Stimmen: So reagiert Streich auf den Video-Wahnsinn

Sandro Schwarz (r.) und Christian Streich tauschen sich nach Spielschluss aus

Ein kurioser Videobeweis hat beim 2:0-Sieg des 1. FSV Mainz gegen den SC Freiburg für Diskussionen gesorgt.

Nachdem Schiedsrichter Guido Winkmann bereits zur Pause gepfiffen hatte, schaute er sich auf Anraten von Videoassistentin Bibiana Steinhaus eine Szene nochmal an. Freiburg-Verteidiger Kempf hatte den Ball nach einer Hereingabe aus kurzer Distanz an die Hand bekommen.

Winkmann entschied nachträglich auf Elfmeter und holte die Gäste, die bereits in der Kabine waren, wieder auf den Platz. Pablo de Blasis verwandelte vom Punkt und legte später nach einem Patzer von Freiburg-Keeper Schwolow nach.

Die Video-Situation war auch nach Spielschuss das Thema des Tages. Christian Streich wirkte angefressen, blieb aber im Interview ruhig. Die Reaktionen in den sozialen Medien waren weitesgehend kritisch.

SPORT1 fasst die Stimmen und Reaktionen von Eurosport, aus der Mixed Zone und den sozialen Medien zusammen.

Sandro Schwarz (Trainer FSV Mainz 05): "Ich glaube, dass es absolut korrekt war. Ich habe es auf dem Bildschirm gesehen und dachte mir, dass es ein klarer Elfer ist. Der Zeitpunkt war extrem unglücklich. Aber an sich, von der Situation her, war es richtig und ein klarer Elfmeter. Wir haben die Halbzeitansprache deswegen geändert. Wir wollten analysieren, was wir nicht richtig gemacht haben. Es war dann emotionaler in der Pause, weil wir vermutet haben, dass Freiburg mit Wut aus der Pause kommt."

Alexander Schwolow (Torwart SC Freiburg): "Das war sehr kurios, dass wir in der Kabine sitzen und eine Aktion überprüft wird und wir dann rausgerufen werden. Das konnten wir erstmal gar nicht glauben. Sehr kurios. Vom Gefühl her sage ich, es war keiner. Ich war noch im Spielertunnel und habe mitbekommen, dass die Aktion überprüft wird. Ich bin dann trotzdem in die Kabine, weil ich gehofft habe, dass kein Elfmeter gepfiffen wird."

über seinen Patzer: "Ich sag noch zum Mitspieler, er soll den Ball wegschlagen. Dann wollte ich ihn am Gegenspieler vorbei spitzeln. Ich habe einfach den Ball nicht richtig getroffen. Ganz, ganz dumm, das tut mir leid für die Mannschaft."


Christian Streich (Trainer SC Freiburg):

was ihm durch den Kopf geht: "Dass wir am Samstag in fünf Tagen in Hamburg spielen."

zur Video-Szene: "Ich sag nichts mehr dazu. Ich war nicht ruhig in Schalke. Deswegen bin ich jetzt ruhig. Ich habe mir vorgenommen, so etwas über mich ergehen zu lassen. Wir thematisieren das intern nicht und wollen die Dinge beeinflussen, die wir beeinflussen können."

zur Halbzeit-Ansprache: "Die war dann ein bisschen anders. Wir haben taktisch umgestellt und versucht, dass sie (die Spieler, Anm. d. Red.) ruhig bleiben und mit freiem Kopf in die zweite Halbzeit gehen."

zu Schwolow: "Da brauchen wir nicht drüber reden. Fehler gibt's halt im Fußball."

zu Taktik und Spielverlauf: "Wir hatten uns entschieden, defensiver zu spielen. Wir dachten, in den offenen Schlagabtausch zu gehen, wird schwierig. Die ersten zehn Minuten waren okay - dann hat Mainz Druck gemacht. Nach dem 1:0 war Mainz euphorisiert. Am Ende muss ich der Mannschaft ein Kompliment machen, dass sie trotz dieser Spielentwicklung ruhig geblieben ist und alles probiert hat."

