Traumbilanz gewahrt! Stindl rettet Remis gegen Frankreich

Lars Stindl erzielte den späten Ausgleich

Joker Lars Stindl hat zum Abschluss eines grandiosen Länderspieljahres die stolze Serie der deutschen Weltmeister gerettet.

Mit einem Rechtsschuss bewahrte der Mönchengladbacher die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw beim 2:2 (0:1) im WM-Härtetest gegen Frankreich vor der ersten Niederlage nach 20 Spielen. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

Zuletzt hat die deutsche Nationalmannschaft im EM-Halbfinale verloren - gegen die Franzosen (0:2). (Alle Infos zur WM-Auslosung am 1. Dezember)

"Zunächst bin ich mit beiden Tests gegen England und Frankreich sehr zufrieden. Das waren zwei Tests auf allerhöchstem Niveau. Heute haben wir uns in der zweiten Halbzeit frei gespielt, nachdem in der ersten Hälfte nicht alles so geklappt hat, wie wir uns das vorgestellt haben", sagte Löw nach Abpfiff in der ARD. (Die Stimmen zum Spiel)


Götze feiert Traum-Comeback

Beim Comeback des WM-Helden Mario Götze hatte Alexandre Lacazette (33./71.) zweimal für die technisch exzellenten Gäste in Köln getroffen.

Die Weltmeister hingegen spielten lange statisch, zögerlich und mit wenig Esprit - bis Werner das 1:1 erzielte (56.). Toni Kroos setzte einen Freistoß an die Unterkante der Querlatte (70.), Sekunden später fiel das 1:2. Stindl konterte in der dritten Minute der Nachspielzeit.

Positiv in Erinnerung bleiben wird Götzes Rückkehr. Der Siegtorschütze im WM-Finale 2014 wurde nach gut einer Stunde für Ilkay Gündogan eingewechselt, der Dortmunder absolvierte somit sein erstes Länderspiel seit einem Jahr und bereitete Stindls Tor mit einem schönen Pass vor. Lange hatte er wegen einer Stoffwechselerkrankung gefehlt. 


"Das war heute eine positive Geschichte für mich und ein Schritt in die richtige Richtung. Ich bin froh, dass ich wieder dabei bin", sagte Götze. 

Trapp nutzt Chance

Löw hatte beim 0:0 in England am Freitag das Blitzartige im Umschaltspiel vermisst. Er verschrieb seiner Mannschaft, das schleunigst "wieder einzuschleifen", um in Russland Gegner der Weltklasse ins Wanken bringen zu können.

Für ein Startelf-Comeback Götzes sah der Bundestrainer die Zeit noch nicht gekommen, wohl aber für einen weiteren Test des Frankreich-Kenners Kevin Trapp (Paris Saint-Germain) im Tor. Joshua Kimmich war erstmals seit Mitte 2016 nicht dabei, der Münchner erhielt eine Pause und wurde von Emre Can vertreten.  

Das deutsche Spiel sollten wieder Kroos und Kapitän Sami Khedira aufziehen, die Löw in London geschont hatte. Das wirkte sich anfangs positiv aus, mit sehr hoch stehenden Außenverteidigern wählten die Weltmeister den Weg nach vorne - Özil hätte beinahe das 1:0 erzielt (3.).

Besonders Kroos tauchte danach lange ab. Das gefällige Spiel der technisch exzellenten Franzosen, unter anderem angetrieben von Bayerns Münchens Rekordeinkauf Corentin Tolisso, war auf das Supertalent Kylian Mbappe zugeschnitten.

Mats Hummels spitzelte dem 180-Millionen-Mann im letzten Moment den Ball vom Fuß (12.). Einen ersten Schuss von Lacazette entschärfte der stark aufgelegte Trapp (19.) ebenso entschlossen wie später gegen Mbappe (32.). 

Frankreich trifft nach Traum-Kombination

Im deutschen Spiel war das Zentrum dicht, auch weil Gündogan weit in die Mitte zog und somit die rechte Angriffsseite entblößte. In der Spitze bei Werner kamen die Bälle meist erst gar nicht an.

Frankreich zwang die deutsche Mannschaft mit Pressing und klugem Verschieben zu etlichen Quer- und Rückpässen, der von Löw energisch eingeforderte Überfallfußball blieb zunächst aus.

Den spielten eher die Gäste, wie nach einem pfeilschnellen Konter über Anthony Martial (28.). Sekunden zuvor war auf der Gegenseite eine Volleyabnahme von Mesut Özil geblockt worden. (Spielplan und Ergebnisse)

Nach einer Traum-Kombination mit kleinteiligen Direktpässen über vier Stationen spiegelte sich die französische Überlegenheit auch auf der Anzeigetafel.

Werner trifft nach Özil-Vorlage

Löw wirkte nachdenklich, seine Mannschaft wurde kaum noch gefährlich, bis Werner von Özil wunderbar steil geschickt wurde und Torhüter Steve Mandanda tunnelte. Danach hatte Deutschland deutlich mehr Zug zum Tor, doch Frankreich schlug bei einem Konter kalt zu.

Löw entlässt seine Nationalspieler nun in eine viermonatige Phase ohne Länderspiele, mit einem klaren Auftrag: Jeder muss mehr tun, alles geben, um auf höchstmöglichem körperlichen und mentalen Niveau in die unmittelbare WM-Vorbereitung starten zu können.

Diese beginnt mit den Generalproben gegen Spanien (23. März in Düsseldorf) und Brasilien (27. März in Berlin).