Stimmung der britischen Verbraucher noch schlechter als nach Brexit-Votum

dpa-AFX

LONDON (dpa-AFX) - Mitten in der Weihnachtszeit ist die Stimmung der britischen Verbraucher erstmals noch unter ein Tief infolge des Brexit-Votums im Sommer 2016 gefallen. Der entsprechende Indikator des Marktforschungsinstituts GfK ist im Dezember um einen Punkt auf minus 13 Punkte gesunken und erreichte den schwächsten Stand seit vier Jahren, wie das Institut am Donnerstag mitteilte. Einen Monat nach dem Brexit-Votum war die Stimmung zwar drastisch eingebrochen, allerdings nicht ganz so weit wie jetzt.

Seit dem Votum für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) hat das geschwächte britische Pfund durch steigende Importpreise die Inflation nach oben getrieben - so stark, dass der britische Notenbankchef Mark Carney dies bereits schriftlich gegenüber Finanzminister Philip Hammond rechtfertigen musste. Besonders problematisch ist die hohe Teuerung, weil die Lohnentwicklung nicht mithalten kann; die Kaufkraft der Arbeitnehmer sinkt. Das ist ein Hauptgrund für die schlechte Verbraucherstimmung.

Für GfK-Experte Joe Staton hängt die weitere Entwicklung davon ab, ob die Brexit-Unsicherheit bestehen bleibt und wie die britische Notenbank reagieren wird. "Wir brauchen ein besseres Verständnis davon, wie sich der Brexit entwickeln wird und wie schnell und stark die Zinsen steigen werden." Da sich dies aber wohl nicht allzu schnell klären werde, sei 2018 mit einer weiteren Stimmungsverschlechterung zu rechnen.

Immerhin konnte die britische Premierministerin Theresa May zuletzt Erfolge in den Verhandlungen mit der EU verbuchen. Nach der Klärung erster Grundsatzfragen ist der Weg für Gespräche über die künftigen Beziehungen frei und die EU hat Großbritannien nach dem Brexit eine Übergangsfrist bis Ende 2020 eingeräumt. Innenpolitisch bleibt die Lage für May aber brenzlig. Mit einer Mehrheit von nur sieben Mandaten ist ihre Minderheitsregierung sehr anfällig für Revolten und am Mittwochabend hat mit Vize-Premier Damian Green binnen kurzer Zeit das dritte Kabinettsmitglied seinen Posten räumen müssen.