Stichwahl um Präsidentenamt in Zypern begonnen

In Zypern entscheiden die Wähler am Sonntag in einer Stichwahl über den künftigen Präsidenten. Der konservative Amtsinhaber Nikos Anastasiades tritt gegen seinen linksgerichteten Herausforderer Stavros Malas an

In Zypern entscheiden die Wähler am Sonntag in einer Stichwahl über den künftigen Präsidenten. Der konservative Amtsinhaber Nikos Anastasiades tritt gegen seinen linksgerichteten Herausforderer Stavros Malas an. Beide Kandidaten setzen sich für Verhandlungen über eine Wiedervereinigung der geteilten Mittelmeerinsel ein.

Anastasiades kam in der ersten Wahlrunde am 28. Januar auf 35,5 Prozent der Stimmen, auf den früheren Gesundheitsminister Malas entfielen 30 Prozent. 550.000 Wahlberechtigte sind nun aufgerufen, in der Stichwahl ihren neuen Staatschef für die nächsten fünf Jahre zu küren. Mit dem Ergebnis wird am Abend gerechnet, die Wahllokale schließen um 17.00 Uhr MEZ.

Die Präsidentschaftswahl findet sechs Monate nach dem erneuten Scheitern der Verhandlungen über die Wiedervereinigung Zyperns statt. Die Gespräche zwischen der griechisch-zyprischen Regierung in Nikosia und der nur von Ankara anerkannten Türkischen Republik Nordzypern waren nach anfänglich großen Hoffnungen im Juli ergebnislos abgebrochen worden.

Zypern ist seit einem von der damaligen Militärjunta in Griechenland unterstützten Putsch und einer anschließenden türkischen Militärintervention im Jahr 1974 geteilt. Die 1983 ausgerufene Türkische Republik Nordzypern wird nur von der Schutzmacht Ankara anerkannt und ist auch wirtschaftlich völlig abhängig von der Türkei.

Die Republik Zypern trat 2004 der EU und dem Euro bei. Völkerrechtlich ist die ganze Mittelmeerinsel, auf der rund eine Million Menschen leben, Mitglied der Europäischen Union.

Der 71-jährige Anastasiades hatte im Wahlkampf versprochen, den Dialog mit seinem türkisch-zyprischen Kollegen Mustafa Akinci bald wiederzubeleben. Auch Malas will sich dafür einsetzen. Der 50-Jährige wirft dem amtierenden Staatschef vor, beim Thema Wiedervereinigung zu zögerlich zu agieren.

Viele Zyprer halten Anastasiades zugute, das kleine EU-Land vor dem finanziellen Kollaps und einer schweren Rezession bewahrt zu haben. Der Präsident war im Februar 2013 gewählt worden - wenige Tage, bevor Zypern mit den Euroländern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ein milliardenschweres Finanzpaket aushandelte, um vor einer Pleite zu entgehen.

Im Gegenzug wurden in Zypern die Steuern erhöht und die Löhne gekürzt, die Arbeitslosigkeit stieg stark an. Im März 2016 konnte Zypern den internationalen Rettungsschirm aber wieder verlassen.