Steuern sparen mit Hund und Katze

Tierbetreuung kann teuer sein. Das Hessische Finanzgericht wertete einen Gassi-Geh-Service nun als Haushaltsnahe Dienstleistung, der Fiskus beteiligt sich also an den Kosten. Doch das letzte Wort hat der Bundesfinanzhof.


Vor allem Berufstätige können ihre Vierbeiner nicht immer und überallhin mitnehmen. Hund und Katze bleiben daher manchmal einer Tierbetreuung überlassen. Diese sorgt dafür, dass die Tiere gefüttert werden, pflegt das Fell oder beschäftigt die Tiere. Das alles kostet Geld – und zählt nach Auffassung der Finanzverwaltung unter bestimmten Voraussetzungen zu den haushaltsnahen Dienstleistungen.

Bei haushaltsnahen Dienstleistungen erkennt das Finanzamt grundsätzlich 20 Prozent des Rechnungsbetrags an. Dieser Anteil der Aufwendungen ermäßigt direkt die tarifliche Einkommensteuer. Bei den haushaltsnahen Dienstleistungen werden maximal 4.000 Euro jährlich berücksichtigt. Nach Auffassung der Finanzverwaltung wird der räumliche Bereich des Haushalts durch die Grundstücksgrenzen abgesteckt. Die Steuerermäßigung kann demnach nur in Anspruch genommen werden, wenn die Leistungen in einem Haushalt des Steuerpflichtigen erbracht werden.



Der Begriff der „haushaltsnahen Dienstleistung“ selbst ist dagegen gesetzlich nicht näher bestimmt. Begünstigt sind nach geltender Rechtsprechung Tätigkeiten, die mit der Haushaltsführung zu tun haben und normalerweise von Haushaltsangehörigen erledigt werden – also zum Beispiel Kochen, Putzen oder die Gartenpflege. Aber auch, wer sich zur Betreuung oder Pflege seines Haustiers professionelle Hilfe ins Haus holt, kann deren Rechnungen von der Steuer absetzen.

Denn das Versorgen der Haustiere hat einen engen Bezug zur Hauswirtschaft. Tätigkeiten wie Füttern, die Fellpflege, das Ausführen und die sonstige Beschäftigung des Hundes fallen regelmäßig an und werden typischerweise durch den Steuerpflichtigen selbst oder andere Haushaltsangehörige erledigt. Das gleiche gilt für die Urlaubsbetreuung der Haustiere – vorausgesetzt, sie findet daheim statt.



Das Hessische Finanzgericht hat in einer aktuellen Entscheidung auch das Gassigehen als haushaltsnahe Dienstleistung definiert. Eine voll berufstätige Frau beauftragte einen Hundegassiservice. Die Hunde wurden nachmittags abgeholt und rund ein bis zwei Stunden auf den Wegen ausgeführt, die auch die Besitzerin üblicherweise mit ihren Hunden aufsuchte. Danach wurden die Hunde nach Hause gebracht. Die Kosten in Höhe von 1.500 Euro wollte die Hundehalterin als haushaltsnahe Dienstleistungen geltend machen.


Bundesfinanzhof muss entscheiden


Das Finanzgericht gab ihr recht und ging damit über die Auslegung der Finanzverwaltung hinaus. Nach Auffassung der Richter ist ein Hunde-Gassi-Gehen-Service eine Leistung, die im unmittelbaren räumlichen Bezug zum Haushalt steht und diesem bzw. dem haushaltszugehörigen Tier dient (Az.: 12 K 902/16).

Die Finanzverwaltung will die strittige Frage nun vom Bundesfinanzhof klären lassen (Az.: VI B 25/17). Betroffene sollten die Rechnung des Gassi-Services als haushaltsnahe Dienstleistung ansetzen und gegebenenfalls Einspruch einlegen. Dabei können sie sich auf das Verfahren beim Bundesfinanzhof berufen. Aber Achtung: Nur die Dienstleistung von Profis ist steuerlich begünstigt. Übernimmt der Nachbar oder Bekannte gegen Bezahlung Betreuung und Pflege der Haustiere, werden seine Rechnungen vom Finanzamt nicht akzeptiert.


