Steuergewerkschaft fordert von neuer Regierung "Obergrenze Null" bei Steuerflucht

Die Deutsche Steuer-Gewerkschaft (DSTG) fordert nach den Enthüllungen zu Steueroasen durch die "Paradise Papers" von der neuen Bundesregierung eine "Obergrenze Null" beim Thema Steuerhinterziehung und Steuerflucht. "Es geht so nicht weiter, dass sich die Staatenwelt an der Nase herumführen lässt", sagte Gewerkschaftschef Thomas Eigenthaler am Montag dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

"Es sind bestimmte reiche Leute, die sich getrieben durch Gier, durch Arroganz und durch eine Staatsverachtung beim Steuerzahlen in die Büsche schlagen und den Staat der Lächerlichkeit preisgeben." Bei ihnen handele es sich um "Leute, die jeglichen Anstand verloren haben und am Ende des Tages noch auf ein Bundesverdienstkreuz hoffen", kritisierte Eigenthaler.

Das System werde unterstützt durch eine dubiose Anwaltselite, die sich auch das kleinste Steuerschlupfloch auf dem Erdball zunutze mache, während dem Arbeitnehmer in Deutschland jeder Cent automatisch abgezogen werde. Es sei eine Schande, dass sich viele Vorgänge sogar innerhalb der EU abspielten, fügte der Gewerkschaftschef hinzu.

Als nationale Sofortmaßnahme sollten Meldepflichten nicht nur für "Drittstaaten" gelten, sondern auch für alle Investments in EU-Staaten eingeführt werden. Europäische Steueroasen wie Malta, Madeira, die Kanalinseln, Luxemburg und Irland seien genauso zu behandeln wie Oasen außerhalb der Europäischen Union, forderte Eigenthaler. Außerdem müsse Steuerhinterziehung durch Trusts, durch Briefkastenkonstruktionen und durch die Einschaltung von Strohmännern auch innerhalb der EU automatisch als sogenannte "schwere Steuerhinterziehung" eingestuft werden.