Kontroverse um westliche Militäreinsätze am Jahrestag der Anschläge vom 11. September

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Stoltenberg am 20. August in Brüssel (AFP/Francisco Seco)

Zum 20. Jahrestag der Anschläge vom 11. September in den USA hat Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg angesichts der "dramatischen Entwicklungen" in Afghanistan eine Untersuchung zu dem internationalen Militäreinsatz in dem Land angekündigt. Dennoch seien Auslandseinsätze zwar "grundsätzlich das letzte Mittel, manchmal aber doch die einzig vernünftige Antwort", schrieb Stoltenberg in der "Welt am Sonntag". Derweil berichtete die "New York Times", die US-Armee habe Ende August bei einem Drohnenangriff in Kabul nicht wie behauptet die IS-Miliz getroffen, sondern einen zivilen NGO-Mitarbeiter.

"Afghanistan wird nicht die letzte Krise sein, in der Nordamerika und Europa gemeinsam, mithilfe der Nato, handeln müssen", schrieb Stoltenberg. "Es wird immer jemanden geben, der uns schaden will."

Der Kampfeinsatz in Afghanistan sei "ein langer und schwieriger Einsatz gewesen, der mit vielen Opfern und hohen Kosten verbunden war", schrieb Stoltenberg. Zugleich sei es gelungen, das Terrornetzwerk Al-Kaida, das die Anschläge am 11. September 2001 in den USA mit fast 3000 Toten verübt hatte, "erheblich zu schwächen und zu verhindern, dass Afghanistan als Ausgangsbasis für Terroristen dient, die uns dann angreifen".

Die rasche Rückeroberung Afghanistans durch die radikalislamischen Taliban, die Al-Kaida in dem Land Unterschlupf gewährt hatten, nannte Stoltenberg "tragisch für die Afghanen und erschütternd für alle, die sie unterstützen". Es stellten sich "viele schwierige Fragen bezüglich unseres Engagements". Innerhalb der Nato sei deshalb "eine umfassende Untersuchung" eingeleitet worden, aus deren Ergebnis Lehren gezogen werden müssten.

Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, warnte vor der Schlussfolgerung, jedes militärische Engagement sei von vornherein zum Scheitern verurteilt. Künftig sei eine "gewisse Bescheidenheit" angebracht und die Ziele solcher Einsätze müssten kompatibel sein mit den Ressourcen und dem Zeitaufwand, den man aufzubringen bereit sei, sagte Ischinger dem Sender Phoenix.

Das Scheitern der 20 Jahre dauernden internationalen Militärmission in Afghanistan hatte zuletzt zu Rufen nach einer Überprüfung der Auslandseinsätze der Bundeswehr geführt. Die Wehrbeauftragte des deutschen Bundestags, Eva Högl (SPD), fordert als Konsequenz, die Ziele laufender Auslandseinsätze wie dem in Mali zu hinterfragen. Kurz vor der Machtübernahme der Taliban Anfang August hatte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) bereits gefordert, Lehren für künftige Auslandseinsätze der Bundeswehr zu ziehen.

Deutliche Kritik an dem Ende Abzug aus Afghanistan übte derweil der ehemalige Chef des US-Geheimdienstes NSA, Michael Hayden. "Ich wäre geblieben", sagte Hayden dem ZDF. Er hätte US-Präsident Joe Biden von dem Abzug abgeraten. "Ich hätte dem Präsidenten gesagt: (...) Verschieben Sie den Abzug um ein, zwei Jahre." Er mache sich jedoch etwa mit Blick auf die Erstürmung des US-Kapitols im Januar unter anderem durch Rechtsextremisten weniger Sorgen um Al-Kaida oder China, sondern "um das, was in Amerika geschieht", betonte Hayden, der lange auch CIA-Chef war.

Derweil berichtete die "New York Times", die US-Armee habe Ende August bei einem Drohnenangriff in Kabul nicht wie behauptet ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug der islamistischen IS-Miliz getroffen, sondern einen mit Wasserkanistern gefüllten Wagen einer Nichtregierungsorganisation (NGO).

Einen Tag nach dem Angriff in der afghanischen Hauptstadt hatte Aimal Ahmadi der Nachrichtenagentur AFP bereits berichtet, dass sein Bruder kein Attentäter, sondern ein NGO-Mitarbeiter gewesen sei und bei dem Angriff insgesamt zehn Zivilisten getötet worden seien, darunter sechs Kinder.

Pentagon-Sprecher John Kirby sagte der Zeitung auf Anfrage, die Ermittlungen würden fortgesetzt. "Wir glauben weiterhin, dass damit eine unmittelbare Bedrohung des Flughafens (von Kabul) verhindert wurde", sagte Kirby. Die US-Armee hatte den Tod von drei Zivilisten eingeräumt.

fwe/cp

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