Praxistipp:

Auch ein Abzug als Handwerkerleistung ist im Zusammenhang mit Haustieren denkbar – nämlich dann, wenn Sie sich beispielsweise eine Hundehütte im Garten bauen lassen. In solchen Fällen können Sie 20 Prozent vom Arbeitslohn als Handwerkerleistung in der Steuererklärung anführen. Rechnungen bis zu 6.000 Euro jährlich sind damit anteilig abzugsfähig – dadurch kann sich ein Steuervorteil von bis zu 1.200 Euro pro Jahr ergeben.

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KONTEXT

So verstehen Sie das Finanzamt

Der Einspruch ist zulässig

Wenn das Finanzamt schreibt, dass der Einspruch zulässig sei, klingt das zunächst einmal gut, aber es ist nur die halbe Miete. Denn dies heißt nur, dass der Steuerzahler die formalen Voraussetzungen für einen Einspruch erfüllt hat - wie etwa das fristgerechte Einreichen.

Der Einspruch ist begründet

Erst bei der Frage, ob der Einspruch begründet ist, prüft das Finanzamt das Anliegen des Steuerzahlers inhaltlich.

Das Finanzamt hilft ab

Im Vokabular des Finanzamts bedeutet "abhelfen", dass die Beamten dem Einspruch des Steuerzahlers folgen und beispielsweise eine außergewöhnliche Belastung doch als solche anerkennen.

Das Finanzamt gewährt AdV

Eigentlich muss eine Steuernachzahlung trotz eingelegtem Einspruch sofort beglichen werden. Der Steuerzahler kann jedoch AdV - Aussetzung der Vollziehung - beantragen. Das ist jedoch gefährlich, denn wenn der Steuerzahler Jahre später doch zahlen muss, kassiert das Finanzamt nicht nur die Nachzahlung, sondern auch noch saftige Zinsen.

Das Verfahren ruht

Wenn zu einer steuerrechtlichen Frage bereits ein Verfahren läuft, muss ein Steuerzahler, der sich aus den gleichen Gründen ungerecht behandelt fühlt, nicht selbst gegen seinen Steuerbescheid klagen. Es reicht, wenn er Einspruch einlegt und auf das laufende Verfahren verweist. Gewährt das Finanzamt das Ruhen des Einspruchsverfahrens, kann der Ausgang des anhängigen Klageverfahrens entspannt abgewartet werden.

Das Finanzministerium verhängt einen Nichtanwendungserlass

Wenn das Finanzministerium für eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs einen Nichtanwendungserlass verkündet, gilt das steuerzahlerfreundliche Urteil nur für den entschiedenen Klagefall. Andere Steuerzahler können sich dann nicht mehr darauf beziehen, sondern müssen gegebenenfalls selbst klagen.

KONTEXT

Pflicht und Kür bei der Steuererklärung

Frist

Abgabetermin für die Einkommensteuererklärung ist jedes Jahr der 31. Mai. Wenn dieser auf ein Wochenende fällt, verschiebt sich die Frist um ein bis zwei Tage.

Steuerberater

Wer einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein beauftragt, muss seine Steuererklärung für 2015 erst am 31. Dezember 2016 abgeben.

Fristverlängerung

Wenn ein Steuerzahler seine Erklärung selbst machen will, es aber nicht rechtzeitig schafft, kann er beim Finanzamt eine Fristverlängerung beantragen. "Zulässige Gründe können etwa fehlende Unterlagen oder eine längere Krankheit sein", sagt Isabel Klocke vom BdSt.

Pflicht

Längst nicht jeder Arbeitnehmer ist zur Abgabe verpflichtet. Wer ledig ist, nur Lohn von einem Arbeitgeber bezieht und keine weiteren Einkünfte von mehr als 410 Euro hat - etwa aus einer Nebentätigkeit, einer Vermietung oder in Form von Lohnersatzleistungen wie Elterngeld - kann auf die Abgabe verzichten - oder sich vier Jahre Zeit lassen. Die Erklärung für das Jahr 2015 kann dann noch bis zum 31. Dezember 2019 abgeben werden.

Senioren

Seit einer Gesetzesänderung 2005 sind Rentner häufiger zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet. Dies hängt von der Höhe der Bruttorente und dem Jahr des Renteneintritts ab. Wer beispielsweise 2015 in Rente ging, ledig ist und im vergangenen Jahr höchstens 1207 Euro Monatsbruttorente bekommen hat, muss keine Steuererklärung abgeben. Wer mehr bekam, kann dazu verpflichtet sein.