Steinmeier und Zeman loben tschechisch-deutsche Beziehungen

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender werden vom tschechischen Präsidenten Milos Zeman und dessen Frau an der Prager Burg empfangen.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender werden vom tschechischen Präsidenten Milos Zeman und dessen Frau an der Prager Burg empfangen.

Deutschland und Tschechien haben einen langen Weg der Annäherung zurückgelegt. Ihre Beziehungen gelten als harmonisch. Beim Besuch des Bundespräsidenten in Prag findet eine Geste Steinmeiers besondere Beachtung.

Prag (dpa) - Die Staatsoberhäupter Deutschlands und Tschechiens haben die enge Partnerschaft ihrer Länder als europäische Erfolgsgeschichte gewürdigt und zu ihrer Weiterentwicklung aufgerufen.

Die Beziehungen könnten kaum besser sein, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Donnerstag nach einem Gespräch mit seinem tschechischen Kollegen Milos Zeman in Prag. «Das ist ein Schatz, den wir pflegen müssen, gerade auch für die künftigen Generationen.» Zeman betonte: «Unsere Beziehungen waren noch nie so gut wie in der Gegenwart.» Der 76-Jährige bedankte sich besonders für die deutsche Hilfe während der Corona-Pandemie. Bundeswehrärzte waren in einem Militärkrankenhaus in Prag im Einsatz gewesen.

Mit besonderer Aufmerksamkeit wurde in Tschechien registriert, dass Steinmeier am Vormittag zunächst einen Kranz an der Gedenkstätte für die Widerstandskämpfer niederlegte, die 1942 den SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich getötet hatten. «Ich verstehe das als eine sehr symbolische Geste», sagte Zeman. Im tschechischen Fernsehen sprach ein Politikwissenschaftler von einer «Geste der Aussöhnung».

Die Tschechoslowaken Jan Kubis und Jozef Gabcik hatten 1942 einen Anschlag auf Heydrich verübt, einen der führenden Köpfe Hitler-Deutschlands. Heydrich starb kurz darauf an den Folgen seiner Verletzungen. Nazi-Deutschland rächte sich brutal. Die Dörfer Lidice und Lezaky wurden dem Erdboden gleichgemacht. Allein in Lidice wurden bei einem Massaker rund 170 Männer erschossen und die Frauen in Konzentrationslager verschleppt.

Steinmeier war das erste deutsche Staatsoberhaupt, das die Prager Cyrill-und-Method-Kirche besuchte, in deren Krypta sich Kubis und Gabcik verschanzt hatten und wo sie schließlich starben. Er sprach auch kurz mit einer Großnichte von Kubis, Dagmar Raupachova. Sie sagte der Agentur CTK: «Ich halte diesen symbolischen Besuch für wichtig.» Die Widerstandskämpfer seien junge Männer gewesen, die ihr Leben noch vor sich gehabt hätten. Sie hätten bis zum Tod für ihr Vaterland gekämpft.

Steinmeier betonte, «gerade im Bewusstsein dieser schwierigen Geschichte» sei es erfreulich, dass die Freundschaft beider Länder heute ein so festes Fundament gewonnen habe, «dass sie geradezu unabhängig geworden ist von den politischen Konstellationen auf der einen oder anderen Seite». Das sei wichtig in einem Jahr, in dem in beiden Ländern Parlamentswahlen stattfänden.

Der Bundespräsident sicherte Tschechien deutsche Unterstützung bei der EU-Ratspräsidentschaft im kommenden Jahr zu. Er sei sich sicher, dass das Land «der Europäischen Union neue Impulse verleihen wird».

Zu den wenigen kontroversen Themen zwischen beiden Ländern gehört der «Green Deal» der EU-Kommission zur Reduktion der Treibhausgase. «Hier gehen unsere Ansichten etwas auseinander», sagte Zeman, der sich einen kleinen Seitenhieb auf Deutschland und seine Energiewende nicht verkneifen konnte: Tschechien werde sich anschauen, welche Folgen das Auslaufen von Atomenergie und Kohleverstromung habe. «Wenn es zu einem Mangel an Elektrizität kommt, wird Tschechien als bedeutender Exporteur sehr gerne bereit sein, Strom in die Bundesrepublik zu liefern - zu einem vernünftigen Preis.»

Die Regierung in Prag hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil der Atomenergie an der Stromerzeugung bis 2040 von rund einem Drittel auf die Hälfte auszubauen.

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