Nach Steuer-Anhörung: Ronaldo erklärt sich

Cristiano Ronaldo sagte in der Nähe von Madrid vor Gericht aus

Unter großem Medienrummel musste sich Superstar Cristiano Ronaldo am Montag persönlich vor der spanischen Justiz wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung verantworten - zeigte sich jedoch nicht der Presse.

Der Portugiese in Diensten des spanischen Rekordmeisters Real Madrid erschien am Vormittag zu seiner Anhörung vor der zuständigen Ermittlungsrichterin in seinem Wohnort Pozuelo de Alarcon - 15 Kilometer westlich der Hauptstadt.

Gegen 11 Uhr fuhr Ronaldo in einem Auto mit getönten Scheiben in die Tiefgarage des Gebäudes - vorbei an den 215 wartenden Journalisten und 40 Kameras, laut der spanischen Marca die meisten Vor-Ort-Reporter vor einem spanischen Gericht überhaupt.


"Wäre mein Name nicht Cristiano Ronaldo, dann wäre ich nicht hier", soll er laut spanischen Medienberichten gesagt haben.

Die Anhörung hinter verschlossenen Türen begann um 11.30 Uhr. Um 13 Uhr verließ Ronaldo wortlos das Gericht und zeigte sich überraschend nicht den Medien. 

Buhrufe von Journalisten für Ronaldo

Als Unternehmensdirektor Inaki Torres den wartenden Journalisten erklärte, dass Ronaldo entgegen der Abmachung nicht auftauche, gab es laute Buhrufe.

Wenig später ließ Ronaldo allerdings eine schriftliche Stellungnahme verbreiten.

"Das spanische Finanzamt kennt alle meine Einkünfte im Detail, weil wir sie ihnen übermittelt haben. Ich habe weder irgendetwas verschleiert noch hatte ich die Absicht, Steuern zu hinterziehen", wird der viermalige Weltfußballer darin zitiert. "Ich mache meine Steuererklärung immer auf freiwilliger Basis, weil ich denke, dass wir alle gemäß unseren Einkünften Steuern erklären und bezahlen müssen. Wer mich kennt, weiß, was ich von meinen Beratern verlange: Dass alles pünktlich und korrekt bezahlt wird, weil ich keine Probleme haben will."

Mehrjährige Haftstrafe droht

Die Staatsanwaltschaft wirft Ronaldo in ihrer Anklage Steuerhinterziehung in Höhe von 14,7 Millionen Euro vor.

Im Fall einer Prozesseröffnung und einem Schuldspruch droht ihm eine mehrjährige Haftstrafe - von dreieinhalb Jahren ist die Rede. Dazu ist eine Geldstrafe von 28 Millionen Euro im Gespräch.

Nach Ansicht der Staatsanwälte soll Ronaldo zwischen 2011 und 2014 seine Einnahmen aus Bildrechten dem Finanzamt vorenthalten haben.

Dafür habe der 32-Jährige auf den Britischen Jungferninseln und in Irland ein undurchsichtiges Unternehmenskonstrukt geschaffen.

Ronaldo hat ein reines Gewissen

Die Anwälte des Europameisters haben diesen Vorwurf zurückgewiesen. Das tat Ronaldo nun auch selbst "Als ich zu Real gewechselt bin, habe ich nicht geglaubt, dass es eine besondere Struktur gibt, um meine Bildrechte zu vermarkten", gab er an. "Daher habe ich weiter die aus meiner Zeit auf der Insel genutzt." Sie stamme aus dem Jahr 2004 und sei in Großbritannien völlig legal.

Ronaldo selbst hatte zuletzt erklärt, dass er ein reines Gewissen habe. Zudem ließ er in dem versandten Schreiben betonen, dass er einer der Einzelzahler mit den höchsten Steuerbeiträgen ganz Spaniens sei.

Ermittlungsrichterin Monica Gomez Ferrer hat nun bis zu 18 Monate Zeit, um über eine Prozesseröffnung zu entscheiden. Beim fünfmaligen Weltfußballer Lionel Messi vom FC Barcelona dauerte ein ähnlicher Prozess vier Jahre.

Am Ende wurde der 30 Jahre alte Argentinier zu einer Haftstrafe von 21 Monaten verurteilt. Das Gericht wandelte die Gefängnisstrafe aber in eine Geldbuße um. Gefängnisstrafen unter zwei Jahren werden in Spanien üblicherweise nicht vollstreckt.

Messi musste für seine Steuerhinterziehung in Höhe von 4,16 Millionen Euro insgesamt 2,25 Millionen Euro Strafe zahlen.