Steuerreform verhagelt Talanx das Ergebnis – aber der Optimismus kehrt zurück

Deutschlands drittgrößter Versicherer verdient im ersten Quartal deutlich weniger. Die Prognose für das Gesamtjahr bleiben jedoch stabil.

Der drittgrößte deutsche Sachversicherer Talanx hat am Freitag seine Zahlen für das erste Quartal vorgelegt. Das sind die wichtigsten Fakten.

  • Der Konzerngewinn sank in den ersten drei Monaten des Jahres um mehr als acht Prozent auf 218 Millionen Euro. Ausschlaggebend dafür waren unter anderem Einmaleffekte durch die US-Steuerreform.
  • Für das Gesamtjahr hält der neue Vorstandschef Torsten Leue dennoch am anvisierten Gewinnziel von 850 Millionen Euro fest. Es liegt weit über den 672 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Dort belasteten hohe Kosten einer Hurrikan-Serie.
  • Gleichzeitig überrascht Leue mit der Ankündigung, die Geschäfte des Konzerns im Bereich Spezialversicherungen zu bündeln. Das neue Unternehmen soll Anfang 2019 starten.

Das fällt positiv auf

Besonders das Rückversicherungsgeschäft, um das sich im Konzern die Tochter Hannover Rück kümmert, lieferte ein starkes erstes Quartal ab. Wie schon die größeren Wettbewerber Munich Re und Swiss Re profitierten auch die Hannoveraner davon, dass es in dieser Zeit weltweit zu außergewöhnlich wenigen Großschäden kam. Die gebuchten Bruttobeiträge stiegen über 27 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro.

Mit 95,9 Prozent blieb die Hannover Rück damit unter der anvisierten Schaden-Kosten-Quote von 96 Prozent, einer der zentralen Kennzahlen für Versicherer. Darin zeigen die Unternehmen der Branche, ob sie mehr Geld an Beiträgen eingenommen oder für Schäden ausgegeben haben.

Dadurch ist bei Talanx auch der Optimismus zurück. Der neue Chef Torsten Leue – er hatte erst am Dienstag das Amt übernommen – rechnet mit einem Anstieg der Bruttoprämien um mehr als fünf Prozent. Bislang lag die Prognose bei zwei Prozent. Im ersten Quartal waren es währungsbereinigt bereits mehr als 14 Prozent.


Auf Länderebene hat sich Talanx gerade auf dem Heimatmarkt gut geschlagen. Das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden wuchs um fast zwölf Prozent. Dabei ragte der Bereich mit Firmenkunden und Freiberuflern positiv heraus. Im Kfz-Geschäft wuchsen besonders die Abschlüsse per Internet.

Damit gelang auch wieder die Rückkehr unter die magische Grenze von 100 bei der Schaden-Kosten-Quote. Stand hier vor einem Jahr aus Sicht der Talanx noch der eher unerfreuliche Wert von 101,7 Prozent, so ist die Zahl zuletzt auf 99 Prozent gefallen.

Das fällt negativ auf

Der alte Spruch, wonach hohe Bruttoprämien „vanity“, also Einbildung, und Gewinne „sanity“, also Vernunft sind, gilt auch bei Talanx. Letztlich wird der neue Vorstandschef am Jahresende daran gemessen, ob der die anvisierten 850 Millionen Euro als Konzernergebnis erreicht. Dann kommt es unter anderem darauf an, ob er das deutsche Lebensversicherungsgeschäft in die Spur bringt.

In den ersten drei Monaten waren hier die Prämieneinnahmen um mehr als fünf Prozent gesunken. Talanx muss es schaffen, im Neugeschäft die Kunden stärker von so genannten kapitaleffizienten Produkten zu überzeugen. Anders als in früheren Jahren haben diese keine Kapitalgarantie, sondern basieren in der Regel auf Fondsbasis. Die Versicherer müssen dafür weniger Kapital vorhalten und bieten den Kunden dafür eine etwas höhere Rendite. Bei Talanx lag der Anteil der neuen Produkte im ersten Quartal bei 71 Prozent und damit auf Vorjahresniveau. Marktführer Allianz ist im deutschen Geschäft mittlerweile bei einer Quote von rund 90 Prozent.


Noch weniger erfreulich verlief das Geschäft im Bereich Industrieversicherung. Hier stand nach drei Monaten sogar ein versicherungstechnischer Verlust von 13 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum notierte an dieser Stelle noch ein Gewinn von 19 Millionen Euro. Besonders hohe Schäden in der inländischen Feuerversicherung waren dafür verantwortlich.

Was jetzt passiert

Dass er Gas geben will, machte der neue Chef nicht nur bei der Präsentation deutlich. Am Brückentag, die viele Arbeitnehmer für ein verlängertes Wochenende nutzen, stand Torsten Leue schon morgens um acht Uhr Rede und Antwort. Für den weiteren Verlauf des Jahres kündigte er ein ganzes Bündel von Maßnahmen an, wie er den Konzern nach seinen Vorstellungen für die Zukunft aufstellen will.

Eine davon verkündete er sofort: Demnach sollen die beiden Töchter Hannover Rück und HDI künftig gemeinsam den Bereich Spezialversicherungen bearbeiten. Ein Joint Venture mit dem Namen HDI Global Speciality soll dafür Anfang 2019 die Arbeit aufnehmen. HDI hält dabei 50,2 Prozent der Anteile, die restlichen 49,8 Prozent liegen bei Hannover Rück.

Für Spezialversicherungen gibt es in der Brache keine einheitliche Definition. Generell geht es um Spezialprodukte, die in der Regel genau auf die Kundenwünsche zugeschnitten sind und dementsprechend besonders arbeitsaufwändig sind. Sie gelten aber auch als margenstark. Beim neuen Gemeinschaftsunternehmen sollen die Sparten Vermögenschadenhaftpflicht, Organhaftpflicht, Rechtsschutz, Sports & Entertainment, Luftfahrt, Offshore Energy und Tierversicherung abgedeckt werden.