Stimmen nach Wahl in Honduras ausgezählt - dennoch kein Sieger verkündet

Wahl in Honduras ausgezählt - kein Sieger

Eine gute Woche nach der Präsidentschaftswahl in Honduras ist die Auszählung der Stimmen beendet worden - die offizielle Verkündung des Wahlsiegers steht aber weiter aus. Der amtierende rechte Staatschef Juan Orlando Hernández erzielte einen hauchdünnen Vorsprung vor seinem linksgerichteten Herausforderer Salvador Nasralla, wie das Oberste Wahlgericht am Montag mitteilte. Nasralla wollte das Ergebnis nicht anerkennen, weil es "weder offiziell noch endgültig" sei.

Dem Obersten Wahlgericht (TSE) zufolge entfielen auf Hernández 42,98 Prozent der Stimmen, auf Nasrallah 41,39 Prozent. Wegen der Möglichkeit, Einspruch einzulegen, könne es bis zur Verkündung des Wahlsiegers aber noch 22 Tage dauern.

"Wir rufen alle Kandidaten und alle Parteien dazu auf, Honduras an die erste Stelle zu setzen", erklärte TSE-Präsident David Matamoros. Die Koordinatorin der EU-Wahlbeobachter, die Portugiesin Marisa Matias, sagte auf einer Pressekonferenz in der Hauptstadt Tegucigalpa, der Wahlprozess sei längst nicht abgeschlossen. Bis dahin solle kein Wahlsieger ausgerufen werden. Die Auszählung der Stimmzettel war zwischenzeitig unterbrochen worden, nachdem es bei Protesten zu Ausschreitungen gekommen war.

Der 64-jährige Fernsehmoderator Nasrallah erklärte, er könne das Wahlergebnis nicht anerkennen. Die vorliegenden Zahlen seien "weder offiziell noch endgültig". Nasrallah bekräftigte die Forderung, 5173 umstrittene Stimmzettel zu überprüfen.

Die Verfassung des zentralamerikanischen Landes verbietet eine zweite Amtszeit des rechtskonservativen Präsidenten Hernández von der Nationalen Partei. Ein umstrittenes Urteil des Obersten Gerichts von 2015 hob das Verbot jedoch auf.

Nach Abbruch der Auszählung am Donnerstag hatte die Regierung am Freitag einen zehn Tage währenden Ausnahmezustand über das zentralamerikanische Land verhängt, um die Proteste der Opposition zu unterbinden. In der Nacht zum Samstag wurde eine 19-jährige Demonstrantin durch Schüsse getötet. Ihre Familie macht die Polizei verantwortlich.

Am Sonntag zogen erneut protestierende Anhänger des Oppositionspolitikers Nasralla durch die Straßen Tegucigalpas. "Sie klauen unsere Stimmen", sagte der sichtlich verärgerte 58-jährige Buchhalter Jesús Elviz der Nachrichtenagentur AFP.

Am Tag nach der Wahl vom 26. November hatte der für die Allianz der Opposition gegen die Diktatur angetretene Nasralla zunächst mit knapp fünf Prozentpunkten in Führung gelegen. Danach überholte der Amtsinhaber nach Angaben des Wahlgerichts seinen Herausforderer und lag nach Auszählung von knapp 95 Prozent der Stimmen mit 42,9 Prozent knapp vor Nasralla, der auf 41,4 Prozent kam.

Die Verschiebung zugunsten des Präsidenten führte zu gewaltsamen Protesten. Nasrallas Anhänger werfen Präsident Hernández Wahlbetrug vor.

Honduras zählt zu den ärmsten und gefährlichsten Ländern Lateinamerikas. Hernández war 2013 in einer damals bereits umstrittenen Wahl an die Macht gekommen.