Steinmeier warnt in Indien vor "Aushöhlung" von Handelsordnung und Völkerrecht

Steinmeier (r.) und Indiens Präsident Ram Nath Kovind

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei einem Besuch in Indien für eine engere Zusammenarbeit beider Länder geworben, um "die Zukunft des internationalen Handels" zu sichern. Als "große Handelsnationen können wir nicht daran interessiert sein, dass bestehende Ordnungssysteme und das Völkerrecht ausgehöhlt werden", sagte Steinmeier bei einem Staatsbankett des indischen Präsidenten Ram Nath Kovind am Samstag in Neu Delhi.

In seiner Rede beschwor Steinmeier die Bedeutung einer internationalen Ordnung, die auf "gegenseitigem Respekt und vereinbarten Regeln gründet". Gemeinsam könnten sich Indien und Deutschland für eine solche Ordnung einsetzen - während "vielerorts dem Prinzip 'Jeder gegen Jeden' das Wort geredet wird".

Sein Besuch sei Ausdruck des deutschen Wunsches nach "einer neuen Dynamik in unseren Beziehungen", sagte der Bundespräsident laut Redetext. Beide Länder hätten einander viel zu bieten - etwa in den Bereichen Wissenschaft und Kultur.

Der Bundespräsident sprach sich laut Redemanuskript dafür aus, dass Indien und Deutschland "in bilateraler Zusammenarbeit Beiträge zur Lösung globaler Fragen leisten". Als Beispiel nannte er den Klimaschutz - "gerade wenn diese Fragen derzeit von anderen ignoriert werden".

US-Präsident Donald Trump hatte im Juni den Austritt seines Landes aus dem 2015 geschlossenen internationalen Klimaschutzabkommen angekündigt, weil dieses die USA benachteilige und dort zu viel Jobs koste. Aus denselben Gründen hatte er in den vergangenen Wochen wiederholt mit Strafzöllen auf verschiedene Produkte mehrerer Länder gedroht und damit Ängste vor einem globalen Handelskrieg geschürt.

Steinmeier war am Mittwochabend zum Staatsbesuch nach Indien aufgebrochen, wo er unter anderem mit Premierminister Narendra Modi zusammentraf. Am Sonntag steht die Millionenmetropole Chennai als ein wichtiger Schwerpunkt der deutschen Wirtschaft in Indien auf dem Programm. Steinmeier wird von seiner Frau Elke Büdenbender begleitet. Die Rückreise ist für Montag geplant.