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Darum stocken Zentralbanken jetzt ihre Goldreserven auf

Immer mehr Zentralbanken stocken ihre Goldreserven auf. - Copyright: Getty Images
Immer mehr Zentralbanken stocken ihre Goldreserven auf. - Copyright: Getty Images

Zentralbanken auf der ganzen Welt stocken ihre Goldvorräte auf und bestätigen damit die wachsende Ablehnung gegen den US-Dollar.

Im ersten Quartal hätten die weltweiten Goldreserven um 228,4 Tonnen zugelegt, berichtete der World Gold Council (WGC) am Freitag. Dies ist zwar ein Rückgang von 40 Prozent gegenüber dem vierten Quartal, aber ein Anstieg von 176 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Außerdem wurde ein neuer Rekord für das erste Quartal erreicht, der den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2013 um 34 Prozent übertrifft.

"Dies ist umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass der neue Rekord auf das Rekordnachfragetempo des letzten Jahres folgt", heißt es in dem Bericht.

Goldreserven als Mittel in Zentralbankrevolte gegen den US-Dollar

Die wichtigsten Goldkäufer im ersten Quartal kamen überwiegend aus Asien. Dem WGC zufolge führte die Zentralbank von Singapur mit Käufen von 69 Tonnen, gefolgt von China mit 58 Tonnen, der Türkei mit 30 Tonnen und Indien mit sieben Tonnen.

Die russische Zentralbank meldete für das Quartal einen Rückgang um sechs Tonnen, der möglicherweise auf die Prägung von Münzen zurückzuführen sei. Trotzdem sei die Gesamtmenge im Vergleich zum Vorjahr um 28 Tonnen gestiegen, so der WGC. In letzter Zeit gab es verschiedene Hinweise darauf, dass russisches Gold in die Vereinigten Arabischen Emirate, die Türkei und Hongkong fließt.

Der US-Dollar galt traditionell als wichtige Stütze der Zentralbankreserven. Der jüngste Anstieg der Goldnachfrage wird jedoch als ein Zeichen für die Entdollarisierung gesehen, denn der Dollar wurde als Waffe eingesetzt, um Russland wegen seines Krieges gegen die Ukraine finanziell unter Druck zu setzen.

"So ist der älteste und traditionellste aller Vermögenswerte, Gold, jetzt ein Mittel der Zentralbankrevolte gegen den Dollar", schrieb Ruchir Sharma, Vorsitzender von Rockefeller International, vergangenen Monat in der "Financial Times".

Goldpreis in Höhenflug

Am Freitag erklärte der WGC, dass die Goldkäufe der Zentralbanken nach wie vor robust seien. Nur wenig deute darauf hin, dass sich der Trend kurzfristig ändern werde. Die Lobbyorganisation bekräftigte die Ansicht, dass die Goldkäufe zu Beginn des zweiten Quartals weiterhin die Verkäufe überwiegen würden.

In der Zwischenzeit nähert sich der Goldpreis einem neuen Rekordhoch an. Mittlerweile liegt der Goldpreis bei 2000 US-Dollar (1831 Euro) pro Unze und ist somit in diesem Jahr um elf Prozent gestiegen, 25 Prozent über dem Tiefstand vom November letzten Jahres. Der Rekordpreis aus dem Sommer 2020 liegt bei 2072 Dollar (1877 Euro).

Der Anstieg sei das Resultat einer signifikanten Investorenflucht in die Sicherheit, sagt Bob Haberkorn, ein leitender Marktstratege bei RJO Futures.

Seiner Ansicht nach ist der Grund, dass die US-Notenbank Schwierigkeiten habe, die Inflation in den Griff zu bekommen. Die aggressiven Zinserhöhungen versetzten den Bankensektor in Aufruhr und erhöhten das Potenzial für eine Kreditklemme.

"Im Grunde genommen ist der Kauf von Gold im Moment fast eine Wette gegen die Fed", sagte Haberkorn. "Die Fed ist nicht in der Lage, die Zinssätze für lange Zeit aggressiver zu gestalten."

Dieser Artikel wurde von Amin Al Magrebi aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.