Stindl und Nehmerqualitäten - Löws Lehren

Martin van de Flierdt, Jochen Stutzky
Die deutsche Nationalmannschaft erreicht am 2. Spieltag des FIFA Confederations Cup ein ordentliches 1:1 gegen Chile. Arsenal-Legionär Shkodran Mustafi erwischt einen gebrauchten Tag. Das DFB-Team in der SPORT1-Einzelkritik:

Die Voraussetzungen für den deutschen Halbfinaleinzug beim FIFA Confederations Cup (LIVE im TV auf SPORT1) sind geschaffen.

Nach dem achtbaren 1:1 gegen Südamerikameister Chile braucht die neu formierte DFB-Auswahl nur noch einen Punkt aus dem abschließenden Gruppenspiel am Sonntag (ab 17 Uhr im LIVETICKER) in Sotschi gegen Kamerun, um die Vorschlussrunde zu erreichen.

Bei einem Sieg wäre sogar der Gruppensieg möglich, dann würde das DFB-Team ein weiteres Mal in Sotschi antreten.

SPORT1 fasst die Erkenntnisse aus dem Remis gegen Chile zusammen:

Stindl hat bei Löw einen Stein im Brett

Dass der Mönchengladbacher Lars Stindl in allen vier Spielen stand, war nicht zwingend zu erwarten. Gegen Chile überzeugte er als alleinige Spitze, erzielte im zweiten Confed-Cup-Spiel seinen zweiten Treffer.

"Ich habe versucht, das Beste daraus zu machen und das gegnerische Aufbauspiel zu stören", erläuterte Stindl seinen Auftrag. "Aber ich wollte auch immer wieder eine flache Anspielstation bieten." Dem Bundestrainer hat das gefallen.

"Lars ist ein sehr raffinierter Spieler mit unglaublicher Spielintelligenz und guter Orientierung im Raum", schwärmte Joachim Löw. "Er ist ruhig und selbstsicher, zeigt keine Anzeichen von Nervosität, ist eine sehr gute Persönlichkeit und ein sehr guter Spieler."


Dass sein Standing beim Bundestrainer so hoch ist, nachdem er lange links liegen gelassen worden war, freut Stindl. "Ich kann momentan nicht meckern. Ich bin glücklich, dass ich der Truppe helfen kann."

So sammelt er fleißig Punkte, um auch im kommenden Jahr nach Russland mitreisen zu dürfen. Denn Löw findet: "Lars hat in der Zeit bei uns absolut überzeugt".

DFB-Auswahl Team besitzt Nehmerqualitäten

Dem abgezockten Südamerikameister Paroli zu bieten, schien vor der Partie fast ein Ding der Unmöglichkeit.

"Viele waren im Vorhinein skeptisch, ob wir dem Gegner gewachsen sind", sagte Joshua Kimmich. "Am Anfang haben sich diese Leute vielleicht bestätigt gefühlt, aber hinten raus haben wir es gut gemacht."


In der Tat schüttelte der frühe Gegentreffer durch Alexis Sanchez (6.) die deutsche Hintermannschaft gehörig durch. Doch mit Glück und Geschick kam sie ohne zweiten Gegentreffer durch diese Phase.

"Gerade gegen so eine Mannschaft wie Chile, die so emotional und mental so stark ist, kann eine Mannschaft an so einem Negativerlebnis zerbrechen", sagte Leon Goretzka. "Wir haben Moral bewiesen."

Can gewinnt sämtliche Zweikämpfe

Dabei setzte sich besonders Emre Can in Szene, der in der ersten Halbzeit sämtliche Zweikämpfe gewann, die er bestritt. Mit einem dynamischen Solo und  präzisem Zuspiel auf Jonas Hector war er zudem Wegbereiter des deutschen Ausgleichs.

In der zweiten Hälfte hatte die DFB-Auswahl die Chilenen dann sogar weitgehend im Griff, wirkte körperlich am Ende sogar frischer. Und das, obwohl Löw auf jegliche Wechsel verzichtete.

"Ich habe von den Spielern eine gewisse Widerstandsfähigkeit und Härte gegen sich selbst erwartet, auch lange Wege zu gehen und viel zu investieren", begründete er diese Maßnahme.

"Wir haben gegen einen sehr erfahrenen Gegner gespielt und mit einer sehr jungen Mannschaft die Ruhe behalten", urteilte Marc-Andre ter Stegen. "Es war eine reife Vorstellung, die zeigt, dass wir nicht nur Respekt haben, sondern auch an unsere Stärke glauben."

Defensive Organisation macht Fortschritte

Löw hatte mit einer Aufstellung mit sieben defensiv orientierten Spielern überrascht.

Vor der Dreierkette aus Matthias Ginter, Shkodran Mustafi und Niklas Süle agierten die beiden Sechser Sebastian Rudy und Can. Die Außenbahnen verteidigten Kimmich und Hector.


"Es war in erster Linie defensive Organisation gefragt", erklärte Löw. "Auch das ist eine Qualität, die haben wir gezeigt." Das allerdings erst nach gut einer halben Stunde, als die erste Pressingwelle der Chilenen abebbte.

Zu dem Zeitpunkt hatte Mustafi mit einem Fehlpass bereits den Rückstand verursacht. "Wenn man der letzte Mann ist und einen Risikopass spielt, dann kann man auch schlecht aussehen", meinte der Arsenal-Profi.


Löw kritisiert Mustafi

"Auf diesem Niveau wird so ein Fehler auch mal bestraft", befand Löw. "Aber ich fordere auch immer wieder, risikoreich nach vorne zu spielen. Diese Szene hätte man aber besser lösen können."

Die Defensive bekam im Lauf der Partie einen immer besseren Zugriff. "Wir haben im Mittelfeld gewartet. Sobald der Ball zwischen die Linien gespielt wurde, waren wir da", erläuterte Mustafi.

Seine Mannschaft habe intelligent verteidigt, "auch das Mittelfeld hat intensiv gearbeitet, ist viele Wege gegangen", lobte Löw. Dass darunter das Spiel nach vorne litt, nahm er in Kauf. Sein Gesamturteil: "Wir haben auf sehr, sehr hohem Nivau agiert."