Jochen Saier (Sportvorstand SC Freiburg): "Erst war es ein bisschen Ungläubigkeit. Aber regeltechnisch ist das denke ich völlig in Ordnung. Wir müssen das schweren Herzens akzeptieren, es wird immer kurioser."

Lutz-Michael Fröhlich (Ex-Schiedsrichter): "Nach den Kriterien war es Handspiel: Die Hand war weit abgespreizt vom Körper, der Blickkontakt zum Ball war da. Deswegen spielt die Distanz zum Ball eher eine untergeordnete Rolle. Im Endeffekt hat er den Ball mit einem abgespreizten Arm abgewehrt. Es war ganz wichtig, dass er (Winkmann, Anm. d. Red.) einen Hinweis zur Situation bekommen hat und ganz wichtig, dass er auf der Basis einer eigenen Wahrnehmung eine Entscheidung trifft. Er ist dann nach kurzer Ansicht zur Entscheidung gekommen."

zum Videobeweis nach Abpfiff der ersten Halbzeit: "Das sind Szenen, die eigentlich keiner haben will. Vom Ablauf her ist das keine Werbung, aber es war in diesem Fall tatsächlich nicht anders möglich. Damit muss man leben im Moment. Die Verständigung war wegen der ganzen Trillerpfeifen schwierig, der Schiedsrichter hat die Situation im Spiel überhaupt nicht wahrgenommen. Darum hat sich der Videoschiedsrichter darum gekümmert. Am Ende ist der Ablauf korrekt, aber er läuft dem Grundgedanken der Spontanität und der Emotion entgegen."

Rene Adler (FSV Mainz 05): "Das war ein Riesenschritt, aber wir haben noch nichts erreicht. Groß unterstützt haben uns die Fans heute nicht. Wir sind Fußballer, und wenn man uns sagt, dass wir montagabends spielen, dann müssen wir das. Blöd ist, wenn mehr gegen das Montagsspiel demonstriert wird als dass wir unterstützt werden."

Danny Latza (FSV Mainz 05): "Für uns Spieler war es eine kuriose Situation. Du wartest und wartest und wartest. Das nimmt dir den Rhythmus. Wir tun gut daran, dass uns die Fans bei Heimspielen unterstützen und nicht den DFB beschimpfen. Ich spiele lieber ein, zwei Mal montags statt in der Zweiten Liga."

Pablo de Blasis (FSV Mainz 05): "Beim zweiten Tor habe ich natürlich Glück gehabt. Entscheidend ist aber, dass wir gemeinsam in den letzten Wochen konstanter auftreten und uns heute endlich mit drei Punkten belohnen durften."

Abdou Diallo: (FSV Mainz 05): "Die Elfmeterszene war bizarr. Wir waren mit dem Kopf schon in der Kabine. Aber der Videobeweis ist ein Fortschritt für die Bundesliga, den wir ausnutzen sollten."

Alexander Hack (FSV Mainz 05): "Wir wussten, dass etwas auf uns zukommt. Aber dass beide Seiten so lange protestieren, das haben wir nicht erwartet. Natürlich hat das gestört. Wenn man auf den Platz kommt, will man gleich spielen und nicht warten. Das mit dem Elfmeter haben wir gar nicht richtig mitgekriegt. Plötzlich hat der Schiedsrichter gesagt, dass die Freiburger wieder rauskommen sollen. Der Sieg war sehr wichtig. Man hat beiden Teams angemerkt, dass es um viel geht. Für die Fans ist so ein Spiel am Montag nicht gut. Auch für uns ist es eine Umstellung. Aber das haben wir nicht zu entscheiden."

Gary Lineker: Der frühere englische Nationalspieler und heutige TV-Experte reagiert mit einem Wortspiel auf die Vorfälle in Mainz. Auf Twitter schrieb er nur "Varcical", ein Wortspiel aus "VAR" (Video Assistant Referee) und "farcical", dem englischen Wort für "lächerlich".










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