Pulverfass HSV: Stimmung eskaliert, Fans laufen Sturm

Der erste Abstieg des Hamburger SV aus der Fußball-Bundesliga zeichnet sich immer mehr ab.

Am 23. Spieltag kassierte das nun zehn Partien sieglose Team von Trainer Bernd Hollerbach gegen Bayer Leverkusen eine 1:2 (0:1)-Niederlage und hat als Vorletzter schon sechs Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. (Das Spiel zum Nachlesen im LIVETICKER)

Fans gehen auf die Barrikaden

Die spielerische Leistung der Hanseaten war über weite Strecken nicht bundesligareif. Unmittelbar nach dem Abpfiff brachten einige Fans ihrem Unmut zum Ausdruck. Einige versuchten, in den Innenraum vorzudringen. Einsatzkräfte der Polizei mussten vor der Nordkurve Stellung beziehen. (Die Bundesliga-Tabelle)


Vor dem Führungstor der Gäste leistete sich Verteidiger Douglas Santos einen Blackout und verlor im Strafraum den Ball an Bayers Shootingstar Leon Bailey, der HSV-Keeper Christian Mathenia gekonnt aussteigen ließ und zur Führung einschoss (40.).

Kurz nach dem Wechsel erhöhte Kai Havertz auf 2:0 für Leverkusen (50.). Der Anschlusstreffer von Andre Hahn (71.) brachte den Hausherren zwar wieder Hoffnung auf wenigstens einen Punkt, die allerdings unerfüllt blieb. (Alle Daten zum Spiel im Datencenter)


Angesichts der schweren sportlichen Schieflage dürfte die mit Spannung erwartete Mitgliederversammlung des HSV e.V. am Sonntag mit dem Duell zwischen HSV-Präsident Jens Meier und Herausforderer Bernd Hoffmann ziemlich ungemütlich werden. 

Anders als ursprünglich geplant wird nicht der gesamte Profikader an der Versammlung teilnehmen. Nach SPORT1-Informationen erscheinen nur vier Spieler, Sportdirektor Jens Todt sowie das Trainerteam. 

Ausführliche LIVE-Ausschnitte von der Mitgliederversammlung gibt's am Sonntag ab 11 Uhr im CHECK24 Doppelpass im Free-TV auf SPORT1 sowie im TV-LIVESTREAM und komplett via Facebook Live

Todt sieht "große Verunsicherung"

Die Bilanz ist verheerend. Manager Jens Todt machte nach dem Spiel große Verunsicherung" bei der Mannschaft aus. Vorstandsboss Heribert Bruchhagen flüchtete sich in Durchhalteparolen: "Natürlich ist uns die Tabellensituation bewusst, es bleibt keine Alternative, als an dem Restglauben festzuhalten."

Argumente, die für eine erneute Rettung des Bundesliga-Dinos sprechen, fand der 69-Jährige nicht. Zum Relegationsplatz klafft mittlerweile eine große Lücke von sechs Punkten, die Mannschaft ist völlig verunsichert und auch die Fans wenden sich immer entschlossener ab.

Schon vor Anpfiff war die Stimmung gereizt. Einige Anhänger rollten ein Banner aus mit der Aufschrift "Bevor die Uhr ausgeht, jagen wir euch durch die Stadt."

Eine Anspielung auf die Stadionuhr, die seit Bestehen der Bundesliga vorwärts läuft. Der HSV ist als Gründungsmitglied seit jeher dabei und noch nie abgestiegen.


Hollerbach noch kein Gewinnbringer

Trainer Bernd Hollerbach versuchte zwar zu beschwichtigen: "Es bringt nichts, uns gegenseitig zu zerfleischen." In Gänze zeigte er aber kein Verständnis für das Verhalten. "So etwas hat im Fußball_Stadion nichts verloren", sagte er. 

Auch Manager Todt kritisierte die Aktion der eigenen Anhänger: "Wir haben Verständnis für die Enttäuschung der Fans, aber nicht für Gewaltandrohungen."

Torschütze Andre Hahn gestand: "Das Gefühl ist für uns und die Fans einfach scheiße. Die Fans erwarten mehr von uns. Dass die Fans frustriert sind, das ist völlig verständlich." 

Derzeit deutet sehr viel darauf hin, dass die Bundesliga-Uhr der Hamburger im Mai stehenbleibt. In seinen bisherigen vier Partien als Nachfolger von Markus Gisdol hat Hollerbach bislang nicht den richtigen Hebel gefunden, um sein Team zu Punkten zu führen. 

Highlights des Spiels in "Bundesliga Pur" am Sonntag, ab 9.30 Uhr im TV auf SPORT1

Die Situation ist dramatischer als in den Vorjahren, als sich der HSV immer noch knapp aus dem Sumpf zog. Dementsprechend emotional dürfte es am Sonntag zugehen.

Die Partie gegen Bayer war nur der erste Teil eines auf mehreren Ebenen richtungweisenden Wochenendes für die Hanseaten.