Stichwahl um Präsidentenamt in Moldau in zwei Wochen

Mihaela RODINA
·Lesedauer: 2 Min.
Stimmauszählung in Moldau
Stimmauszählung in Moldau

Über das künftige Staatsoberhaupt der Republik Moldau wird in zwei Wochen in einer Stichwahl entschieden: Dann werden der pro-russische Präsident Igor Dodon und die pro-europäische Ex-Regierungschefin Maia Sandu gegeneinander antreten. In der ersten Runde am Sonntag lag Sandu mit 35,8 Prozent der Stimmen vor Dodon, der auf 32,9 Prozent kam, wie die Wahlkommission am nach Auszählung von 99,25 Prozent der Stimmen mitteilte.

Dieses Resultat deutete auf ein sehr enges Rennen in der zweiten Runde am 15. November hin. Die Stichwahl ist erforderlich, da keiner der Kandidaten mehr als 50 Prozent der Stimmen holte. 

Bei der Stimmenauszählung hatte Dodon zunächst noch vor Sandu gelegen. Nach Auszählung von etwa 80 Prozent der Stimmen kam der Amtsinhaber auf 35 Prozent, seine Rivalin Sandu auf 31 Prozent. Im weiteren Verlauf der Auszählung setzte sich Sandu dann überraschend nach vorn. 

In den Umfragen vor der Wahl hatte Dodon geführt. Ihren Überraschungserfolg in der ersten Runde hatte Sandu nun nach Angaben der Wahlkommission vor allem Wählern zu verdanken, die aus dem Ausland heraus abgestimmt hatten - die emigrierten Moldauer votierten mit großer Mehrheit für die 48-Jährige. 

Fast eine Million Bürger sind seit der Unabhängigkeit der Republik Moldau von der Sowjetunion im Jahr 1991 ausgewandert. Ihre Geldsendungen an die Familien im Heimatland machen 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) des verarmten Landes aus.   

Weder Dodon noch Sandu äußerten sich zunächst zu den Wahlergebnissen. Der Staatschef hatte jedoch bereits kurz nach Schließung der Wahllokale betont, dass die Wahl "korrekt, frei und demokratisch" verlaufen sei. Vergangene Wahlen in Moldau waren von Betrugsvorwürfen überschattet gewesen. Auch bei diesem Urnengang hatten viele Bürger die Sorge geäußert, dass es Manipulationen geben könnte. 

2200 Wahlbeobachter waren im Einsatz, darunter 34 von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Die OSZE-Beobachter wollen sich am Montag zum Wahlverlauf äußern. Außer Dodon und Sandu waren in der ersten Runde noch sechs weitere Kandidaten angetreten. 

Der 45-Jährige Dodon ist seit 2016 im Amt. Er gilt als  Verbündeter Moskaus. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte im Vorfeld der Wahl die Hoffnung geäußert, dass Dodon im Amt bleibt. Dieser hatte im Wahlkampf weiterhin enge Beziehungen zum "strategischen Partner" Moskau in Aussicht gestellt und dafür plädiert, Russisch zum Pflichtfach in den Schulen zu machen. 

Sandu war von Juni bis November 2019 Ministerpräsidentin, bevor ihre Regierung gestürzt wurde. Sie steht für einen EU-freundlichen Kurs. Die moderat-konservative Politikerin arbeitete früher für die Weltbank. Bei der Präsidentschaftswahl vor vier Jahren hatte sich Dodon gegen Sandu durchgesetzt. 

Die ehemalige Sowjetrepublik mit ihren 3,5 Millionen Einwohnern hat in den vergangenen Jahren mehrere politische Krisen durchlebt. Das Land ist gespalten zwischen Anhängern Europas und jenen, die an engen Beziehungen zu Russland festhalten wollen. Moldau ist zudem eines der ärmsten Länder Europas.

dja