Mit Strasser und Betze-Tugenden aus der Hölle

Reinhard Franke
Mit Strasser und Betze-Tugenden aus der Hölle

Jeff Strasser ist neuer Cheftrainer des abstiegsbedrohten Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern. Dies hatte SPORT1 bereits am Mittwochvormittag berichtet.

Der ehemalige Profi der Pfälzer (1999 bis 2002), der bislang nur in seiner Heimat Luxemburg den CS Fola Esch betreute, erhält bei den Pfälzer einen Vertrag bis 2019. 

Nach SPORT1-Informationen setzte sich Strasser am Ende gegen Ciriaco Sforza, den Kapitän der FCK-Meistermannschaft von 1998, durch. Auch mit dem Schweizer war intensiv gesprochen worden.

Die finale Entscheidung für Strasser fiel am Dienstagabend. Mit dem Ex-Trainer des FC Basel, Urs Fischer, gab es keine Verhandlungen.


"Wir sind froh, dass wir mit Jeff Strasser einen jungen und erfolgshungrigen Trainer für uns gewinnen konnten, sagte FCK-Sportdirektor Boris Notzon. "Er (Strasser) hatte eine sehr lange Karriere als Spieler und weiß aufgrund seiner langjährigen Vergangenheit beim FCK ganz genau, welche Eigenschaften am Betzenberg gefragt sind. Er kennt den Verein, das Umfeld und viele der handelnden Personen und hat die Betze-Tugenden als Spieler selbst auf den Platz gebracht."

Und weiter erklärte der FCK-Sportchef: "Er hat 2016 den Fußballehrer gemacht, hat bei sehr vielen Klubs hospitiert und sich dabei immer weiterentwickelt. Mit Fola Esch konnte er auch bereits in den vergangenen sieben Jahren jeweils internationale Erfahrung sammeln. In vielen Gesprächen hat uns Jeff Strasser davon überzeugt, dass er fachlich und menschlich zu 100 Prozent zu uns passt und wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam mit ihm den FCK wieder nach oben bringen werden."


FCK-Praktikum unter Runjaic

Strasser absolvierte während seiner Fußballlehrer-Ausbildung ein Praktikum unter dem damaligen FCK-Coach Coach Kosta Runjaic bei den Roten Teufeln. Der frühere Abwehrspieler erwarb 2016 unter anderem gemeinsam mit den Bundesliga-Trainern Julian Nagelsmann und Domenico Tedesco die DFB-Trainerlizenz.

Während seiner aktiven Karriere absolvierte der 42-Jährige insgesamt 106 Pflichtspiele für Kaiserslautern, spielte nach seiner Zeit am Betzenberg noch vier Jahre bei Borussia Mönchengladbach.

Doppelter Abstieg droht

Der viermalige Meister und zweimalige Pokalsieger Kaiserlautern befindet sich nach dem 0:5 (0:4) am Montagabend bei Union Berlin endgültig in der tiefsten Krise der Klubgeschichte.

Mit gerade einmal zwei Punkten aus acht Spielen belegen die Pfälzer den letzten Tabellenplatz. Der Absturz in die Amateurligen dürfte bei einem Abstieg nicht zu verhindern sein, da der FCK sich die 3. Liga wohl nicht leisten könnte. Den Roten Teufeln droht die Hölle.


FCK-Legenden geschockt

Drei FCK-Legenden sind natürlich traurig über die aktuelle Situation am Betzenberg. "Vielleicht rüttelt das Berlin-Spiel alle Verantwortlichen wach, denn die Zeit läuft dem FCK davon", sagte 54er Weltmeister Horst Eckel am Dienstag bei SPORT1. Die Klubikone ergänzte: "Das 0:5 spricht eine deutliche Sprache. Es ist mehr als ein Warnschuss, so darf es nicht weitergehen."

Andreas Brehme, seines Zeichens 1990 Weltmeister mit der DFB-Auswahl und von 2000 bis 2002 Coach auf dem Betzenberg, hat für seinen ehemaligen Verein indes nur noch wenig Hoffnung. "Das Berlin-Spiel war ein Armutszeugnis. Es gibt gar keine Leidenschaft und Zweikampfstärke mehr", sagte der 90er Weltmeister.

Länderspielpause zur Eingewöhnung

Strasser folgt auf Interimscoach Manfred Paula, der den Posten zuvor vom erfolglosen Norbert Meier für die Partie bei Union übernommen hatte. Und eigentlich hatte Paula das Team am Freitag gegen den Tabellenvorletzten SpVgg Greuther Fürth betreuen sollen.

"Wir haben danach eine Länderspielpause. Dann hat das neue Trainerteam 14 Tage Zeit, mit der Mannschaft zu arbeiten", hatte Sportdirektor Notzon nach dem Debakel in Berlin gesagt.

Das Trainerteam von Strasser wird neben Torwarttrainer Gerald "Gerry" Ehrmann und Athletiktrainer Bastian Becker zunächst auch vom bisherigen Interimstrainer Alexander Bugera unterstützt, bis ein Co-Trainer gefunden ist.