumen geringer zu halten und die eigenen Netze zu schonen, rechnet die Telekom die Datenmenge von gestreamten Videos herunter. In Tarifen, in denen das Datenvolumen belastet wird, ist die Datenmenge großer. Die Reduzierung der Datenübertragungsrate beim Videostreaming sei unzulässig, weil es gegen das Gebot der Gleichbehandlung verstoße, erklärt die Behörde.


Außerdem stört sich die Bundesnetzagentur daran, dass die Kunden das Angebot im europäischen Ausland nicht genauso wie im Inland nutzen können. Wer sich am Strand langweilt, kann sich also nicht mit neuen Folgen seiner Lieblingsserie ablenken. Das widerspricht laut der Agentur aber der Roaming-Verordnung und dem Roam-Like-at-Home-Prinzip.

Die Telekom hat zwei Wochen Zeit, eine Stellungnahme abzugeben und Abhilfe zu schaffen. Sollte sie dies innerhalb dieser Frist nicht tun, kann die Bundesnetzagentur sie dazu verpflichten. Die Kunden dürfte das freuen. Sie können in Zukunft wohl auch im Ausland mobil Musik hören und Videos schauen, ohne sich Sorgen um das Datenvolumen machen zu müssen. Für die Telekom könnte es allerdings teuer werden. Sie muss die benötigten Bandbreiten für ihre Kunden bei einem lokalen Anbieter mieten, wenn sie in dem Land selbst kein Netz betreibt. Viele Unternehmen haben heute bereits gegenseitige Abkommen über den Datentransport geschlossen. Da aber etwa nicht so viele Italiener in Deutschland Urlaub machen wie anders herum, zahlen deutsche Anbieter drauf. In Zukunft dürfte die Rechnung für die Telekom hier steigen.

Die Telekom erklärte, sie teile die Rechtsauffassung der Behörde nicht. "Sie wendet hier nur ihre eigene, sehr enge Interpretation des EU-Rechts an", sagt ein Sprecher. Erfreulich sei, dass die Bundesnetzagentur unsere Position bestätigt, wonach Zero-Rating grundsätzlich möglich ist.