Anklage erhebt in Loveparade-Prozess Vorwurf des "pflichtwidrigen Verhaltens"

Siebeneinhalb Jahre nach der Katastrophe bei der Duisburger Loveparade hat in Düsseldorf der Strafprozess gegen zehn Angeklagte begonnen. Die Staatsanwaltschaft legt ihnen fahrlässige Tötung beziehungsweise fahrlässige Körperverletzung zur Last

Siebeneinhalb Jahre nach der Katastrophe bei der Duisburger Loveparade hat am Freitag in Düsseldorf der Strafprozess gegen zehn Angeklagte begonnen. Die Staatsanwaltschaft warf ihnen am ersten Prozesstag vor dem Duisburger Landgericht "pflichtwidriges Verhalten" beziehungsweise "schwerwiegende Planungsfehler" vor. Angeklagt sind sechs Bedienstete der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Loveparade-Veranstalters. Ihnen werden fahrlässige Tötung beziehungsweise fahrlässige Körperverletzung zur Last gelegt.

Oberstaatsanwalt Uwe Mühlhoff nannte die Loveparade in Duisburg bei der Verlesung der Anklageschrift "nicht durchführbar und daher nicht genehmigungsfähig". Einem Teil der angeklagten städtischen Angestellten hätte dies auffallen müssen. Von den Mitarbeitern des Loveparade-Veranstalters seien "sicherheitsrelevante Auflagen" nicht umgesetzt worden. Außerdem seien am Tag der Veranstaltung "genehmigungswidrige Hindernisse" wie eine Zaunanlage am Zu- und Abgangsbereich des Veranstaltungsgeländes nicht entfernt worden.

Angesichts einer erwarteten Besucherzahl von 235.000 Ravern sei der Zugangs- und Abgangsbereich so unterdimensioniert gewesen, "dass es zwangsläufig zu lebensgefährlich Verengungen im Besucherstrom kommen musste", sagte Mühlhoff. Dem ebenfalls angeklagten früheren Duisburger Baudezernenten warf der Anklagevertreter vor, dass er die Genehmigungsverfahren seiner Untergebenen persönlich hätte prüfen müssen.

Unmittelbar nach der Eröffnung des Prozesses hatten die Verfahrensbeteiligten über die Frage debattiert, ob möglicherweise als Zeugen in Frage kommende Zuschauer den Prozess weiter verfolgen dürfen. Im weiteren Verlauf des Verfahrens verließen zwei Zuschauer, die möglicherweise als Zeugen in Frage kommen, freiwillig den Verhandlungssaal.

Insgesamt fiel das Zuschauerinteresse am ersten Verhandlungstag eher gering aus. Von 234 für Zuschauer vorgesehenen Plätze waren nach Gerichtsangaben 45 besetzt. Am späten Nachmittag zog sich das Gericht erneut zurück, um über einen von der Verteidigung gestellten Antrag auf Nichtverlesung der Anklageschrift zu beraten. Dieser wurde jedoch abgelehnt.

Bei dem Technofestival waren am 24. Juli 2010 in einem Gedränge 21 Menschen getötet und mehr als 650 verletzt worden. Gemessen an der Zahl der Verfahrensbeteiligten ist der Strafprozess einer der größten in der bundesdeutschen Rechtsgeschichte.

Die zehn Angeklagten werden von 32 Anwälten verteidigt. Zudem sind 65 Opfer als Nebenkläger zugelassen, die von etwa 40 Anwälten vertreten werden. Aus Platzgründen findet der Prozess statt im Duisburger Landgerichtsgebäude in einer Messehalle statt.