Steuerexperte: Trumps Steuerreform könnte deutsche Firmen entlasten

Deutsche Unternehmen könnten von US-Präsident Donald Trumps angekündigter Steuerreform stark profitieren. "Wenn die Reform in Kraft tritt, dann wird sie die vielen deutschen Familienunternehmen, Mittelständler und Konzerne mit Niederlassungen in den USA steuerlich entlasten", sagte der Steuerexperte Marko Gründig von der Wirtschaftsberatung KPMG im Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. Der US-Senat hat am Donnerstag den Weg frei gemacht für eine schnelle und einfachere Abstimmung über die Reform.

Die Steuern in den USA seien bislang vergleichsweise hoch, sagte Gründig, der jahrelang deutsche Unternehmen in den USA beriet und nun in Deutschland die Abteilung für Steuern bei KPMG leitet. Bis zu 35 Prozent Körperschaftssteuer müssen Firmen in den USA zahlen - Trump will den Satz auf 20 Prozent senken.

"Die Reform wird sich aller Voraussicht nach positiv auf die Besteuerung der Gewinne der deutschen Unternehmen in den USA auswirken", sagte Gründig. Deren Jahresüberschuss würde dadurch steigen.

Für Dax-Konzerne wie Siemens und für den Mittelstand seien die Vereinigten Staaten einer der wichtigsten Märkte. Auch Autobauer wie Volkswagen und BMW sowie der Chemiekonzern Bayer haben große Fabriken dort. Eine Sondersteuer für ausländische Unternehmen, wie Trump sie zwischenzeitlich ins Gespräch brachte, sei vom Tisch, sagte Gründig.

Allerdings seien die Pläne Trumps noch nicht ausgereift. Derzeit liege nur ein Vorschlag mit neun Seiten vor. "Eine Steuerreform von dieser Größenordnung, über die entschieden werden kann, hat oft mehr als tausend Seiten Gesetzes- und Erläuterungstexte", gab Gründig zu bedenken.

Er hat zudem Zweifel, ob Trump die Reform wirklich durchsetzen kann. Er habe sich mit seiner eigenen Partei, den Republikanern, zerstritten. Außerdem stehe er unter Zeitdruck, denn wenn die Reform nicht bis zum Sommer 2018 umgesetzt werde, könne er sie nicht als Erfolg bei den Zwischenwahlen vorweisen.