Stevens warnt: "Was Bosz macht, ist gefährlich"

Reinhard Franke
Der frühere Bundesligatrainer Huub Stevens (r.) spricht bei SPORT1 über die Arbeit von BVB-Trainer Peter Bosz

Es gibt einige Baustellen bei Borussia Dortmund. Und Trainer Peter Bosz, seit diesem Sommer im Amt, muss diese schleunigst in den Griff kriegen.

Ein Hauptproblem beim Tabellenzweiten ist die Defensivschwäche. Für das offensiv ausgerichtete und klassisch niederländische 4-3-3-System muss Bosz aktuell viel Kritik einstecken. Während es in den ersten fünf Saisonspielen kein Gegentor gab, setzte es in den fünf vergangenen Partien derer elf.

Dass niederländische Trainer durchaus eine sattelfeste Defensive formen können, bewies in der Bundesliga der Schalker Jahrhunderttrainer Huub Stevens.

Er prägte zu seiner Zeit bei Schalke 04 den Satz "Die Null muss stehen". Im SPORT1-Interview spricht er über  das Auftreten des BVB und seinen in die Kritik geratenen Landsmann Bosz.

SPORT1: Herr Stevens, Peter Bosz wird aktuell sehr kritisiert, weil er weiter an seinem System festhält. Was sagen Sie dazu?

Huub Stevens: Vor vier Wochen gab es ein Treffen von einigen Trainern in den Niederlanden. Da hat Peter einen Vortrag gehalten. Und er hat noch mal deutlich gesagt, dass er an seinem System festhalten will und nichts ändern wird an seiner Art, wie er über Fußball denkt. Er ist zu 100 Prozent von seiner Idee überzeugt und die setzt er auch durch. Seine Gedanken über Fußball sind so und davon lässt er sich nicht abbringen. Damit war er auch bei Ajax Amsterdam erfolgreich und in den ersten Wochen in Dortmund. Bei Ajax hat es auch nicht sofort total funktioniert. Er hatte viele Probleme das alles umzusetzen, aber im Nachhinein wurde es besser und das hoffe ich jetzt auch beim BVB.


SPORT1: Was würden Sie Bosz raten?

Stevens: Meine Meinung ist: Wenn Plan A nicht greift, dann muss ein Trainer Plan B haben. Aber Peter weicht noch nicht von seinem Plan A ab. Ich hoffe nicht, dass ihm das zum Verhängnis wird. In bestimmten Situationen musst du als Trainer den Spielern auch helfen und ihnen auch einen Rettungsring reichen, dass sie auch wieder Vertrauen bekommen. Da muss Peter etwas tun, um den Spielern etwas anzubieten, womit sie sich wieder wohl fühlen. Wenn Spieler ein Spiel gewinnen, dann fühlen sie sich wohl. Und wenn sie verlieren, dann verlierst du auch etwas Vertrauen. Jetzt muss Peter dafür sorgen, dass das Vertrauen der Spieler bleibt und dass kann durch eine System-Änderung passieren.

SPORT1: Ist Bosz zu stur?

Stevens: Natürlich ist er stur, aber er ist der Trainer und muss auch eine Linie fahren. Ich glaube auch, dass er in Gesprächen mit den richtigen Leuten, wo er gute Argumente bekommt, die richtigen Schlüsse daraus zieht. Peter ist bei Ajax gegangen, weil er dort nicht die Rückendeckung hatte, die in seinen Augen nötig war. Dortmund war dann der nächste Schritt. Ich hoffe, dass er in den vergangenen Jahren als Trainer gelernt hat und er einen Schritt zurück macht, um zwei, drei Schritte nach vorne zu machen.

SPORT1: Wie gefährlich ist die Situation für Bosz?

Stevens: Das weiß ich nicht. Die Bosse beim BVB haben im Sommer die Gespräche geführt und haben den Fußball von Ajax unter Peter analysiert und deshalb hat man sich für ihn entschieden. Wenn die Erfolge nicht da sind, dann musst du von deinem Weg abweichen, um später wieder auf den erfolgreichen Weg zurückzukehren. Es ist die Frage, ob er das tut. Für Peter ist das jetzt eine ganz schwierige Situation, weil er an seine Philosophie glaubt. Das, was er macht, ist gefährlich.


SPORT1: Glauben Sie, dass Bosz sich auch mal helfen lassen wird?

Stevens: Peter ist nach wie vor von seiner Arbeit beim BVB überzeugt. Wichtig ist, ob die Spieler das weiter umsetzen können, was er will. Wenn das nicht der Fall ist, dann muss Peter Plan B haben. Wenn Zorc und Watzke ganz vernünftig mit Peter sprechen, dann denke, ich, dass sie da rauskommen, wenn Peter etwas von seiner Philosophie abrückt. Es ist eine wichtige Woche für ihn. Interessant wird sein, ob die Bosse noch mit Peter an einem Strang ziehen.

SPORT1: Ihr Motto als Schalke-Coach war "Die Null muss stehen". Worauf haben Sie noch geachtet?

Stevens: Ich habe immer nach der Qualität der Spieler geschaut und habe dann einen Plan auf dem Platz angeboten. Du musst zudem auch auf die Verfassung der Spieler achten. Da spielen viele Komponenten eine Rolle.

SPORT1: Welche Gefahr birgt das 4-3-3-System von Bosz?

Stevens: Dieses System ist natürlich dann gefährlich, wenn du hoch stehst. Wichtig sind eine Kompaktheit und die Organisation auf dem Platz. Die Gegner wissen gerade, dass der BVB gerne presst. Sie haben die Mittel, sich da raus zu spielen, das heißt mit langen Bällen oder schnellen Kombinationen.